Die
Geschichte vom Affen und vom goldenen Ball ein
Musikmärchen für Kinder
Musik von Ivan
Sokolov, Story von Leonhard Lenz, Uraufführung
Rüttihubeliade, Mittwoch
29. Dezember 2004, Nachmittagskonzert 15:00
Die Jungen laufen dem klassischen Konzertbetrieb davon. Darum bemühen sich viele Institutionen um die Jungen. Z.B. haben die Berliner Philharmoniker seit Simon Rattle eigene kleine Veranstaltungen wo Kinder musikalisch kreativ mitmachen können. Auch die Rüttihubeliade möchte jedes Mal ein Kinderkonzert ausdenken. Diesmal schreibt Ivan Sokolov als Composer in Residence ein musikalisches Märchen nach einer Handlung des Unterzeichneten. Es richtet sich an Kinder ab vier Jahren, aber auch an grosse Kinder bis 80. Ivan hat in Moskau jahrelang an Vorschulkinder Musik- und Kompositionsunterricht erteilt. Er weiss, wie Kinder Musik machen.
Welche Handlung kann ein ganz kleines Kind verstehen? Eigene Erinnerung ans Vorschulalter führt zum Kasperlitheater. An der Basler Herbstmesse war neben Zuckerwatte, Lebkuchen und Karussell das wichtigste die Kasperlebude, ein Füfzgi oder einen Franken kostete der Eintritt. Da sass man in Halstuch und Mäntelchen auf glänzend braun lackierten Holzbänkchen ohne Lehne, frierend und doch der Vorstellung entgegenfiebernd.
Ein Klopfen zeigte den Beginn der Vorstellung. Kühn schwingt Kasperli beim Auftritt sein Stoffbein über die Rampe, kräht laut, Hallo ihr Kinder, seid ihr alle da? Das Ja ist ihm nicht laut genug, dreimal muss man immer lauter JAAAAAA krähen, bis es Kasperli hört mit seiner roten Nase und der Zipfelmütze. Die weitere Handlung? Immer gab es einen Bösewicht - Räuber, Krokodil, was weiss ich. Dann einen Polizisten, eine Grossmutter und eine Hexe. Und Hauptsache wenigstens für mich - war immer die Schlägerei, in der Kasperli dem Guten wieder zum Durchbruch verhalf.
So ein Märchen haben wir jetzt gemacht. Die Musiker sind gleichzeitig Kasperlefiguren. Weil sie spielen müssen sorgt ein Sprecher für die Worte. Für den Bösewicht dachten wir zuerst an ein Ungeheuer, einen Dämon. Aber da würden die ganz Kleinen ja Angst bekommen und gar schlecht träumen. So kamen wir auf den Affen, der ist noch freundlich und hat ein Fell zum Anfassen. Dann braucht es einen König, eine Königin, eine Prinzessin, einen Polizisten und etwas was der Affe stehlen kann. Den Figuren gibt der Komponist Leitmotive im Rhythmus ihrer Gangart. Nur dem Affen schreibt er nichts vor, der kann ja nicht Noten lesen.
Damit die Kinder sehen, worum es in der Musik geht erhält die Prinzessin gleich Violinunterricht (auf einer Kindergeige). Sie lernt Tonleiter auf und ab, lustiges Dur und trauriges Moll, Melodie, Kanon. Und für ihre Vortragsübung wird der Komponist sie begleiten (auf einem Spielzeugklavier). Natürlich muss eine Schlägerei sein. Aber, wenn die Kinder mithelfen findet alles seine richtige Ordnung und es gibt Tanz und Belohnung für alle.
Nicht alles wächst auf eigenem Mist: Die Idee mit den Spielzeuginstumenten ist uns gekommen, nachdem wird die entzückende Musik des Spielzeugorchester von Pascal Comelade kennengelernt haben, ein 1955 geborener katalanischer Musiker und Komponist (empfehlenswert sein Bilderbuch mit CD "Pascal Comelade y su orquesta de instrumentos de juguete", ISBN 84-95951-52-5). Ja und die Idee mit den Leitmotiven ist natürlich von Wagner.
Leonhard Lenz