ENESCU, Georges (1881-1955): Violinsonate Nr. 3 (dans le charactère populaire roumain), "Impressions d'enfance" für Violine und Klavier.
Enescu
stammte aus Moldavien (der Heimat auch Patricia Kopatchinskajas) und
hatte ersten Geigenunterricht bei einem Volksmusikanten, bevor er
nach Ausbildung in Wien und Paris zu Weltruhm gelangte, vor allem als
Geiger und Pianist. Er selber sah sich aber als Komponist. Einige
seiner Symphonien und Kammermusikwerke zeigen Anklänge an Franck
und Fauré. In der dritten Geigensonate (1921) jedoch und in
den späten "Impressions d'enfance" (1940) fand er eine
unverwechselbare Tonsprache, die an seine folkloristischen Wurzeln
anknüpft, ohne diese nur zu imitieren. Besonders die dritte
Sonate ist ein erratischer Block quer in der Musiklandschaft, ohne
Vorbild oder Nachahmer. Es gibt davon Aufnahmen von Enescu selber mit
Lipatti und auch eine der jugendlichen Geschwister Menuhin, die unter
Anleitung von Enescu entstanden ist. So weiss man, wie diese Sonate
gespielt werden soll, nämlich durchaus mit der parlando-rubato
Diktion und der Verzierungskunst der rumänisch-moldavischen
Volksmusik ((>>Kritik
Salzburg 2003, >>Kritik
New York 2003, Kritiken
Salzburg 2004).
In den "Impressions d'enfance" illustriert das einleitende Stück einen geigenden Volksmusikanten, - vielleicht eine Hommage an Enescus ersten Geigenlehrer. Dann hört man auch Grillen, den Kanarienvogel im Käfig, wieder (wie bei Biber) den Kuckuck, aber diesmal offensichtlich als Kukucksuhr, dann den Wind im Kamin, den Sturm...