Erwartungen sind geweckt: «Freunde spielen aus Freude»: Bereits zum Auftakt sprang das Motto der zweiten Rüttihubeliade aufs Publikum über.
Kathrin Schneider in der Berner Zeitung, 28.12.2004: Nach 2003 findet das Kammermusikfest Rüttihubeliade in der diesjährigen Altjahrswoche das zweite Mal statt. Auch heuer hat die Violonistin Patricia Kopatchinskaja die künstlerische Koordination übernommen und ein internationales Ensemble zusammengestellt.
Gespielt werden in einem bunten Programm Werke von Beethoven, Bach, Schubert und Mozart. Dazu bereichern modernere Komponisten wie Honegger, Bartok oder der 1960 geborene Ivan Sokolov das Repertoire. Sokolov ist ausserdem persönlich am Festival beteiligt. Er vertritt eine neue Generation von Künstlern, die erfrischend aufspielen und mit sichtbarer Freude musizieren.
Dieser Funke springt auch an der Matinee am 26. Dezember aufs Publikum über, als Jasmin Kobyljansky-Vollmer an der Harfe und Daniel Kobyljansky mit der Violine die «Fantasie» von Camille Saint-Saëns ertönen lassen. Die begeisternde Interpretation des Divertimentos in Es-Dur KV 563 von Mozart, die die drei jungen Musiker Patricia Kopatchinskaja, Violine, Roman Spitzer, Viola, Sol Gabetta, Violoncello, hinlegen, weckt für die weiteren Vorträge hohe Erwartungen.
Weihnachtskonzert von BellArte München
DZ in "Der Neue Merker" vom 24.12.2004: In der Philharmonie zu München: BellArte - schöne Kunst, hier schöne Musik. Das Doppelkonzert a-Moll Op. 3/8 von Antonio Vivaldi als Einleitung stellte zunächst noch keine Positivwerbung für das Bachorchester des Gewandhauses zu Leipzig dar, mit seinen beiden bemerkenswert uneinigen ersten Violinisten (Leitung und 1. Violine Christian FUNKE) und hart sägendem Ton (nur was für ganz eingefleischte Fans dieser Spielart)... Erste Solistin dieses Konzertes war die Geigerin Patricia KOPATCHINSKAJA. Bei Vivaldis Herbst aus den Vier Jahreszeiten noch dem historisierend starren Klang des Bachorchesters angepasst, konnte sie ihr bemerkenswertes Temperament bei Astor Piazzollas Winter aus dessen Jahreszeiten adäquat ausleben. Die junge Moldavierin geht mit kräftigem Strich und dunklem Sound zu Werke und begeisterte das Publikum ganz und gar mit ihrer Zugabe, einem Stück für Violine, Stimme und Füßestampfen von dem zeitgenössischen österreichischen Komponisten Otto M. Zykan - ein kleiner Geigenkobold schien sich da auf der Bühne auszutoben...
Alltägliches nicht alltäglich interpretiert - Maria Pammer (Sopran) und Patricia Kopatchinskaja (Violine) haben György Kurtágs «Kafka-Fragmente, op. 24» und eine Uraufführung des Winterthurer Komponisten Max E. Keller meisterhaft interpretiert.
Michael Heisch in Der Landbote, Winterthur vom 14.12.2004: Der ungarische Komponist György Kurtág hat aus Kafkas Tagebüchern und Briefen Texte zusammengestellt, die er zwischen 1985/86 in einem rund einstündigen Zyklus für Sopran und Violine vertonte. Vierzig Fragmente, manche davon sind eigentliche Minidramen, geben scheinbar beiläufige Bemerkungen ab, spiegeln Selbstbeobachtungen zum immer gleichen Alltag oder seismografieren seelische Zustände. Unter dem Vergrösserungsglas des Komponisten wird die verborgene Qualität dieser Sprache zu einem sinnenfreudigen Hörerlebnis verarbeitet. Seine Kompositionen klingen nicht wirklich neu, vielmehr greift er auf traditionelle Mittel zurück und schafft so neue Bezüge. Teils veranschaulichen die Klänge das Text-Geschehen, teils blitzen ungenierte Rhythmen aus der ungarischen oder bulgarischen Volksmusik auf.
Mit viel Verve haben sich die beiden Musikerinnen Anna Maria Pammer und Patricia Kopatchinskaja dem Werk angenommen und dabei das ganze Register ihres Könnens dargeboten. Sie machten dies gilt für die beiden an jenem Samstagabend im Theater am Gleis aufgeführten Werke das Musizieren zu einem sinnlich-emotionalen Erlebnis.
Von einem slawisch geprägten Mikrokosmos führte «Löwen Löwen», eine Komposition des Winterthurers Max E. Keller direkt in die Lagunenstadt Venedig. Ihn inspirierten die lakonischen und zugleich spielerisch-poetischen Texte des Schweizer Schriftstellers Klaus Merz. Auch finden sich in diesen Miniaturen ungewohnte (Alltags-)Ereignisse, die Keller zu einer Vertonung für Sopran und Violine bewogen. Anders als streckenweise bei Kurtág wird wenig bis nichts illustriert. Die Musik scheint auf zwei Ebenen zu verlaufen, nicht nur im Gegeneinander von Instrument und Stimme, sondern auch innerhalb der einzelnen Partien. Die zwei Akteure finden jedoch unversehens wieder zu einer Einheit zusammen. Ein augenzwinkerndes Stück, welches sich dem frech-witzigen Grundton der Texte annähert, hierbei auch eine klangfarbliche Fülle frei setzt.
Einem Kurtág-Zitat entnimmt man, seine Fragmente seien wie Flugblätter komponiert, dazu bestimmt, verteilt zu werden und zugänglich für jedermann. Den Winterthurern wünscht man sich, sie mögen inskünftig vermehrt solch hochwertigen Konzerten beiwohnen.
Lieder nah am Leben - Anna Maria Pammer und Patricia Kopatchinskaja im Theater am Gleis Winterthur
Alfred Zimmerlin in Neue Zürcher Zeitung vom 13.12.2004: Sopranstimme und Violine - man meint, es gebe keine schönere Besetzung, um Lieder zu singen, wenn man die Sopranistin Anna Maria Pammer und die Geigerin Patricia Kopatchinskaja miteinander gehört hat. Bei Musica Aperta im Theater am Gleis in Winterthur haben die beiden einen Abend gegeben, und schon ihr Beginn war grandios. «Löwen Löwen» (2004) heisst ein sechsteiliger, etwa viertelstündiger Liederzyklus von Max E. Keller auf Texten von Klaus Merz, der für die beiden Interpretinnen entstanden ist. Wie persönlich ist ihre Sicht auf den Notentext! Und wie kann diese Musik unter die Haut gehen! Viel verborgene Dramatik steckt in den Texten, in der Musik, die scheinbar so leicht daherflattern und einen heiteren Blick auf das endliche Leben mit all seinen Schattenseiten werfen.
Und dann: die «Kafka-Fragmente» op. 24 von György Kurtág von 1985. Fabelhaft, wie Pammer und Kopatchinskaja sich dieses Werk zu eigen gemacht haben, wie sie darin kleinste Szenen freilegen, Kurtágs direkte, ja unverblümte Dramatik so überzeugend zum Ausdruck bringen, dass sie in jedem Moment einleuchtet und einen berührt. Welche Details werden hier hörbar: Eine kleine Umfärbung in der Stimme, und Abgründe tun sich auf hinter Text und Musik. Phantastisch, welche Farben Anna Maria Pammer gestalterisch zur Verfügung hat. Und diese Intensität und Energie, diese Risikobereitschaft, mit der Patricia Kopatchinskaja mit ihrem Instrument in Musik und Text eindringt, Inhalte freilegt und sie einem so direkt und sinnlich erlebbar macht. Unglaublich auch der dramaturgische Bogen, den die beiden über diesen ganzen riesigen Zyklus zu spannen wissen: Während einer knappen Stunde ist man völlig gebannt.
Viel Gegenwärtiges im Neuland - Duo Kopatchinskaja/Pammer im Casino
Benjamin Herzog
in Basler Zeitung vom 2.12.2004: Die Gesellschaft für
Kammermusik hat sich in Neuland vorgewagt. In Bereiche, wo nicht die
klassische Besetzung auf ihr Publikum wartete, sondern ein Duo: Violine-Gesang.
Welche Stücke gibt es für diese Besetzung? Auf dem
Programm standen die "Kafka-Fragmente" von György
Kurtag und eine Uraufführung. Diese vom Schweizer Komponisten
Max E. Keller.
Venezianisch.
Sie hiess "Löwen-Löwen", Texten des ebenfalls in
Aarau geborenen Klaus Merz folgend. Es sind Impressionen aus Venedig,
kleine Szenen, Schnappschüsse, wie aus dem Fotoapparat des
sozialkritischen Bildungstouristen. Von den Nerzmänteln der
Damen ist die Rede und vom Tod in Venedig, und in den
Ausführungen von Kellers "Löwen-Löwen"-Musik
durch das Duo Patricia Kopatchinskaja und Anna-Maria Pammer war wohl
etwas von dem flüchtigen dieser Impressionen zu bemerken. Wie
eine hübsche Improvisation kam das daher. Der Violinpart
kokettiert mit Glissandi, hauchigem Bogenwischen, zarten
Flageoletten, die Stimme entfloh, leiser und leiser werdend, in
beeindruckende Höhen. Mit seiner Konturen-Unschärfe
beschreibt das Stück "Löwen-Löwen" eher den
bekannten Untergang der Lagunenstadt als das Gebrüll ihrer Wappentiere.
Besonnen.
Bruchstückhafter, als es der Titel ohnehin beschreibt, wären
György Kurtags "Kafka-Fragmente" op. 24 ohne den
ersten Teil dieses Duoabends geblieben. Und wären - auch wegen
der eigenartigen Besetzung - deshalb wohl eher an einem Festival oder
einem Neue Musik-Anlass gezeigt worden als im Rahmen der Gesellschaft
für Kammermusik. Einem Rahmen, dessen besonnene
Unaufdringlichkeit aber dem Musikhören besonders zugute kommt.
Die Fragmente aus
Kafkas Tagebüchern und einer Erzählung zeigen neurotische
Facetten seiner Persönlichkeit. Und sie sind hier die
Lektüre Kurtags und die Interpretation eines Meisters der
Verknappung. Die Musik verdeutlicht, was bei blossem Lesen
möglicherweise untergeht. Sie zeigt das Potential von Sätzen
wie "Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg; was wir Weg nennen, ist
das Zögern" Sie öffnet die Gruben, über denen die
bekannten Wörter wie tarnendes Laub liegen. Wenn nun eine
Interpretation eine ähnliche Tiefe aufschimmern lässt, kann
man von einem Glücksfall reden.
Spontan. Da
war es wieder, jenes Moment der Gegenwärtigkeit, das
Kopatchinskajas Spiel so lebendig macht, so spontan wirken lässt.
Und es verband sich - auch in der an Ausdrucksfähigkeiten
kongenialen Duopartnerin Pammer - mit der für den Zuhörer
so angenehmen Tatsache, dass hier aus einem Füllhorn gegossen
wird, dessen Möglichkeiten im Augenblick des Konzertes noch
längst nicht ausgeschöpft sind. Angenehm ist das auch
deshalb, weil der doch sehr schwierige Notentext so mit einer
Leichtigkeit umgesetzt wird, die jegliche technischen Mühen verneint.
Gelungen.
Der Stolz, mit dem sich Kafka beim Ringen um eine Novelle "das
Gesicht zerschneidet", das "elende Leben", die
Todessehnsucht nach verpasster Liebe wurden von den Interpretinnen
dieser oft sekundenlangen Minaturen eindrücklich gezeigt. Das
verlangte eine Flexibilität, die bei der auf verschiedenen
Geigen und an verschiedenen Orten der Bühne spielenden
wirbeligen Kopatchinskaja deutlicher sichtbar war, als bei ihrer
Partnerin. Hörbar war es in beiden Fällen - und
bestätigte, wie gelungen dieser hoffentlich bald wiederholte
Ausflug des Veranstalters in Neuland war.
