Für Emmi gehts um die Wurst

Ein hochkarätiges Fest der Kammermusik: Die 2. Rüttihubeliade versammelt grosse Namen

Zum zweiten Mal verwirklicht Patricia Kopatchinskaja den Traum des Musikfests in der Altjahrswoche. Neben Hansheinz Schneeberger oder Thomas Demenga und allen bisherigen Preisträgern des CS Young Artist Award tritt im Programm auch ein West Highland White Terrier auf.

«Freunde spielen aus Freude», lautet das Motto der 2. Rüttihubeliade. Musizieren Sie denn nicht immer aus Freude?
Patricia Kopatchinskaja: An «normalen» Festivals wird man als Musikerin oft mit Leuten zusammengewürfelt, die man nicht kennt oder mit denen man sich nicht ganz versteht. Dann muss man versuchen, trotzdem eine professionelle Leistung abzuliefern. Hier spielen wir nur mit wem wir wollen und was wir wollen. Das gibt Energie.

Sie organisieren ein einwöchiges Festival in einer Zeit, in der Sie sich vom Konzertstress einmal ausruhen könnten. Warum?
Dass wir nur für uns mit Freunden aus der ganzen Welt Kammermusik machen, hat Tradition. Doch es war immer schwierig, gemeinsame Termine zu finden. An einem Festival wie der Rüttihubeliade können wir so viel zusammen spielen, wie wir wollen. Die Altjahrswoche ist der einzige für alle passende Zeitpunkt. Für uns alle ist dies das allerschönste Weihnachtsgeschenk.

Die erste Festivalausgabe war für Sie ein Experiment, ein Wagnis. Haben Sie das Konzept verändert?
Bei der 1. Rüttihubeliade organisierten wir zu viele Konzerte. Das Publikum war überfordert, und auch wir erreichten unsere Grenzen.Deshalb wollten wir dieses Jahr weniger machen. Jetzt sind es mit zwölf Konzerten wieder viele. Unser Hunger auf Kammermusik ist einfach zu gross! Ich hoffe nächstes Jahr auf eine vernünftige Diät. Letztes Jahr hatten wir zu wenig Vorbereitungszeit, ausserdem kaum Werbung und keine Sponsoren. Das haben wir verbessern können. Jetzt brauchen wir nur noch genug Publikum, um über die Runden zu kommen.

Weshalb findet das Fest im Rüttihubelbad und nicht in Bern statt?
Der kulturelle Leiter des Rüttihubelbades, Bart van Doorn, hat uns die Möglichkeit angeboten und sorgt auch für Unterkunft, Essen und Infrastruktur für die Musiker. Tatsächlich denken wir für die Zukunft auch an Konzerte in Bern, aber wir wissen noch nicht wo und wie.

Ihre Musikerfreunde kommen für die Woche extra aus der ganzen Welt. Organisieren Sie für diese ein Freizeitprogramm?
Unsere einzige Freizeitbeschäftigung ist der kurze Spaziergang vom Ferienheim, in dem wir untergebracht sind, zum Rüttihubelbad. Sonst proben und spielen wir fast dauernd. Es bleibt manchmal kaum Zeit zum Essen. Aber diskutiert wird viel.

Sie haben so viele renommierte Musikerinnen und Musiker engagiert. Spielen preisgekrönte Köpfe am liebsten unter sich?
Preise bedeuten wenig.Uns verbindet die Freude an der Kammermusik und an den Fähigkeiten der anderen. Wenn die visionäre Klarheit von Konstantin Lifschitz, der beseelte Ton von Sol Gabetta, der bedingungslose Einsatz der Quirine Viersen, das tiefe Verständnis von Boris Yoffe, die kammermusikalische Erfahrung von Daniel Kobyliansky und Roman Spitzer, die spielerische Fantasie von Ivan Sokolov, die Meisterschaft von Thomas Demenga, Hansheinz Schneeberger oder Kaspar Zehnder zusammenkommen, ergibt das eine ganz besondere Alchemie, die auch das Publikum spürt.

Wie die grossen nationalen Musikfestivals warten auch Sie mit einer Uraufführung auf und haben mit Ivan Sokolov einen Composer in Residence. Welchen Mehrwert bringt das dem Kammermusikfest?
Ich finde es schrecklich, wenn Musik zum verstaubten Museum verkommt, wenn sie sich nicht mehr entwickelt. Unsere Zeit hat die Pflicht, musikalisch Neues zu suchen und zu schaffen, das heisst, zeitgenössische Komponisten zu unterstützen und deren Musik zu spielen. Am West Cork Chamber Music Festival in Irland wird das Publikum in diesen Prozess einbezogen: Jedes Jahr liegen zwei neue ungeschriebene Kammermusikstücke zur Subskription durchs Publikum auf. Das werden wir nachmachen. Nächstes Jahr wird Otto Zykan Composer in Residence sein. Und wir werden am diesjährigen Festival ein oder zwei ungeschriebene Stücke von ihm vorstellen und am nächsten Festival spielen. Es muss eine Verschwörung zwischen Publikum und Musikern entstehen, damit die Musik lebendig bleibt.

Ihr West Highland White Terrier begleitet Sie auf alle Konzertreisen. Zum ersten Mal tritt Emmi nun an Ihrer Seite auf. Im Kindermärchen «Die Geschichte vom Affen und dem goldenen Ball» spielen Sie die Prinzessin, und Emmi den Hund. Haben Sie Zeit, mit ihr zu trainieren, bekommt Emmi eine Gage?
Emmi will immer dort sein, wo Action ist. Sie kommt freiwillig auf die Bühne, der Tierschutzverein hat nichts zu reklamieren! Bei klassischer Musik schläft Emmi ein. Bei moderner Musik bellt sie manchmal. Sie kann im Fernsehen Tiere erkennen und wird das im Kindermärchen vorführen. Mehr möchte ich nicht verraten. Natürlich wird Emmi beschenkt: Sie bekommt eine Wurst. Und alle Kinder, die beim Theater mitmachen, als Belohnung ein Mandelbärli.

Konzerte Vom 27. bis 30. Dezember, täglich 16.30 und 19.30 Uhr. Ausnahme: Das Kindermärchen am 29. 12. findet um 15 Uhr statt. Ganzes Programm www.ruettihubelbad.ch oder Tel. 031 700 81 81.

Zur Person: Patricia Kopatchinskaja, die Initiantin des Kammermusikfests «Rüttihubeliade» wurde in Moldawien in eine Musikerfamilie hineingeboren. Sie studierte Violine und Komposition in Wien und Bern und trat als Aufsehen erregendes Nachwuchstalent mit den renommiertesten Orchestern der Welt auf. Im Jahr 2000 gewann sie den Internationalen Henryk Szeryng-Wettbewerb in Mexico, 2002 den hochdotierten Internationalen Credit Suisse Group Young Artist Award und 2004 den New Talent SPP Award der European Broadcasting Union. Patricia Kopatchinskaja ist 27 Jahre alt und lebt in Bern. (mks)

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