BLOESCH-Stöcker, Adele: Violinkonzert e-moll
Die Geigerin Adele Bloesch-Stöcker wurde 1875 in Gummersbach (D) geboren. Als Solistin war sie erfolgreich u.a. in Leipzig und Berlin. Sie spielte mit Max Reger, dessen Solosonaten für Geige sie auch interpretierte. Ab 1903 trat sie wiederholt unter Fritz Brun in Bern auf und liess sich dort 1908 durch Heirat mit dem Stadtbibliothekar Bloesch nieder. Portraits aus dieser Zeit zeigen eine elegisch-schöne junge Frau. 1920 gründete sie das Berner Kammerorchester. 1928 betreute sie den musikalischen Teil der Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit (SAFFA). Wegen eines Rheumaleidens konnte sie schon früh nicht mehr spielen. 1935 und 1936 dirigierte sie ihr spät-romantisierendes Violinkonzert in Burgdorf und Bern. Solistin war die heute noch in Gstaad lebende Marguerite de Siebenthal, die berichtet, dass man dieses Stück "mit Herz" spielen müsse. Mit 98 Jahren verfasste Adele Bloesch Erinnerungen an Max Reger (Zürich: Bollmann 1973): Sein Genie wird liebevoll, sein Alkoholkonsum drastisch geschildert. Sie verstarb mit 103 Jahren in Winterthur, wo das Manuskript ihres Violinkonzertes wieder aufgefunden wurde. Patricia Kopatchinskaja spielte dieses Violinkonzert zum 50.Jahrestag der Neugründung des Berner Kammerorchesters am 29.10.2002, (>>Kritik).
(Nach einem Artikel "Töne aus dem Bärengraben" von Doris Lanz im Berner Almanach 4/2001).