Wenn venezianische Löwen auf kafkaeske Leoparden treffen - Klang-November Brillantes Abschlusskonzert in Aarau
Stefan
Sandmeier in Aargauer Zeitung vom 1.12.2004: Venedig, Literatur
und Musik - diese Verbindung wird seit Luchino Viscontis Film
«Morte a Venezia» quasi automatisch mit Thomas Manns
Erzählung und Gustav Mahlers Adagietto-Satz aus der fünften
Sinfonie assoziiert. Dass diese Kombination nicht zwangsläufig
in grandioser Morbidezza und breitleinwandformatigen Klängen
mündet, führte das im Kultur- und Kongresshaus Aarau
uraufgeführte Stück «Löwen Löwen» von
Max E. Keller nach Texten von Klaus Merz vor Augen bzw. Ohren.
Spontan
bildhafte Musik: Alltagsbeobachtungen, flüchtige
Eindrücke und poetische Detailbetrachtungen aus der Lagunenstadt
verdichten sich bei Merz zu ironisch-heiteren Miniaturen,
durchkomponiert und in ihrer sprachlichen Musikalität nach
musikalischer Umsetzung verlangend. Keller wählte sieben
Ausschnitte aus und setzte sie für Sopran und Violine in eine
spontan bildhaft wirkende Musik für Singstimme und Violine um.
In den meist
kurzen Episoden arbeitet Keller einerseits mit der sinnlichen und
sinnhaften Durchdringung von Text und Musik, etwa wenn er eine auf
dem Wasser treibende Möwe durch das Geräusch eines
Bogenstrichs hörbar macht oder wenn die «Ratten der
Stadt» über die Violine huschen und rascheln, während
die Singstimme den nächtlichen Nebel wallen lässt.
Andererseits bietet das Ensemble von Singstimme und Violine die
Möglichkeit, verschiedene Ebenen von Musik und Texten
auseinander klaffen zu lassen oder übereinander zu schieben, was
dem Komponisten Raum für ironische Brechungen und Assoziationen gibt.
Gegensätze,
Kunstgriffe, Hochseilakte: Die Violinistin Patricia
Kopatchinskaja, die Keller zur Komposition von «Löwen
Löwen» angeregt hatte, und die Sängerin Anna Maria
Pammer hatten ein enormes Quantum von spiel- und gesangstechnischen
Schwierigkeiten zu bewältigen, dynamische Gegensätze,
geigerische Kunstgriffe und sängerische Hochseilakte waren zu
meistern. Die beiden Interpretinnen leisteten diesen Effort mit
Bravour und einer guten Prise Humor. - Kopatchinskaja und Pommer
wussten aber auch im zweiten, längeren Teil des Abends zu
begeistern: György Kurtágs Kafka-Fragmente op. 24 von
1885/86. Kurtág griff darin Tagebucheinträge und
Briefausschnitte des Prager Schriftstellers Franz Kafka auf. Vierzig
dieser Halbsätze, Aphorismen und schrägen Sentenzen
(«Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die
Opferkrüge leer . . .») bündelte er zu einem rund
einstündigen Stück. Die energiegeladene, alle Färbungen
und Schattierungen auslotende Vorstellung gehörte zu den
Höhepunkten des diesjährigen Klang-Novembers.
Unbekümmerte Lust am Draufgängertum - George Pehlivanian dirigiert die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in der Stadthalle Lahr
Robert Ullmann in Badische Zeitung vom Montag, 29. November 2004: Ein durch solistische Kabinettstückchen aufgepepptes Mozart-Violinkonzert (D-Dur, KV 218) und eine halb lässige, halb kraftvolle Beethoven-Sinfonie Nummer 3 (der so genannte "Eroica") entzündeten in der gut besuchten Lahrer Stadthalle das Publikum und erbrachten rauschenden, lang anhaltenden Applaus für die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und deren Dirigenten George Pehlivanian. Die Solistin an der Violine erntete für ihre (teils etwas zu forsche) Mozart-Interpretation gar "Bravo"-Rufe.
Auch optisch passte der Abend: Ein Dirigent mit Künstlermähne und -miene vor 50-köpfigem Sinfonieorchester, dazu eine zierliche, hübsche, virile, den Notentext bei den Hörnern packende Solistin mit schalkhaftem Sinn. Das Mozartkonzert - das vierte von insgesamt fünf für die Violine - war toll. Es stammt aus Mozarts Salzburger Zeit. Er war 19 Jahre alt, hat damals selber noch fleißig Violine gespielt, und mit seinen Violinkonzerten das vollbracht, was Haydn mit den Sinfonien schaffte: Er hat die Gattung revolutioniert, ihr ein neues Gesicht gegeben, auch wenn im letzten Satz, einem Rondo, noch ein wenig das barocke Concerto grosso durchklingt.
Der weiche, schöne Mittelsatz ist bereits eine dieser schönen, ausgespannten Serenaden-Melodien, die er später schrieb. Das Soloinstrument ist wundervoll eingebettet ins Orchester, ganz ein Miteinander. Den marschartigen Beginn nimmt der Dirigent ziemlich zackig, die Violine wiederholt das, und es ist eindeutig zu wild, zu furios, es klingt sehr hart und schrill - aber dann hat man auf der Bühne das richtige Maß, musiziert leichthändig und mit Lust, und das Publikum wird mit Melodien und Einfällen geradezu überschüttet.
Bei der Kadenz - jener Passage, in welcher der Solist ungestört vom Orchester zeigen darf, was er "drauf" hat - sprengt Patricia Kopatchinskaja, die Solistin aus Moldawien, die Grenzen Mozarts. Was sie da macht ist mehr Paganini: Doppelgriff und Pizzicato im Wechsel, Glissandi, Flageoletts, Triller, alles im Jet-Tempo und kein Effekt ausgespart. Auch im langsamen Satz gesteht ihr der Dirigent eine Kadenz zu und im Rondo gleich deren drei: Es war unterhaltend, aber nicht unbedingt Mozart - den sie ansonsten mit scheinbar unbekümmerter Lust am Draufgängertum spielte. Die spritzigen Triolen im ersten Teil, der von Mozart geforderte "Dudelsack"-Effekt im letzten: Das war große Klasse! ...
Aufwühlende Musik wirft Vorurteile über den Haufen
Bertold Schuh in Der Enztäler, 3.12.2004: ...Das vierte Violinkonzert Mozarts war angesagt. Nichts von Rokokogetändel, nichts von duftiger Grazie in Pastellfarben. Die Moldawierin ging ihre Interpretation mit schneidend scharfen Zugriffen an und war in den Kadenzen weit weg vom üblichen Mozartbild. Da geigte eher ein hintergründig kichernder Kobold, der an einem Abrund stehend Blitze verschoss. Vollends in der Zugabe schaute ihr der Teufelsgeiger Paganini über die Schulter. Geigend hexte, tanzte und stampfte sie und schloss mit einer Pirouette wie eine Gestalt aus einem Märchen des Erzromantikers E.T.A.Hoffmann...
Kontrapunkt zu den alten Meistern
Jürgen Haberer in Offenbruger Tageblatt vom 27.11.2004: ...Für die Überraschungsmomente des Abends sorgte jedoch eine junge Solistin, die ganz offensichtlich längst nicht nur auf dem klassischen Parkett beheimatete Geigerin Patricia Kopatchisnkaja. Mit ihrer lebhaften, fast lustvollen Bühnenpräsenz wirkte die Moldavien geborene Musikerin nicht nur ausgesprochen unbekümmert, sie setzte darüber hinaus auch eigene musikalische Akzente. Völlig überraschend garnierte sie Wolfgang Amadeus Mozarts viertes Konzert für Violine und Orchester mit kleinen Soloeinlagen, teilweise ganz offensichtlich improvisierten Einschüben, die zeitgenössishce Klangbilder neben die schwungvollen Harmonien Mozarts setzten. Im ersten Satz noch etwas sperrig entwickelte das Aufeinandertreffen der Musikepochen vor allem in dem als mehrfach untergliedertem "Rondeau" ausgestalteten Schlussatz einen ganz eigenen Charme.
Kopatchinskajas Vorliebe zur neuen Musik untermauerte die viel beachtete Geigenvirtuosin auch mit ihrer Zugabe, eine 2002 entstandene Komposition des österreichischen Avantgardisten Otto Mattäus Zykan. Wieder wartete sie mit einem neckischen Spiel aus gekonnten Reduzierungen und furiosen Läufen auf, und setzten einen von avantgardistischen Klängen geprägten Kontrapunkt zur Harmonie der alten Meister.
Virtuose Klänge einer Violine - Patricia Kopatchinskaja hat den neu renovierten Konzertsaal gemeinsam mit dem Stadtorchester Solothurn mit einem unvergleichlichen Hörwunder eingeweiht - Temperament, Musikalität und Emotionen pur.
Silvia Rietz in der Solothurner Zeitung vom 22.11.2004: Klemmt die zierliche Moldawierin und Wahlbernerin die Geige unters Kinn, ist virtuose Experimentierstunde angesagt. Patricia Kopatchinskaja lässt das Instrument summen, singen, tuscheln, wispern, klagen, leiden und jubilieren. Sie selbst stapft schon mal den Takt auf den Bühnenboden, horcht ins Orchester, blinzelt zum Dirigenten George Vlaiculescu und schmunzelt ins Publikum - eine phänomenale Vollblutgeigerin, die Bekanntem ungewohnte Facetten entlockt, mit vertrauten Hörgewohnheiten bricht und das Publikum mit Neuem elektrisiert. Die Frau entspricht keiner der gegenwärtig modern gewordenen Saiten-Lolitas, die auf dem Schlachtfeld geigender Jungtalente mit Aufsehen erregenden Covers und Outfits glänzen.
Auch im Klassik-Business bestätigen Ausnahmen die Regel: Seit Patricia Kopatchinskaja erst den Henryk-Szeryng-Wettbewerb und vor drei Jahren den Credit Suisse Award gewonnen hat, sind die Weichen zur internationalen Karriere gestellt. Nach Auftritten mit den Wiener Philharmonikern, der Tournee mit «Rising Stars» und dem Debüt bei den Salzburger Festspielen wird die Ausnahmekönnerin von den Musikmetropolen umworben.
Trotzdem nimmt sie sich auch für kleinere Konzerte Zeit. Seit Patricia Kopatchinskaja vor zwei Jahren im Rahmen der Yehudi-Menuhin-Stiftung Grenchen erstmals in der Region aufgetreten ist, hat sich die Musikerin einen treuen Fankreis erobert. Das Konzert mit dem Stadtorchester Solothurn war denn auch seit längerem ausverkauft. Dafür setzte die Künstlerin nicht Mendelssohns berühmtes e-moll-Konzert für Violine und Orchester aufs Programm, sondern sein erstes, mit dreizehn Jahren komponiertes Geigenkonzert.
Nur von Streichern begleitet, forderte Mendelssohns Jugendwerk das Stadtorchester tüchtig heraus. Und das Ensemble zeigte sich der Herausforderung mit Spielfreude und pointierten Akzenten gewachsen. Sei es, weil die Musikerinnen und Musiker in einer Woche fünf Konzerte gespielt haben, oder weil die temperamentvolle Solistin das Orchester derart beflügelte. Wahrscheinlich haben beide Faktoren zusammengewirkt und das Stadtorchester über sich hinauswachsen lassen. Kopatchinskaja nahm mit strahlendem Schönklang für sich ein, gestaltete den ersten Satz einem anmutig-schwungvollen Frühlingsrauschen gleich, zauberte jazzigen Sound ins Andante und melodische Linien ins Finale. Desgleichen bei Mozarts Violinkonzert Nr. 4 D-Dur KV 218: Makellos geht die Geigerin die Musik mit federleichtem Schwung und natürlicher Stilsicherheit an, meisselt feinste Schattierungen heraus. Und spielt so frisch, provokant, ungestüm und superb, als wäre dieses Werk nicht im 18. Jahrhundert, sondern erst vor wenigen Wochen geschrieben worden. Tempokontraste und die charismatische Präsenz der Geigerin gaben dem Mozart-Konzert einen belebenden, unkonventionellen Anstrich.
