BARTOK, B. (1881-1945):
Violinkonzert Nr. 1, op. posth. (1907)
Sein erstes
Violinkonzert schrieb Béla Bartók 1907 für die
ungarische Geigerin Stefi Geyer, seine Jugendliebe, die in
Dissonanz endete. Bartók entwarf mit den beiden Sätzen
ein Doppelportrait der Künstlerin, im ersten Satz erscheint ihre
Poesie, im zweiten ihr virtuoses Temperament. Stefi Geyer spielte das
Werk nie und es galt lange Zeit als verschollen. Erst nach ihrem
Tod kam das Manuskript im Nachlass zum Vorschein und wurde im
Rahmen des "Bartók-Festes" 1958 in Basel
uraufgeführt, auf Wunsch der Widmungsträgerin durch
Hansheinz Schneeberger. Das Konzert steht noch ganz in der
Spätromantik, ohne die dissonanten Brüche des späteren
Bartok. Eine zauberhafte Erfindung ist der Beginn des ersten Satzes
mit sich addierenden Sologeigen und das ganze Werk hat eine
unmittelbar anrührende Qualität. Es wird zu selten gespielt.
BARTOK, B. (1881-1945):
Violinkonzert Nr. 2, BB 117 (1937-38)
Bartoks zweites
Violinkonzert wurde im Auftrag des ungarischen Geigers Zoltán
Székely geschrieben und ist ihm gewidmet. Vor der
Kompositionsarbeit studierte Bartok die neuen Geigenkonzerte von
Berg, Weill, and Szymanowski. Ursprünglich wollte Bartok nur ein
Konzert in Form eines einzigen Variationensatzes schreiben. Auf
Verlangen Szèkelys, der ein konventionelles Violinkonzert
wünschte wurden dann noch der erste Satz Allegro non troppo und
der letzte Satz Allegro molto zugefügt, die beide auf
demselben Material basieren. Herzstück des Konzertes bleibt aber
der mittlere Variationensatz, der ruhige und bewegte Abschnitte
vereint und eigentlich in sich abgeschlossen ist. Ebenfalls auf
Verlangen Székelys wurde der rein orchestrale Schluss des
letzten Satzes zu einem Schluss mit Sologeige umgearbeitet. Heute
werden beide Fassungen gespielt. Die Uraufführung erfolgte im
Concertgebouw, Amsterdam im März 1939 mit Zoltán
Székely und dem Concertgebouw-Orchester unter Willem Mengelberg.
BARTOK, B. (1881-1945):
Streichquartett Nr. 4 (1928)
Das vierte
Streichquartett schrieb Bartok 1928. Im Zentrum steht der langsame
dritte Satz. Das Cello beginnt dort mit einem grossen und
leidenschaftlichen rubato-parlando Solo, dahinter ein fahler
non-vibrato-Hintergrund der übrigen Streicher. Der Satz
verklingt in einem Geige-Cello Dialog. Zweiter und vierter Satz sind
je ein Scherzo, deren erstes ist ein Perpetuum mobile "con
sordino", das andere durchwegs "Pizzicato", wobei
Bartok erstmals die aufs Griffbrett knallenden Pizzicati vorschreibt,
die später als "Bartok-Pizzicati" ein Begriff
wurden. Die Allegrosätze am Anfang und am Schluss
verarbeiten verwandtes Material. Besonders der letzte Satz
beeindruckt bis heute durch seine unerhörte dissonant-heidnische Raserei.
BARTOK, B.
(1881-1945): 44 Duos für zwei Violinen (1933)
Nach Bartoks
Erfolg seiner kindergerechten Klavierwerke "Für Kinder"
(1909) und "Mikrokosmos" (1926-1939) wünschte sich
der Frankfurter Violinpädagoge Erich Doflein leichte Geigenduos
für die Geigenschule, die er zusammen mit seiner Frau schrieb.
Bis 1933 entstanden insgesamt 44 Duos. Die Ein- bis Zweiminüter
entstanden oft auf Basis der von Bartok vielgeliebten und
-gesammelten Tänze und Lieder aus Transsylvanien, Rumänien
oder sogar aus dem arabischen Raum. Trotz ihrer vordergründigen
Einfachheit beinhalten sie veschiedenste Farben, viel Temperament und Spielwitz.