Oft überraschte Patricia Kopatchinskaja mit einem Klang, so gleissend wie das Laserschwert eines Luke Skywalker aus «Star Wars». Ein Auftritt, der bei minder begabten Interpreten wie Showeffekte oder Kitsch gewirkt hätte, Kopatchinskaja manifestierte damit ihren persönlichen Zugang zur Musik. Standardwerke klingen bei ihr, als wären sie eben erst entstanden. Wie die überraschenden Kadenzen: Sie stammen von Kopatchinskaja selbst, sie komponierte sie im Zug. Das Sahnehäubchen sparte sie für die Zugabe: Eigens für sie schrieb der Wiener Avantgarde-Komponist Otto M. Zyklan das Bravourstück «Das mit der Stimme»: Klangkaskaden, atemberaubende Virtuosität, stampfen, singen und beim letzten Ton eine Pirouette - eine stehende Ovation dankt dem Phänomen Patricia für einen unvergesslichen Abend.
Musik mit Feuer und Leidenschaft - Konzert der Kulturgemeinschaft Uster mit Violine und Klavier im Stadthofsaal
Regula
Berger-Hess im «Der Zürcher Oberländer»
15.11.2004: Vor dem Eingang des Stadthofs loderte die Flamme. Im
Saal selbst brannte ein von der moldawischen Geigerin Patricia
Kopatchinskaja entfachtes Feuer musikalischer Leidenschaft, von dem
sich das Publikum des KGU-Konzertes verzehren und der Pianist Werner
Bärtschi mitreissen liess.
Patricia
Kopatchinskaja ist ein Sonderfall. Nicht nur ihrer hohen Begabung
wegen, die, früh erkannt und gefördert, eine überaus
erfolgreiche internationale Laufbahn begründete. Vielmehr
müssen ihr Stil, ihre Ausstrahlung, die Art und Weise, wie sie
sich Musik zu eigen macht, wie sie zu ganz persönlichem Ausdruck
findet als das Besondere, Unverwechselbare ihrer Interpretation
betrachtet werden. Interpretationen, die sich - ob im Sinne des
Erfinders bleibe dahingestellt -, was Eigenwilligkeit und
Risikobereitschaft angeht, von Gängigem weit entfernen.
Zwischen Licht
und Dunkel: Emotionalität und Spontaneität prägten
denn auch die Wiedergabe der Sonate in a-Moll op. 23 von Ludwig van
Beethoven. Ein schwieriges Werk voller dynamischer Gegensätze,
das in drei Sätzen - Presto, Andante scherzoso, Allegro molto -
rastlos, wechselvoll zwischen Licht und Dunkel pendelt. Eine
Domäne, geschaffen für eine Geigerin, die zu erzählen
weiss, die jede Phrase mit Leben füllt und die so spielt, als
wäre es ein Stück von ihr. Welcher Pianist würde
Patricia Kopatchinskaja Paroli bieten können? Eine Frage, welche
Werner Bärtschi als ebenso profilierter wie
anpassungsfähiger Gestalter bereits bei Beethoven in
überzeugender Manier zu beantworten wusste.
Grenzenlos leidenschaftlich:
Über dem Opus 75 von Camille Saint-Saëns schwebt
französischer Esprit. Eine Komposition, die durch Anmut
bezaubert und die den oft erhobenen Vorwurf, Saint-Saëns Musik
sei kühl, Lügen straft. Mindestens wenn Patricia
Kopatchinskaja und Werner Bärtschi Hand anlegen und die
d-Moll-Sonate so spielen, als hätte sie vor ihnen noch nie
jemand gespielt: Mit feuriger, grenzenloser Leidenschaft, aggressiv,
zärtlich, aufwühlend, besänftigend, in jeder Hinsicht
aussergewöhnlich. Extremwerte erreichte das Duo im Schlusssatz,
der, in rasantem Wettlauf, dem Publikum noch vor der Pause den Atem raubte.
Zeichen innerer
Verletzlichkeit: Das Werk der russischen Komponistin Galina
Ustwolskaja (*1919) blieb bis zum Niedergang der Sowjetunion
weitgehend unbekannt. Erst der politische Umschwung befreite sie, wie
viele andere, mit denen sie ihr Schicksal teilte, von Repression und
ermöglichte der Künstlerin, ihr Schaffen an die
Öffentlichkeit zu bringen. Das Duett für Violine und
Klavier, entstanden 1964, spricht eine kompromisslos radikale
Sprache, die für den in Neuer Musik ungeübten Hörer
nur bruchstückhaft verständlich wird. Wer jedoch das
Glück hat, in Patricia Kopatchinskaja und Werner Bärtschi
Interpreten zu begegnen, die sich rückhaltlos zur Musik
Ustwolskajas bekennen und ihr mit glühender Intensität, die
bis an die Schmerzgrenze geht, Ausdruck verleihen, der wird das Duett
für Violine und Klavier als klingende Metapher innerer
Verletzlichkeit begreifen.
Ungestüm
virtuoser Wirbel: Schwere Kost, nach der Ravels
«Tzigane» leicht ins Ohr ging. Und dies obwohl Ravel
Zigeunerfolklore in einer Art verfremdet, die 1924, zur Zeit ihrer
Entstehung, wohl auch nicht überall auf Zustimmung stiess. Heute
zählt die virtuos angelegte, mit spieltechnischen
Schwierigkeiten gespickte «Tzigane» zum Repertoire jedes
hervorragenden Geigers. Patricia Kopatchinskaja versprühte
körperbetontes, bis in die rot und silbern beschuhten
Zehenspitzen hinein sichtbares Temperament, zog den Partner am
Flügel und das Publikum mit hinein in den Sog eines
ungestümen Wirbels, aus dem aufzutauchen erst nach Verklingen
des Schlusstones wieder erlaubt war. Stürmischer Applaus, den
das Duo con fuoco mit drei Zugaben grosszügig belohnte.
Erfrischend gegen den Strich gebürstet - "Koblenzer Konzert" mit Dirigentin Elisabeth Attl und Solistin Patricia Kopatchinskaja
Lieselotte Sauer-Kaulbach in Rhein-Zeitung Koblenz vom 9.11.2004: Eine Frau am Pult, eine zweite als Solistin: Das ist auch heutzutage auf Konzertpodien noch eher die Ausnahme. Eine, die nun allerdings mit der Dirigentin Elisabeth Attl und der Geigerin Patricia Kopatchinskaja gegeben war: beim fünften "Koblenzer Konzert" des Freundeskreises der Uni, das wiederum den Violinkonzerten Mozarts und seiner Zeitgenossen gewidmet wurde. Attl und Kopatchinskaja nutzten die "Ausnahme", um Klassisches und Romantisches erfrischend und kein bisschen "weiblich" gegen den Strich zu bürsten... Was Attl vorbereitet hat, ist der 1977 in Moldavien geborenen Kopatchinskaja recht, paart sich in ihr doch Virtuosentum mit einer gehörigen Portion Temperament. Das muss sich offenbar selbst zunächst noch zügeln und disziplinieren, so dass im einleitenden Allegrosatz im von Felix Mendelssohn Bartholdy im Alter von 13 Jahren komponierten Konzert für Violine und Streichorchester d-Moll die Klarheit der Intonation besonders bei den raschen Sechzehntelläufen noch etwas leidet. Je weiter der langsame, liedhafte Mittelsatz fortschreitet, desto ausdrucksvoller geraten die Soli, sauber nun bis ins feinste Pianissimo, in die höchsten Lagen. Endgültig überzeugt die bei internationalen Wettbewerben mehrfach ausgezeichnete Geigerin beim Finale "all ungarese", dessen variationenartige Vielfalt ihr entgegenkommt, bei dem sie gelöst und spielerisch mit dem seinerseits spiellaunig reagierenden Orchester kommuniziert.
Wenn es dafür noch eine Steigerung gab, lieferte sie das Violinkonzert Nr. 4 D-Dur KV 218 des gleichfalls noch jugendlichen, 19-jährigen Salzburger Konzertmeisters Wolfgang Amadeus Mozart. Und wenn nicht alles über seine Person Bekannte und Angenommene trügt, könnte er dessen Solopart vielleicht so aufmüpfig, witzig und unbekümmert virtuos gespielt haben wie die Solistin an diesem Abend. Da fällt gar das Andante Cantabile beschwingt aus, gerät das Finale mit seinen geschwind wechselnden Tempi, mit seinem flinken Mix aus Tänzen und bordunbassig Volksliedhaftem zur turbulenten Geigenkür, bei der die Attl das Orchester bewusst zurücknimmt.
Bei ihrer Zugabe - Otto Zykans für sie im Rahmen der "Luzerner Festwochen" komponiertem "Das mit der Stimme" - darf Kopatchinskaja dann gänzlich wie ein geigender Irrwisch agieren, mitsingen, -tanzen, -stampfen.
Jugendliches Feuer
Siegfried Schibli in Basler Zeitung, 11.10.2004: Es war die Geburtsstunde einer vielversprechenden neuen Klaviertrio-Formation: In der Katharinenkriche Laufen spielten Patricia Kopatchinskaja, Sol Gabetta und Henri Sigfridsson - ein Erlebnis.
Gäbe es in der klassischen Musikszene eine Superstar-Suche wie im Popbereich, so wären sie gewiss länger als Topshots entdeckt. Im Reich von Mozart, Brahms und Schönberg verbieten sich solche Etikettierungen, nicht aber die Wahrnehmung von Ausnahmetalenten. Und solche sind die Geigerin Patricia Kopatchinskaja, die Cellistin Sol Gabetta und der Pianist Henri Sigfridsson allemal. Sie gehören zu den Jüngsten die international Furore machen. Neuerdings nicht nur einzeln, sondern auch im (einstweilen noch) namenlosen Klaviertrio, das in der Laufener Katharinenkirche vor zahlreichem Publikum ein hochkarätiges Debütkonzert gab.
Von Technik spricht man meist, wenn einem nichts anderes einfällt oder wenn diese nicht einwandfrei funktioniert. Im vorliegenden Fall spricht man lieber vom heiligen musikalischen Feuer, mit dem die drei Interpreten die Musik von Haydn, Brahms und Schostakovitch zum Leben brachten. Von der Intelligenz der Gestaltung, mit dem etwa die Mollwendung eines Haydn-Themas neu beleuchtet, anders eingefärbt wurde. Von der Freiheit der melodieführenden Geigenstimme, die das Adagio dieses G-Dur Klaviertrios fast zum Süsslichen hin aufblühen liess. Oder von der kecken, die Grenze zur Karikatur streifenden Ausgelassenheit im raschen Finale, das bei allem Tempo nie auseinanderfiel. Auch im C-Dur Klaviertrio von Brahms: deutliche Profilierung der Stimmen, auch des meist dienenden Cellos, vollkommene Harmonie im Unsisonospiel der Streicher und sensible Zurückhaltung des Gentlemans am Flügel.
Das
zweite Klaviertrio von Dimitri Schostkovitch ist ein ernstes
Kriegswerk, dem mit jugendlichem Feuer allein nicht beizukommen
wäre. Umso bewundernswerter war die klangliche Disziplin, mit
welcher die Drei das Werk bewältigten - das Fugato des Anfangs
(mit vertauschten Rollen zwischen Cello und Geige) wie die
Zerreisprobe des Allegro con brio und das groteske Pizzicato des
Finalsatzes. Die Zugabe von Astor Piazzolla setzte den Schlusspunkt
unter ein Konzert, das einen ersten Schritt zu einer vermutlich
grossen Kammermusik-Karriere setzte.
Begeisterter Beifall
Fabian Kristmann in Basellandschaftliche Zeitung vom 11.10.2004: Die Violinistin Patricia Kopatchinskaja, die Cellistin Sol Gabetta und der Pianist Henri Sigfridsson: Das sind drei Musiker und Musikerinnen, die solistisch bereits international auf sich aufmerksam gemacht haben und prestigeträchtige Auszeichnungen entgegennehmen durften. Nun schien es ihnen an der Zeit, gemeinsam zu musizieren, und so traten die drei jungen Leute in Laufen erstmals als Trio auf mit einem Programm, das nicht weniger als die drei vergangenen Jahrhunderte umfasste und damit drei ganz unterschiedliche Kompositionsweisen und Klanglichkeiten vorstellte.
In Joseph Haydn's Klaviertrio In G-Dur ist die Nähe zur barocken (Violin-)Sonate mit Continuo-begleitung noch stark hörbar: linke Hand im Klavier und Cellostimme sind weitgehend unsono geführt und dienen primär als Bass. Die Interpretation geriet feingliedrig und - dank der tadellosen technischen Möglichkeiten der drei Mitglieder - glasklar und flexibel verspielt, kurz klassisch im besten Sinne. Besonders die beiden Streicherinnen gefielen mit elastisch-weichen Sforzati und delikaten Akzenten. Einzig der Klavierpart dominierte stellenweise die Streichinstrumente und rief damit in Erinnerung, dass Haydn seinerzeit für das klanglich weniger kräftige Fortepiano schrieb.
Das neunzehnte Jahrhundert war vertreten mit dem C-Dur-Trio op. 87 von Johannes Brahms. Die Musiker und Musikerinnen wechselten ohne Probleme zur Romantik und gingen mit einer vollmundingen, pastosen Tongebung sehr schön ein auf die leidenschaftlichen Wogen des Werkes und meisterten die Stimmungswechsel sowie die rhythmischen Tücken im teilweise sperrigen Finalsatz mehr als überzeugend.
Vollends atemberaubend die schlüssig durchdachte Interpretation von Schostakowitschs Klaviertrio Nr.2, einem symphonisch komplexen Stück, das Gegensätze wie mechansich stampfende Rhythmen und introspektive., elegische Streicherlinien einander gegenüberstellt. Die drei Musizierenden strichen beide Extreme genauso überzeugend heraus wie den Humor des Werkes, der beispielsweise in einer Art Marsch-Parodie im Schlussatz zutage tritt, die von Patricia Kopatchinskaja hör- und sichtbar ironisch vorgetragen wurde.
Das Interesse an dem neu formierten Klaviertrio war gross, das zahlreich erschienene Publikum spendete begeisterten Beifall und erwirkte damit eine Zugabe: Ein Stück von Astor Piazzolla. Über die Hoffnung auf ein Weiterbestehen dieses neuen Ensembles waren sich an diesem Abend alle einig.
Ohne Berührungsängste - 11. Klangspuren Schwaz (10-26.9.2004)
Ulrike H.Anton in Österreichische Musikzeitschrift, Oktober 2004: Das Festival für neue Musik in der idyllischen Silberstadt Schwaz stand im Zeichen der Neuen EU-Staaten. Die sehr gut besuchten Konzerte in Schwaz und Umgebung bestätigten, dass es gelungen ist, dank perfekter Organisation, durchdachtem künstlerischem Konzept und vor allem der Einbeziehung der Zuhörer ein Stammpublikum heranzuziehen. Auch treten Berührungsängste mit Neur Musik dank informativ-kommunikativen "Backstage"-Programmen unter Einbeziehunge von Interpreten und Komponisten hier ganz in den Hintergrund. Im Eröffnungskonzert in der ausverkauften Tennishalle Schwaz musizierten das Tiroler Symphonieorchester / Olari Elts gemeinsam mit dem Gaida-Ensemble aus Litauen. . .
Zykans Violinkonzert "Da drunten im Tale" (UA) ist durch das alte auch von Brahms verwendete Volkslied, das immer wieder einfliesst, inspiriert. Das Konzert, das Patricia Kopatchinskaja nicht nur meisterhaft, sondern auch gleichsam mit dem Komponisten kreierend interpretierte versteht sich als Hommage an Bergs Violinkonzert. Dabei ist immer wieder eine starke Beziehung zur Natur zu hören, in dem Sinne, dass die musikalische Struktur sich schliesslich wie zu "ruhig fliessendem Wasser über dem langsam das Licht aufgeht" (Zykan) entwickelte. Das solcherart vertraute Momente - ohne Konventionalität - einbeziehende stimmige Werk kam beim Publikum so gut an, dass Kopatchinskaja eine (eigens nur für sie von Zykan komponierte) Zugabe spielte. . .
Musikalische Gesichter der Tragik
Simon Niederhauser in Basler Zeitung vom 21.9.2004: ...Die Ausdruckswelt in Karl Amadeus Hartmanns "Concerto funebre" schien dem nunmehr auf die Streicher reduzierten Orchester weit besser zu behagen. Dieses während des nationalsozialistischen Regimes entstandene Violinkonzert ist ein Werk von beinahe unerträglich schmerzhafter Expressivität. Die engagierte Begleitung der Streicher - mal gespenstisch-leer, dann wieder aufpeitschend brutal - gab der Solistin Patricia Kopatchinskaja jenen Rückhalt, der es ihr erlaubte, alle emotionalen Facetten des Konzerts zu entfalten. Kopatchinskajas Interpretation des Soloparts eröffnete erschütternde Einblicke in seelische Abgründe. Angesichts dieser Ausdruckstiefe ist es schon fast unangebracht zu erwähnen, dass die junge Solistin über herausragende klangliche und technische Möglichkeiten verfügt... Das Publikum bedankte sich mit lang anhaltendem Applaus.
Enorm persönliche Ausdruckskraft
Basellandschaftliche Zeitung, 21. September 2004: In der vollbesetzten Stadtkirche in Liestal gab die basel sinfonietta ein herausragendes Konzert... Die Solistin Patricia Kopatchinskaja verband (in Hartmanns concerto funebre) tiefe Sensibilität mit einer enorm persönlichen Ausdruckskraft - und leistete schier Unwahrscheinliches. Das Orchester unter der Leitung von Julia Jones war äusserst wachsam und liess diese sehr emotionale Musik unmittelbar auf das Publikum wirken... Die Dirigentin wählte ein sehr zügiges Tempo, das Orchester hielt problemlos mit und setzte ungeahnte Energien frei...
Auch gelungen: Die »Kammermusikoffensive«
Sören Ingwersen in Hamburger Morgenpost vom 20.9.2004: Ein Experiment wars. Und es scheint geglückt. Die "Kammermusikoffensive" der Hamburger Musikhalle lockte rund 1000 Besucher an. Sonnabend ab 14 Uhr wurde bei freiem Eintritt der Reiz der kleinen Besetzung gefeiert... Zum Schluss folgte eine kleine musikalische Sensation. Zusammen mit Konstantin Lifschitz am Klavier nahm die überaus temperamentvolle Geigerin Patricia Kopatchinskaja die verbliebenen 200 Besucher mit auf eine Reise in die Musik der Moderne. In Crumbs "Four Nocturnes" umkreisten sich die Töne geheimnisvoll. Auch in Cages "Variations I" sprang Kopatchinskajas humorvoller Elan auf das Publikum über. Dieser Schluss war ein Muss. Nicht nur für Kammermusikliebhaber.
"Tag der Kammermusik" in der Musikhalle: Eine Kunstform wehrt sich gegen das Verschwinden
hpe in Die Welt (Hamburg) vom 20.9.2004: ...Wie großartig Kammermusik sein kann, bewiesen am Ende Patricia Kopatchinskaja (Violine) und Konstantin Lifschitz (Klavier) mit Musik des 20. Jahrhunderts von Cage bis Crumb.
Aufregend und packend: Serenade mit Kopatchinskaja - Zeilinger
Oberösterreichische Nachrichten, 26.8.2004: Mit einer Serenade verbindet man üblicherweise einen heiteren, gefälligen und unterhaltsamen Konzertabend - meist im Freien. Dass es auch anders und ausgesprochen aufregend und packend zugehen kann, zeigte am Dienstag die witterungsbedingt in den Steinernen Saal des Linzer Landhauses verlegte Aufführung der drei Sonaten für Violine und Klavier von Johannes Brahms mit der phänomenalen Geigerin Patricia Kopatchinskaja und dem musikantisch impulsiven Pianisten Clemens Zeilinger.
Die junge Geigerin kehrt den Werken das Innerste nach außen. Sie bewerkstelligt dies durch ihre einmalig breite Ausdrucksskala und den gleich einer Gesangsstimme modulationsfähigen herrlichen Ton. Es geht ihr nicht bloß um Klangschönheit, sondern ebenso um Wahrhaftigkeit, Intensität und packende Gestaltung. Auch der Pianist blieb seinem Part dank vergleichbarer Wellenlänge und souverän zupackender Interpretation nichts schuldig. Mit beiden zusammen erlebten die Sonaten aus Brahms reifster Meisterzeit eine zeitlose und damit auch für heute eindeutig gültige und direkt ansprechende Aussage.
Die Sonaten Nr. 1 aus 1878/79 und Nr. 2 aus 1886 zeigten ihrer Dur-Tonart entsprechend einen positiven Grundton. Die Wiedergabe schenkte der Musik ein leise beglückendes Lächeln. Ganz anders Nr. 3 aus 1886/88: Abgeklärtheit und Wehmut rafften sich schließlich zu einem temperamentvoll explodierenden Finale gleich lodernden Flammen auf. Als Zugabe folgte das f-Moll-Scherzo (1853): Es war ein Gipfelsturm für beide Instrumente. Viel Beifall.
Den Glanz brachte die Geigerin
(mks) im Berner BUND, 17.8.2004: Ein mutiger Auftakt: Nicht Mendelssohns Melodienseligkeit oder Mozarts spritzige Heiterkeit markierten den musikalischen Einstieg in die 44. Interlakner Festwochen, sondern Zeitgenössisches: Die Sinfonietta für kleines Orchester von Thüring Bräm ist 1982 entstanden als Auftragsarbeit der Orchesterschule der Kammermusiker Zürich. Dass der Komponist im Casino-Kursaal sein Werk gleich selber dirigierte, gab der Aufführung eine unmittelbare Authentizität... Thüring Bräm versteht den Begriff «Sinfonietta» als «Zusammenklingen» im ursprünglich griechischen Sinn, er arbeitet mit Schichtungen, nicht mit Clustern und praktisch ohne instrumentale Experimente. Bei aller Durchdachtheit entgeht er nicht der Gefahr einer gewissen Unverbindlichkeit und Beliebigkeit, je weiter er seine Klangräume zeitlich ausdehnt.
Profilierte Interpretation: Patricia Kopatchinskaja brachte mit ihrer profilierten Interpretation von Mendelssohns e-Moll Violinkonzert mehr Klarheit in den Konzertsaal. Und auch endlich Emotion, das Motto der diesjährigen Festwochen. Auch wenn die Geigerin zu Beginn ihres Auftritts eher zurückhaltend (vielleicht etwas übermüdet?) schien, gelang es ihr zusehends, die Stimmführung zu übernehmen und mit ihrer aussergewöhnlichen geigerischen Präsenz, Präzision und Expressivität Mendelssohns anmutiger Melodiefülle ein Eigenleben zu verleihen.
Dabei fiel ihre Steigerungsfähigkeit besonders auf: Wie die Geigerin Leidenschaft neben romantische Verträumtheit setzte, innige Empfindsamkeit organisch in Virtuosität verwandelte und sich schliesslich im konzertanten Dialog mit dem Orchester wie selbstverständlich zurücknahm (Finale), zeugte von grosser Reife und künstlerischer Meisterschaft.
Ganzkörpersolo: Und zum Schluss gönnte die 27-jährige Moldawierin dem Publikum mit der Zugabe von Otto Zykans Ganzkörpersolo aus dem Jahre 2002 «Das mit der Stimme», mit dem sie bereits bei den Murten Classics eine Pointe setzte, einen besonderen Genuss: Die temperamentvolle Geigerin sang, wie es der Komponist vorschrieb lalala, schmollte, stampfte und katzbuckelte, derweil sie ihre Geige strich und zupfte und dem mimischen Bravourstück mit einer Ganzkörperdrehung einen Schlusspunkt setzte.
Mehr Lebendigkeit war an diesem Konzertmorgen nicht mehr möglich. Solide beendete Thüring Bräm das Eröffnungskonzert mit Mozarts Es-Dur Sinfonie KV 543 in einem Rahmen, der Erwähnung verdient: strahlende Sonne, frische Luft, gleissende Schneeberge eine Kulisse wie im Bilderbuch. Wie hat Mendelssohn doch einst in einem begeisterten Brief an seine Mutter geschrieben? Wer Interlaken nicht gesehen hat, kennt die Schweiz nicht. In diesem Sinn lohnt sich ein Abstecher an die Interlakner Festwochen, die noch bis zum 28. August mit musikalischen Höhepunkten aufwarten, doppelt. (pdf-Originalansicht)
Köstlicher Elfenspuk
Heidy Mumenthaler in Berner Oberländer/Thuner Tagblatt vom 17.8.2004::...Zu fesseln vermochte auch die gebürtige Moldawierin und Wahlbernerin Patricia Kopatchinskaja. Auffallend locker, feurig, leidenschaftlich und mit technischer Brillanz interpretierte die Solistin das grosse e-Moll-Violinkonzert von Felix Mendelssohn. Ausgesprochen flink und rhythmisch federnd glitt sie über ihre Saiten. Ihr balkanisches Temperament wusste ebenso zu überzeugen wie magische, teils schwebende Momente.
Der jungen Musikerin gelang es, luftig-anmutig Frühlingsrausch hörbar zu machen. Obschon träumerische Kantilenen im Andante ausgeschöpfter ausgestaltet werden könnten, überzeugte sie durchwegs mit Ausdruckskraft auf reizvolle lyrische Weise. Der Zauber ihres Spiels lag in der fast überirdischen Schwerelosigkeit, wodurch sie das duftige «Elfen-Rondo» im letzten Satz quasi in den Weltraum versetzte.
Differenziert mit Klangfülle, wurde die Violinvirtuosin vom Orchester begleitet. Kopatchinskaja verdankte den lang anhaltenden Applaus mit einer speziellen Zugabe, wo sie ihre Beweglichkeit auf gerissene Weise einbringen konnte, sodass es im Publikum zu schmunzeln gab. (pdf-Originalansicht)
Im Lichtglanz des Erfolges
sw. in Jungfrau-Zeitung, Interlaken, 16.8.2004: Strahlendes Licht in der Natur strahlendes Licht der Musik unter der Kuppel der Konzerthalle des Kursaals. Die erste Matinée mit ihrer idealen Werkwahl und mit ihrer herausragenden Solistin war einmal mehr der geglückte Auftakt der Interlakner Musikfestwochen.
Womit lässt sich die Berichterstattung beginnen, wenn nicht mit der Darbietung der 27-jährigen Violinistin Patricia Kopatchinskaja. Die gebürtige Moldawierin hat nach einer ersten Berufsausbildung in Wien mit ihrer Familie den Weg nach Bern unter die Fittiche des berühmten Pädagogen Professor Igor Ozim gewählt. Hier reifte sie zur Musikerpersönlichkeit heran und holte sich begehrte internationale Preise an Wettbewerben. Sie ziert sich heute nicht, ihr geigerisches Potenzial, gepaart mit glasklaren Vorstellungen von dem, wozu sie sich gedrängt fühlt, auszudrücken, an kleinen und grossen musikalischen Anlässen ihren begeisterten Hörern mitzuteilen.
Felix Mendelssohn Bartholdys Konzert für Violine und Orchester in e-Moll, op.64 ist sicher eines der bekanntesten, beliebtesten und meist gespielten Solowerke der klassischen und romantischen Literatur. Wie oft haben wir es schon gehört von Interpreten und Interpretinnen aller Kaliber. Wie gross ist die Zahl der Einspielungen unter den berühmtesten Labels. Und immer wieder die Feststellung: Das wars! Und jetzt die Begegnung mit der Darbietung der jungen Solistin, die schon bei ihrem Auftritt ein knisterndes Kraftfeld ausbreitet: eine Ausstrahlung, die sich auf das begleitende Orchester gleichermassen wie auf das spannungsgeladene Publikum überträgt. Und es sei gleich vorweggenommen. Ihr Spiel löste zum Schluss Ovationen aus, die sich mit allen messen können, womit Leistungen in der 44-jährigen Geschichte der Festwochen belohnt worden sind. Und fragen wir uns, woran es liegen mag, so stehen drei Feststellungen im Vordergrund. Da spielt eine junge Frau und legt ihre feinsten seelischen Regungen und wahrlich enthält Mendelssohns Werk eine Schatztruhe davon in den Bogen und auf die Saiten. Herrlich die Piani, die vom Orchester mit hauchfeinem Spiel getragen werden. Als zweites- und es ist genauso ein Wesenszug im Spiel Patricias werden wir gepackt von ihrem kompromisslosen Zugriff in die Auswahl der vorgegebenen Ausbruchsmöglichkeiten und Forti. Dass sie auch nicht davor zurück schreckt, atemberaubende Tempi einzuschlagen ohne dabei die klaren Strukturen zu verwischen, ist eine weiterer Grund des Entzückens der Zuhörenden. Kopatchinskajas Interpretation bewegte sich eindeutig in Neuland und schaffte die Stimmung einer Uraufführung. Dass sie auch schauspielerisches Talent und Humor besitzt, bewies sie mit ihrer launigen Zugabe, einer modernen Komposition mit dem Titel «Das mit der Stimme», deren technische Zaubereien sie zur Freude des Publikums mit trällern, säuseln, summen und Fussstampfen zu begleiten hatte...
Star von Geburt
Laszlo Molnar in Salzburger Nachrichten vom 10.8.2004: Stars werden entweder geboren oder sie werden gemacht. Die zweite Sorte mag etwas kräftiger leuchten, aber sie trägt das Risiko einer kürzeren Lebenserwartung. Die Stars von Geburt brauchen vielleicht etwas länger "ad astra", aber leuchten sie erst einmal, dann ist ihr Platz gesichert. Die junge, aus Moldawien stammende Geigerin Patricia Kopatchinskaja empfiehlt sich als zur ersten Gruppe gehörend. Bei den Salzburger Festspielen debütierte sie am vergangenen Sonntag in der Reihe "Salzburg Debut" im Großen Saal des Mozarteums. Ihre Partnerin am Klavier war Mihaela Ursuleasa.
Kopatchinskaja ist ein Naturtalent. Nicht nur, weil sie das Kind zweier Musiker ist. Es ist auch ihr offenkundiges Temperament, ihre sichere und zwanglose Art, sich auf der Bühne zu bewegen und der entschlossene Zugriff auf das Instrument, die ihr eine Ausnahmeposition sichern.
Daher brauchte sie auch keine Angst zu haben vor den fünfzig Minuten von Wilhelm Furtwänglers Sonate für Violine und Klavier, D-Dur. Der Dirigent, dessen fünfzigsten Todestags heuer gedacht wird, war mehr als ein Gelegenheitskomponist, schrieb Sinfonien, Konzerte und Sonaten. Aber diese Violinsonate ist ein Beleg, dass Furtwängler das Material wohl formal beherrschte, in der Erfindung aber eher von begrenzter Fantasie war. Kopatchinskaja arbeitete sich gewissenhaft durch das Sonatenmonster, brachte die Töne mit glutvollen Farben zum Leuchten und legte sie in mit großer Intensität gespannte Abschnitte.
Letztlich ist solche Marathon-Elegie auch nicht die Sache der Kopatchinskaja. Dem Vollblut, das in ihr steckt, ließ sie in Georges Enescus Sonate für Klavier und Violine Nr. 3 freien Lauf. Das war Geige als Extremsportart und, wie diese, mit Perfektion beherrscht. Jeder der Töne hat Kern, keiner bleibt dem Zufall überlassen. Um solche Ernsthaftigkeit, so viel Persönlichkeit braucht man keinen Rummel zu machen, sie spricht mit jedem Ton für sich selbst (>>English translation).
Mit ungezwungener Frische
Florian Oberhummer in Salzburger Volks-Zeitung, 10.8.2004: Verblüffendes spielte sich am Sonntag um die Fünfuhr-Teezeit im Grossen Saal des Mozarteums ab. Da liessen sich zwei junge wohlerzogene Damen völlig gehen. Losgelassen hüpften sie heran. Die eine drehte sich wie eine Puppe, während ihr die andere zuklatschte. Die eine legte sich hin und blies einen Luftballon auf. Die andere beschwor sie mit unverständlichen Worten und schlug dabei auf den ehrwürdigen Mozarteum-Steinway. Die eine biss in einen Apfel, die andere verbeugte sich während des laufenden Stückes. Was war los? Die junge moldawische Violinistin Patricia Kopatchinskaja und die rumänische Pianistin Mihaela Ursuleasa interpretierten die "Variations I" des US-Avantgardisten John Cage. Die zwei, man möchte fast sagen, Mädchen erschütterten die ehrwürdigen Mozarteums-Hallen in ihren Grundfesten. Mit einem reinen Programm des 20. Jahrhunderts sorgten sie für eines der wohl originellsten Konzerte der Salzburger Festspiele 2004 und das in der Reihe "Salzburg Debüt".
Ganz in ihrem Element waren die zwei Könnerinnen beim rumänischen Nationalkomponisten Georges Enescu: Dessen dritte Violinsonate atmete förmlich unter ihren Händen, man fragte sich ob des Gehörten, warum man dieses wunderbare Werk nicht öfter im Konzertsaal hört. Enescu benutzt hier nicht, wie etwa Bartok, originäre Volksmusik, sondern deren typische Spieltechniken. Tonarten, Verzierungen und Vierteltöne sind zu hören, aber Kopatchinskaja und Ursuleasa machten nicht den Fehler des Sentimentalisierens, sondern benutzten in jedem Moment ihre Köpfe. Wie im Andante durch reine Flageoletttechnik Flöten effektvoll imitiert wurden, lässt sich schwer in Worte fassen. Patricia Kopatchinskaja hat mit Mihaela Ursuleasa eine Partnerin, die ebenso dienend begleitet, wie auch selbst gestaltet. Besonders im Enescu-Mikrokosmos "trug" die Pianistin förmlich den Violin-Part, war die Gleichberechtigung der zwei Freundinnen zu hören. Intellekt und Emotion reichten sich die Hand - das Ergebnis lässt sich am ehesten mit dem Begriff "Gänsehaut" wiedergeben.
Darauf folgte Ravels "Tzigane". Selten hat man das Geigensolo zu Beginn so lebendig, frisch, aber auch hinterfragend gehört. Sowohl Kopatchinskaja, wie auch Ursuleasa sind dank ihrer Technik in der Lage, im dichten Satz noch Stimmen herauszuheben, innezuhalten, wieder zu beschleunigen.
Das Publikum im halbvollen Saal tobte, als wäre der Saal voll. Der einzige Kritikpunkt war die Violinsonate Nr. 2 von Wilhelm Furtwängler anlässlich dessen 50.Todestages. Das fast 50-minütige Werk ist eine Brahms-Hommage mit allzu wenig Eigenständigem. Die zwei Damen mühten sich durch eine Vielzahl von Motivvariationen und -modulationen und holten aus dem Werk heraus, was nur herauszuholen war. Man möchte diese geistvollen Virtuosinnen Brahms spielen hören! Wer weiss, was da noch zu entdecken ist?
Wenn die Geige singt und tanzt
Gottfried Franz Kasparek im Internetjournal www.drehpunktkultur.at August 2004: In der Reihe Salzburg Debut gastierte am Sonntag (8.8.) in sommerlicher Nachmittags-Glut die Geigerin Patricia Kopatchinskaja im Mozarteum. Mag sein, dass Beginnzeit (16 Uhr) und Sonne doch viele Leute von einem Konzertbesuch abgehalten haben, jedenfalls war der Große Saal nur zu gut zwei Drittel gefüllt. Es war auch kein Salzburg-Debüt, sondern eines bei den Festspielen. Patricia Kopatchinskaja und ihre famose Klavier-Partnerin Mihaela Ursuleasa hätten sich ein volles Auditorium verdient. Über die Terminisierung der an sich abwechslungsreich programmierten Serie sollten die Veranstalter vielleicht ein wenig nachdenken.
Die beiden vitalen Künstlerinnen versetzten das Publikum in allerbeste Laune und ernteten am Schluss standing ovations. Die junge moldawische Geigerin beherrscht nicht nur ihr Instrument mit größter Perfektion, ist nicht nur grundmusikalisch, sie verfügt vor allem über eine starke, unverwechselbare Persönlichkeit, sowohl was ihr raffiniertes, bis an die Grenzen technischer Möglichkeiten gehendes, aber in jedem Takt emotional aufgeladenes Spiel betrifft, sondern auch ihr Bühnentemperament. Sie spielt nicht nur mit den Händen und mit dem Kopf, sondern mit dem ganzen Körper und mit etwas, was man durchaus Seele nennen darf. Die Musik bricht aus ihr mit Urgewalt heraus, ohne jedes Primadonnen-Gehabe, natürlich und stets mit gesundem Spielwitz versehen. Die Pianistin ist eine ideale Partnerin, die weit über das gute Begleiten hinaus mitgestalten kann, gleichzeitig kraftvoll und anschmiegsam.
Am Beginn des außerordentlich ambitionierten Programms stand Wilhelm Furtwänglers gewaltig dimensionierte Zweite Violinsonate. Das ist zweifellos eklektische Musik aus dem Geist der Romantik, sicher nicht wegweisend, sondern versponnen und versonnen zurück blickend aber es ist auch ehrliche und tief empfundene Musik, der zu begegnen hin und wieder lohnend ist. Die Kopatchinskaja geht das Stück ganz ohne falsche Ehrfurcht an, schwelgt im großen Ton, von Klavierdonner umhüllt, wenns drauf ankommt, berührt jedoch ganz besonders in den leisen Sequenzen. Immer dann, wenn Furtwänglers Sonatensatzkunst sich in endlosen, quasi symphonischen Windungen zu verirren droht, kommen diese feinen Inseln melancholischer Poesie. Auch noch im dritten Satz, einem drängenden Presto, dem in sich geschlossensten und mitreißendsten Teil des Werks.
Auf fast einstündige überbordende Klangräusche ausgerechnet das totale Experiment folgen zu lassen, ist wagemutig, ging aber in diesem Fall voll auf. Die "Variations I" von John Cage sind nicht mehr als eine ausgetüftelt hinterlistige Spielanweisung für phantasievolle Interpreten. Patricia Kopatchinskaja und Mihaela Ursuleasa spielten nicht nur die vorgeschlagenen Töne, sondern gleich auch die Gebrauchsanweisungen, sogar die Interpunktionen des Komponisten, den sein Lehrer Schönberg eher für einen genialen Erfinder gehalten hat. Die Geigerin tat dies mit der Selbstverständlichkeit eines begnadeten Clowns und hatte alle Lacher auf ihrer Seite, als sie am Boden liegend einen Luftballon aufblies und ihn anschließend mit dem Bogen hinrichtete. Die Pianistin sekundierte mit einer gewissen staunenden Ruhe. Eigenartig, dass man nach diesen köstlichen Minuten trotz der vielen action den Eindruck hatte, auch ein tolles Stück Musik gehört zu haben; erfreulich die überaus positive Reaktion des Publikums. Wenn neue Musik mit so viel Geist und Spielfreude präsentiert wird, dann hat sie es leichter und der gute alte Konzertsaal wird im Handumdrehen zur Studiobühne. Jedenfalls darf man sich eine abendfüllende Musik-Performance mit dieser Besetzung dringlich wünschen!
Nach der Pause stand die Violinvirtuosin im Mittelpunkt. In der 3. Violinsonate von George Enescu glitzerte, glänzte, funkelte der Klang in faszinierender Weise und war doch geerdet in der Volksmusik der Balkanvölker. Die Kopatchinskaja tanzte gleichsam am sicher, aber auch fein nuancierend bereiteten Teppich der Pianistin. Sie tanzte mit Leidenschaft und Kraft, ohne Witz und Laune zu vergessen, auch in Maurice Ravels berühmter Tzigane. Der Jubel des Publikums wurde mit drei fulminanten Zugaben belohnt Hora Staccato, Bartòks Burleske und ein lässig-elegant präsentierter Abschieds-Ragtime entließen das Publikum reich beschenkt in den lauen Sommerabend.
Funkelndes Feuerwerk
Walter Dobner in Die Presse, Wien 10.8.2004...Setzte Vengerov bei seinem Programm mit Bach-Beethoven-Brahms auf die "Drei B", so zeigte sich Patricia Kopatchinskaja bei ihrem Salzburg-Debüt experimentierfreudiger. Sie eröffnete ihre - von Mihaela Ursuleasa am Klavier mitgestaltete - Zusammenstellung mit Wilhelm Furtwänglers bedingt origineller D-Dur-Violin-Klavier-Sonate und begann nach der Pause mit George Enescus auf melodische Weite setzende, vom Gestus der Zigeunermusik bestimmte dritte Violin-Klavier-Sonate. Da war es eine kluge Idee, danach mit Ravels ähnlichen Idiomen verpflichteter Tzigane ein funkelndes Feuerwerk abzuspulen. Den größten Erfolg holte sich die Moldawierin mit einer mit choreografischen Zutaten versehenen Darstellung von John Cages Variations I, wofür sie auch einen Apfel und einen roten Luftballon auf die Bühne des Mozarteums brachte.
Sternstunde
Anna Mika in Neue Vorarlberger Tageszeitung vom 5.8.2004: Die aus Dornbirn stammende Komponistin Johanna Doderer hinterließ mit ihrem Porträtkonzert bei den Festspielen einen überwältigenden Eindruck. Es ist ein erstaunlich neuer und eigenständiger Weg, den Johanna Doderer mit ihren Werken geht. Mit "Silence", das 2001, ein Jahr nach ihrem Studienabschluss, entstand, warf sie "alles über Bord, was ich auf der Musikuniversität gelernt habe"...
...Die Reise, auf die die zahlreichen BesucherInnen im Foyer des Kunsthauses mit dem Violinkonzert Doderers mitgenommen wurden, ist kaum in Worte zu fassen. Der hervorragend spielende Wiener Concert Verein mit so klangschönen Instrumenten wie Harfe und Klavier zusätzlich zu den üblichen Orchesterfarben und die sehr prominente und so intensive Geigerin Patricia Kopatchinskaja ließen die atemberaubenden Klänge Doderers auf faszinierende Art Wirklichkeit werden eine Wirklichkeit, die so neu und unerhört war, dass einem fast die Sinne schwanden. Wohl hatte man so manches Déja-vu-Erlebnis in diesem ausgedehnten, einsätzigen Werk, fand sich an Pärt, Mahler oder Bruckner gemahnt, doch war das weder Epigonentum noch intellektuelles Zitieren. Denn Johanna Doderers Musik kommt aus ungeheuren Höhen und Tiefen; ihre Klänge vollbringen das Wunder, den Kreis zwischen beidem zu schließen.
Musik aus dem Vollen schöpfen - Doderer bei Bregenzer Festspielen gefeiert
Silvia Thurner in den Vorarlberger Nachrichten vom 5.8.2004: Mit Musik der international renommierten Vorarlberger Komponistin Johanna Doderer erzielte der Wiener Concert-Verein unter der Leitung von Christian Schulz einen großen Publikumserfolg....
Viel Applaus: Abschließend stand die Uraufführung des Konzerts für Violine und Orchester auf dem Programm. In diesem Werk öffnete Doderer mit tiefen Streichern und hohen Liegetönen in der Solovioline einen Raum, der sich allmählich mit rhythmisch strukturierten Klangflächen füllte. Die vielgestaltige Instrumentierung belebte das Werk. Enthusiastisch spielten die Musiker, so dass im voll besetzten Foyer des Kunsthauses bald der Funke zum Publikum übersprang. Die Musik war der Solistin Patricia Kopatchinskaja auf den Leib geschrieben. Authentisch gestaltete sie den virtuosen Solopart. Die Musik von Johanna Doderer gibt Anlass zur Diskussion, wohin sich die moderne Musik entwickelt. Obsolet ist die Betonung von Kategorien wie Dur und Moll oder freitonaler Musik. Allerdings sollte sich Neue Musik dadurch auszeichnen, dass von ihr eine in die Zukunft weisende, innovative Kraft ausgeht. Im Hinblick darauf bleibt die Frage offen, inwieweit die dargebotenen Werke diesem Anspruch genügen.
Spielfreude der Musiker griff aufs Publikum über
Roselyn Maynard, Davoser Zeitung, 30.7.2004: Bartok's "Kontraste" für Violine, Klarinette und Klavier stand als titelgebendes Stück im Zentrum des vierten Konzertes des Davos Festivals... Der Stimmung von ungarischen Tanzmusikgattungen war die Interpretation von Patricia Kopatchinskaja, Violine, Reto Bieri und Mihaela Ursuleasa nachempfunden. Mal tänzerisch beschwingt und fröhlich singend, mal düster und betrübt im Klang reagierten die MusikerInnen spontan aufeinander. Ihr klarer, einfach gehaltener Ausdruck und ihre grosse Spielfreude griffen aufs Publikum über und nahm jegliche Schwierigkeiten vorweg, die im Zugang zu dieser nicht nur leicht verständlichen Musik auftreten könnten.
Die Stimme Mozarts, oder einfacher gesagt, Ausschnitte eines seiner Werke, dienten dem russischen Komponisten Alfred Schnittke (1934-1998) als Ausgangsmaterial für Moz-Art... Mit der Version von 1976 für zwei Violinen eröffneten Patricia Kopatchinskaja und Bartek Niziol das Konzert. Die theatralischen Gestaltungsmöglichkeiten des auch als Parodie gemeinten Stückes voll ausschöpfend, verhalfen sie ihm zu besonderem Witz.
Wahrlich kontrastreich gestaltete sich dann der Wechsel zum 1842 entstandenen Klavierquartett in Es-Dur op 47 von Robert Schumann (1810-1856). Zu Kopatchinskaja und Ursuleasa stiessen Antoine Tamestit, Viola und Anita Leuzinger, Violoncello. Erneut überzeugten die Musiker im Zusammenspiel: Alle hörten einander mit äusserster Wachsamkeit zu und waren beweglich und durchlässig im Klang. Allein, das anspruchsvolle Werk war nach der Pause angesiedelt. Ausserdem hatte das Trio Kopatchinskaja, Ursuleasa, Bieri das Publikum schon vor der Pause mit einer Zugabe bedacht. So waren beim einen oder anderen Zuhörer die Ohren nicht mehr die frischesten, der Geist nicht mehr der aufmerksamste. Patricia Kopatchinskaja, die sich sozusagen als roter Faden durch das ganze Kontrastprogramm webte, wirkte am Schluss müde und schien zu Recht froh zu sein, von der Bühne ab- und den Feierabend antreten zu können...
Sinn und Witz
Hans-Georg Rutz in "Südostschweiz", 26.7.04: Das Eröffnungskonzert des 19.Davos-Festivals startete gestern extrem kontrastreich. Dvoraks Klavierquartett Es-Dur und Schostakovitchs "Seven Poems of Alexander Blok" können nicht unterschiedlicher interpretiert werden. Das Davos Festival ist "anders". Damit meinte Thomas Demenga, dieses Festival sei zum einen vielfältig und zum anderen würden Grenzen in alle Richtungen abgetastet. Gleich im ersten Konzert wurde das Versprechen erfüllt.
Die drei Streicherinnen Jessica Rona, Sol Gabetta und Patricia Kopatchinskaja haben von anfang an fantasievoll fast alle Möglichkeiten und Spielarten der Partitur ausgereizt. Jedes kleine und kleinste Motiv wurde gestaltet und betont, manchmal sogar Einzeltöne. Das grenzte bisweilen an Manierismus, es scheint nur wichtige Töne zu geben, und einige noch wichtigere. Manchmal schien das Spiel von einer gelehrten Überinterpretation bedroht zu sein. Die meist sehr ernsten Gesichter wirkten respektvoll, der kraftvolle Körpereinsatz von Kopatchinskaja energisch. Aber wer die optische Komponente ausblenden konnte, entdeckte den Sinn und Witz im durch und durch verspielten Ensemblespiel. Die drei Streicherinnen warfen sich jugendlich, frech und frisch die musikalischen Ideen zu.
Die Pianistin Mihaela Ursuleasa blieb bescheiden, als wäre sie die Begleiterin des Trios. Sie liess den Flügel füllig, aber ausgeglichen ruhig klingen, was eine harmonische Ergänzung zum expressiven Streicherklang war... (pdf-Originalansicht)
Wildfang, aber Virtuosin - Patricia Kopatchinskaja in der List-Halle Graz
SF in Kronen-Zeitung vom 24.7.2004: Violinistin Patricia Kopatchinskaja "ein Diamant, den man nicht schleifen kann", so ein ehemaliger Lehrer, gastierte in der Grazer Helmut-List Halle mit "schnellen" Werken von Beethoven, Paganini, Brahms und von Filmkomponist Franz Waxman.
Die Stücke des Styriarte-Konzerts "Presto" machten dem Titel alle Ehre: Rasantes und Rasendes wurde von einer ungestümen und temperamentvollen Patricia Kopatchinskaja gegeben. Dass ihr eine Saite just beim langsamsten Teil des Konzertes riss, sagt einiges über ihre exzentrische Expressivität aus. Ihre sehr individuellen Interpretationen regen zwar zu Begeisterung an, aber man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Ungestüme ein wenig zu zügeln manchmal nicht das Verkehrteste wäre. Am Klavier begleitete Henri Sigfridsson, der bei Brahms' Paganini-Variationen sein Können unter Beweis stellte.
Bravissimo für den Tastentiger und die Zigeunergeigerin
Swantje
Kammerecker in "Südostschweiz" Ausgabe Glarus,
8.7.2004: Unbändige Spielfreude gepaart mit höchstem
Können: Henri Sigfridsson am Klavier und Patricia Kopatchinskaja
an der Geige rissen das Publikum im «Bellevue»-Saal am
Dienstagabend restlos mit. Slawisches, Bizet und Beethoven brachten
sie zu Gehör, doch sie hätten wohl alles spielen
können, das Publikum wäre begeistert gewesen. «Diese
beiden atmen das Glück - und was sind wir für
glückliche Menschen!» So drückte es ein
Konzertbesucher höchst passend aus. Denn nach diesen zwei
Stunden verliessen alle den «Bellevue»-Konzertsaal wie auf
Wölkchen, und die Welt war eine andere als zuvor.
Märchenhafter
Musikzauber: Wie man
das macht? Musikzauber wie aus dem Märchen? Wie kann man all
diese Tasten treffen, in derart schnellem Wechsel und ausladenden
Abständen, dazu noch mit halb geschlossenen Augen, der
dramatischen Ausdeutung des Stücks ganz hingegeben? Henri
Sigfridsson, der junge finnische Pianist mit dem Publikumspreis des
Geza-Anda-Wettbewerbs 2000, machts mit der Klavier-Fassung von Igor
Strawinskys Burleske «Petruschka» vor. Das 1910 in Clarens
von Strawinsky und dem Tänzer Diaghilew ausgetüftelte
Musik-Märchen erzählt die Geschichte einer Holzpuppe, die
lebendig wird, sich auf dem Jahrmarkt in eine Tänzerin verliebt,
sich in Eifersucht verstrickt und den Tod findet. Orchestral tönt
das Klavier, von berauschender Klangfülle. Ob Strawinsky selbst
seinen Klaviersatz so vollendet spielte?
Von Petruschka
zu Carmen: Die moldawische Star-Geigerin Patricia
Kopatchinskaja bot nicht weniger. Im Eröffnungswerk
«Essay», ihr gewidmet von dem jungen russischen Komponisten
Boris Yoffe, finden sich viele überraschende und interessante
Motive, ihre grosse Ausdrucksfähigkeit klingt schon an, ein
bisschen bleibt alles noch in der Schwebe, wie hinter ganz zarten Nebelschleiern.
Doch unerhört
neugierig hat sie gemacht, ihre Nonchalance ist bestechend, wenn sie
wieder ein paar durchgegeigte Bogenhaare vom Bogen reisst und
wegwirft. Im Laufe des Abends gabs kaum eine Technik, kaum eine
Nuance aus dem Klangspektrum ihres Instruments, die sie nicht geboten
hätte. Den edlen Klassiker Beethoven liess sie in dessen
A-Moll-Sonate ungewohnt gewitzt erscheinen, schalkhaft und leicht,
liebevoll in jedem Detail und dabei getragen von einer beinahe
unheimlichen Konsequenz im Aufbau der Spannungsbögen. Da
lässt schon die Zigeunergeigerin grüssen, welche im zweiten
Teil nach der Pause zusammen mit dem Pianisten ein grandioses
(Schau-)Spiel bietet.
Grandioses Schlussfeuerwerk:
Rumäniens Musik-Primus George Enescu, selbst ein
erstklassischer Geiger und Lehrer Yehudi Menuhins, überschrieb
seine dreisätzige A-Moll- Sonate mit «In populärem
rumänischem Charakter», und das nehmen die zwei beim Wort.
Alles wirkte wie aus einem Guss - die schwermütige Deklamation
im Eingangssatz, das Andante als Tanz der Melodie auf Flageoletts
(man sagt auch Zaubertöne zu ihnen, da der locker aufgelegte
Finger nicht den darunter gelegenen Ton erklingen lässt, sondern
die zwischen den Tönen versteckten Obertöne), die atemlosen
Passagen im Schlusssatz, die bewusste Gestaltung mit weit
ausgreifendem Vibrato und gekonnten Rutschern.
Bravo-Rufe und Zugaben:
Der Abend gipfelte in der Carmen-Fantasie (übertragen von Franz
Waxmann nach Bizets Oper). Hier spielte Kopatchinskaja auswendig,
wandte sich in den breiten, elegischen Stellen ganz dem Publikum zu
und spielte sie mit grosser Geste aus; während sie bei den
schnellen Passagen ihrem Klavierpartner regelrecht zuleibe rückte
und beide in minutiöser Abstimmung vorwärts preschten.
Enthusiastische Bravo-Rufe und heftiger Beifall forderten drei
Zugaben heraus. Nochmals ging ein Raunen durch den Saal, als sich
Patricia Kopatchinskaja als Klavierbegleiterin und Henri Sigfridsson
als Sänger charmant mit Schuberts «Ode an die Musik»
beim Publikum bedankten. (>>pdf-Originalansicht)
Boswiler Sommer: Packender Abschlussabend mit drei Solistenkonzerten
Daniel Polentarutti in Aargauer Zeitung 6.07.2004:... Mozarts wunderbare «Sinfonia Concertante» für Violine, Viola und Orchester wurde unter permanenter Hochspannung dargeboten, von heiterer Gelassenheit oder ruhigem Fliessen waren Patricia Kopatchinskaja und Odin Rathnam meilenweit entfernt. Die junge Geigerin spielt mit hellem, schlankem Ton, sie ist ein quicklebendiges Energiebündel, dessen Temperament kaum zu bändigen ist. Mit grosser Leidenschaft wirft sie sich ins musikalische Geschehen, dehnt, treibt an, bauscht auf oder nimmt zurück. Bratschist Rathnam lässt sich natürlich nicht lumpen, er ist ebenbürtiger und risikofreudiger Partner. Auch wenn einiges gehetzt oder überzeichnet wirkte: Mozart hätte an dieser ungemein spannenden und abwechslungsreichen Interpretation gewiss seine helle Freude gehabt...
«Tierisch Musikalisch» - Musikalischer Streifzug durch die Tierwelt am Boswiler Sommer
Dominik Schnetzer in Aargauer Zeitung vom 29.6.2004: ...Etwas hervorzuheben ist schwierig. Denn was da vor dem liebevoll arrangierten Bühnenbild (Bede Weidner) musikalisch geboten wurde, war alles von hochwertiger Qualität.
Erwähnenswert vielleicht die zwei aufstrebenden Jungstars Michael Wendeberg (Klavier) und Patricia Kopatchinskaja (Violine). Die moldawische Geigerin beeindruckte wie vor zwei Wochen am selben Ort durch einen mit pulsierender Intensität aufgeladenen Strich und ihre musikalisch-szenische Präsenz. Zusammen mit Jón Laxdal in der Sprecherrolle präsentierte sie Alan Ridouts Komposition über Munro Leafs Märchen «Ferdinand der Stier» - sicher punkto Heiterkeit ein Höhepunkt des Abends. Wendeberg glänzte bei seinem Soloauftritt, der von Debussy über Bartók zum Vogelliebhaber Oliver Messiaen führte, mit einer umwerfenden Fähigkeit zur Gestaltung und durch die scheinbar mühelose Klangbalancierung in dynamischen Extremsituationen...
Pammer und Kopatchinskaja
Judith Helmer in Öesterreichische Musikzeitschrift, Juni 2004: Kleinste Gesten, musikalische Splitter, Sprachminiaturen: Im Zyklus "Nouvelles Aventures" widmete das Wiener Konzerthaus György Kurtag ein Konzert mit der Sopranistin Anna Maria Pammer, der Geigerin Patricia Kopatchinskaja und deren Vater, Viktor Kopatchinsky am Cymbalom. Aus vielen Fragmenten fügte sich ein grosses Ganzes und das war vor allem dem intensiven Vortrag der jungen Künstlerinnen zu verdanken. Bereits vor zwei Jahren hatten sie die Kafka-Fragmente mit dem Komponisten einstudiert. Der expressive, rund einstündige Liedzyklus in vier Teilen mit seinen ständig praesenten Verweisen auf die musikalische Tradition zwischen Volkslied und Schumann bietet aufgrund des engen, narrativen Text-/ Musik-Verhältnisses seinen Interpretinnen viel Raum für eigenwilliges theatrales Agieren. Im ersten Teil des Programms sang Pammer mit grosser Sogwirkung, stimmlich changierend zwischen dramatischem und hell perlendem Trimbre, die Attila-Joszef-Fragmente für Sopran solo, die wie eine ungraische Variante der japanischen Haiku wirken. In Splitter für Cymbalom solo, aber auch in den Acht Duos für Violine und Cymbalom vollführten Vater und Tochter ein virtuoses Spiel rund um das Nichts - fast als wäre den Stücken ein Satz aus den Attila-Joszef-Fragmenten vorangestanden: " Und ich staune, dass ich vergehe".
Fest vor den Festspielen: Drittes Meisterkonzert mit Patricia Kopatchinskaja in Boswil
Christian Berzins, Aargauer Zeitung 15.6.2004: «Aufforderung zum Tanz!» wäre ein möglicher Titel gewesen, um das 3. Boswiler Meisterkonzert publikumswirksam anzukündigen. Doch da stand «nur»: Patricia Kopatchinskaja (Violine) und Henri Sigfridsson (Klavier) spielen Werke von Prokofjew, Iris Szeghy, Enescu und Waxman (Bizet). Das tönte nach Knacknuss: Doch selten entdeckte man in einem Konzert so viel Neues, staunte so sehr über die Spiellust und hatte daran so viel Spass.
Zum Tanz aufgefordert hatte Patricia Kopatchinskaja: eine Geigerin, die jede Musik so spielt, als sei sie zum Tanzen geschrieben. Sie selbst wirft sich in die Töne, als gelte es, den Klang zum Ausdruck zu zwingen. Kaum ein Ton, der da nicht in seinem kurzen Leben eine Veränderung - eine Zuspitzung - durchmachen würde. Doch da gibt es auch gewollte Farblosigkeit, milchig dünne Klänge, um dann virtuose Passagen gleich umso wilder und ungestümer zu gestalten. Die so extrovertierten Geigerin hatte mit Henri Sigfridsson einen technisch feinfühlig agierenden und reagierenden Begleiter. Nachdem er als Zugabe ein Schubert-Lied gesungen hatte (wer nicht da war, hats eben verpasst!), tanzten die beiden musikalisch durch moldawische Klänge. Es war ein Fest vor dem Festival-Sommer.
Streichensemble bot einen perfekten Auftritt
Karl-Heinz
Fischer in Badische Neueste Nachrichten vom 24.5.2004: Ein
exquisites Programm, intellektuell und doch auch sehr
gefühlsbetont, bot das jüngste Kammerkonzert im
Weinbrennersaal Baden-Baden. Und Musiker, die ihr Debüt zwar
längst hinter sich haben, aber noch relativ jung sind. Zu
hören waren Streichquintette von Wolfgang Amadeus Mozart und
Anton Bruckner sowie Gedichte für Streichquartett"
und Aria für Streichtrio" von
Boris
Yoffe. Letzterer war in den Quintetten auch an der Bratsche zu
hören. Die erste Geige spielte Patricia Kopatchinskaja, die sich
vor Jahresfrist in einem sehr erfolgreichen Duoabend im Baden-Badener
Theater vorgestellt hatte, die zweite Violine strich Daniel
Kobyliansky, die Viola Roman Spitzer und am Cello war Dmitri Dichtiar
zu hören - jeder für sich ein herausragender Solist.
Eröffnet wurde das Konzert mit den Gedichten aus dem Quartettbuch" von Boris Yoffe, einem 1968 in St. Petersburg geborenen Komponisten und Bratscher, der sein Studium nach Stationen in St. Petersburg und Jerusalem bei Wolfgang Rihm in Karlruhe beendete, wo er seitdem lebt. Die recht melancholischen Gedichte" sprechen den Zuhörer sehr unmittelbar an. Das ist Musik, in der man versinken kann, sehr zart und sehr verletzlich und doch von einer alles tragenden Stärke. Sie ist dialogisch aufgebaut, aber dennoch ohne große Gegensätze. Eine Stimme, meist ist es die erste Violine, nimmt den Gesprächsfaden auf, die anderen Instrumente spinnen ihn sehr einvernehmlich weiter, fügen Neues, aber nicht Gegensätzliches hinzu. Die Musik wirkt deshalb so homogen, weil sie alles in sich aufnimmt, nichts als schroffen Gegensatz ausgrenzt. Das Streichquartett - ohne Yoffe - hat dies sehr sensibel herausgespielt.
Beim anschließenden Streichquintett D-Dur KV 593 von Mozart war Yoffe an der Viola mit dabei. Nach der sehr lyrisch gespielten, langsamen Introduktion zeigte das Quintett, dass es Temperament hat und auch außerordentlich lebhaft und dynamisch sein kann. Es präsentierte einen geradezu quirligen, gleichwohl sehr gefühlsbetonten Mozart, einen Mozart, der, wie es schon seine späten Quartette nahe legen; jenseits aller rokokohafter Verspieltheit bereits sehr deutlich romantische Züge in sich trägt. In ihrer klar strukturierten Interpretation haben die jungen Musiker vor allem diese romantischen Anlage gut herausgearbeitet.
Nach der Pause war erneut ein Werk von Boris Yoffe zu hören, diesmal die Aria für Streichtrio". Diesmal ging es etwas dramatischer zu als bei den Gedichten", aber auch in diesem Stück werden die Zuhörer sehr direkt angesprochen. Doch trotz aller Dramatik bleibt auch hier die musikalische Sprache sehr getragen und tiefgründig, der recht aprupte Schluss allerdings überrascht.
Zum Abschluss des Konzerts konnte das Quintett mit dem großen, 1879 entstandenen Streichquintett F-Dur von Anton Bruckner noch einmal sein Format zeigen. Mehr als die vorangegangenen Stücke gibt dieses Werk den Musikern Gelegenheit, ihre solistischen Qualitäten auszuspielen. Davon hatten alles bemerkenswert viel zu bieten, jede einzelne Stimme überzeugte mit klarem, schönem Ton und ausdrucksvollem Spiel. Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja riss das Publikum zusätzlich durch die Art und Weise mit, wie Sie spielte. Sie ging mit vollem Körpereinsatz so sehr in der Musik auf, dass sie diese nicht nur auf ihrer Geige spielte, sondern regelrecht vortanzte. An lebhaften Stellen hielt sie es auf ihrem Stuhl förmlich nicht mehr aus und stand immer wieder halb auf.
Eine gute Interpretation eines Stückes hängt natürlich nicht nur von den solistischen Qualitäten eines Ensembles ab. Damit ein stimmiger Klang, ein überzeugendes Gesamtbild entsteht, müssen die einzelnen Stimmen aufeinander eingehen, aufeinander abgestimmt sein, muss die Kommunikation unter den Musikern funktionieren. Aber auch hier gibt es nichts zu mäkeln. Es war einfach ein perfektes Konzert.
Quintett vermittelt Eindruck eines großen Orchesters
Karen Streich im Badener Tagblatt, 24.5.2004: Baden-Baden - Die junge moldawische Violinvirtuosin Patricia Kopatchinskaja, dem Baden-Badener Publikum von ihrem Auftritt in einer Veranstaltung der Gesellschaft der Musikfreunde noch in sehr guter Erinnerung, gab mit ihrem Ensemble im Weinbrennersaal des Kurhauses ein außergewöhnliches Kammerkonzert. Zu ihrem Ensemble gehören der Geiger Daniel Kobyliansky aus Moskau, heute Konzertmeister des Bieler Symphonieorchesters, der Bratscher Roman Spitzer aus St. Petersburg, seit 2000 Solo-Bratscher im Israel Philharmonie Orchestra, Boris Yoffe. (Viola), ebenfalls in St.Petersburg geboren und heute in Karlsruhe als Komponist lebend und Dimitri Dichtiar, Violoncello, in Moskau geboren und Preisträger von nationalen und internationalen Wettbewerben. Kopatschinskaja hat in der Tat ein Ensemble aus hochqualifizierten Musikern um sich geschart.
Zunächst erklangen Gedichte für Streichquartett" von Boris Yoffe aus seinem metaphysischen Quartettbuch", ohne die Mitwirkung des Komponisten selbst. Die vier Musiker widmeten sich den Musik-Gedichten mit großem Ernst und wie selbstverständlich. Sie rezitierten, antworteten einander, verströmten Nachdenklichkeit in Gesprächsform. Es waren kurze Stimmungsbilder, Aphorismen, die sich sehr ähnelten. Auch Yoffes Aria für Streichtrio", von Kobyliansky, Spitzer und Dichtiar sehr empfindsam interpretiert, erschien den Zuhörern wie ein Gespräch zu dritt ohne merkliche Überraschungen. Nach seinen eigenen Worten will der Komponist dem Wahrnehmenden (mit seiner Musik) eine praktische, lebendige Auseinandersetzung mit der für ihn allgemeinen metaphysischen Problematik ermöglichen".
Beim Streichquartett D-Dur KV 593 von W. A. Mozart war das Violoncello in der Mitte postiert, flankiert von den beiden Violinen und den zwei Bratschen. Kobyliansky spielte die erste Violine, er vermittelte sehr einfühlsam die Sprache Mozarts. Seine vier Mitstreiter agierten zwar meisterlich und virtuos, trafen aber nicht seinen Tenor. Fünf Individualisten, jeder ein Meister seines Instrumentes, doch auch sie brauchen Zeit, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Nach der pfiffigen, vom Cello angestimmten dialogisierenden langsamen Einleitung konnten die Zuhörer eine sehr bewegte Vielstimmigkeit im ersten Satz genießen, die überraschend von der langsamen Einleitung abgeschlossen wurde. Ausdrucksvolle Spannung zeichnete den langsamen Satz aus, und sensibel und witzig erschien der Dialog von erster und zweiter Violine im Trio des Menuetts. Im Final-Allegro ließ Kobyliansky seine Geige mitunter über Streichergrund lachen, aufgewühlte Polyphonie mit fugenhaften Ansätzen prägten im übrigen den letzten Satz dieses Werkes.
Beim Streichquintett F-Dur von Anton Bruckner übernahm Kopatchinskaja die erste Violine. Hier schien die Geigenvirtuosin in ihrem Element zu sein. Die kontrastreichen, dynamischen, polyphonen, melodischen Entwicklungen, die die fünf Musiker mit äußerster Virtuosität und Hingabe vorführten, vermittelten den Eindruck eines großen Orchesters, wie auch der Umfang und die Klangentfaltung in dieser kammermusikalischen Komposition eher den Charakter einer Sinfonie trägt. Der dritte Satz zeigte sich voller Wärme und romantischem Gefühlsreichtum, äußerste Zartheit und Durchsichtigkeit im Wechsel mit rauschenden Wogen, flexibel und jetzt sehr viel mehr aufeinander eingehend dargebracht. Das emotionale, dynamisch und mit sichtbarer Spielfreude von Kopatschinskaja und ihrem Ensemble präsentierte Harmoniegebäude löste begeisterten und bewundernden Beifall aus.
Das Gewicht jedes Tons: Werke von Boris Yoffe
Christine Gehringer, Badische Neueste Nachrichten, 22.5.2004: Gerne sucht der Komponist Boris Yoffe in seinen Werken die Verbindung zwischen Dichtung und Musik: Seine Werke sind knapp und essenzhaft; reduziert auf kurze, aber prägnante Aussagen. Wie in der Poesie dem einzelnen Wort, so fällt hier dem einzelnen Ton ein ganz besonderes Gewicht zu.
Die Hörer in der Auferstehungskirche (Karlsruhe) erlebten ein Programm voller Dichte und spannungsgeladener Momente; Yoffes Musik liegen Motive zu Grunde, die - wie beispielsweise die Gedichte für Streichquartett" - oft nur aus einem einzigen Intervall bestehen: geschichtet, reflektiert, gegeneinander verschoben. Allein durch diese Reibung strebt diese Musik vorwärts, wechselt ihre Farben von nebulös bis hin zu üppig schillernd und warm; der Klang entwickelt sich stets aus dem Impuls eines einzelnen Instruments und lebt von Kontrasten. In den Capriccios für Cello und Gitarre (gespielt von Dmitri Dichtiar und Pavel Chlopovsky) besticht die Spannung aus Punkt und Linie, das Cello verharrt manchmal fast statisch, die Gitarre durchdringt diese Linie mit zugespitzten Einwürfen. Ebenso beeindruckend ist die Volksweise für Geige, wobei der Volkston nur ansatzweise, dafür aber ein wenig überhöht und ironisiert hervorschimmert. Patricia Kopatchinskaja (Violine) präsentiert das Werk zudem in einem auf Hochglanz polierten Ton - sehr konzentriert und markant, dabei aber stets alle Nuancen zulassend. Die Aria für Streichtrio" dagegen formt sich aus einer einzigen weiten Linie, aus der gelegentlich eine Stimme ausbricht und den Klang in einem anderen Licht oszillieren lässt.
Umrahmt werden Yoffes Werke mit Mozart: Dem Duo für Geige und Bratsche G-Dur, das Daniel Kobyliansky (Violine) und Roman Spitzer (Viola) ausgesprochen feingliedrig artikulieren; alles wirkt wie sachte touchiert und ist dennoch klar und präzise artikuliert. Zum Schluss gesellt sich Yoffe (Viola) dann selbst zu den Interpreten, und Mozarts Streichquintett D-Dur wird zu einem großartigen Hörerlebnis: Energische Gesten, außergewöhnliche Impulsivität, diese aber stets kontrolliert und bewusst eingesetzt, dazu zart und vorsichtig angefasste Phrasen, leicht und durchsichtig: Ein eindrucksvoller Vortrag.
Eine wirkliche Sternstunde: Grosser Auftritt der Geigenvirtuosin Patricia Kopatschinskaja
Gundi Klemm in der Solothurner Zeitung vom 17.5.2004: Die 27 Jahre alte Moldavierin Patricia Kopatchinskaja, die vor vier Jahren ihr Solistendiplom in Bern ablegte, wird seither als grosse Entdeckung der internationalen Musikwelt gehandelt. Sie verfügt über ein beachtliches Repertoire, das sie laufend mit technisch anspruchsvollen Stücken erweitert. Für das Kammerorchester Solothurn und als besonderes Geschenk an den gastgebenden Dirigenten Urs Joseph Flury, mit dem sie gut bekannt ist, hatte sie das Violinkonzert in C-Dur des Wiener Geigers Fritz Kreisler (1875-1962) erarbeitet, der das dreisätzige Werk zwar im Stil Vivaldis, aber in absolut romantischer Tonsprache gestaltet hat. Die Solistin interpretierte das «Andante doloroso» in zerbrechlicher Zartheit und das «Allegro assai» mit deutlichem Temperament.
Dramatische Gegensätze: Die Partita für Solovioline (d-Moll, BWV 1004) von Johann Sebastian Bach (1685-1750), aus der Kopatschinskaja die «Ciaccona» spielte, zeigte eindrücklich, wie brillant sie ihr Instrument beherrscht. Denn die in diesem Stück geforderte Mehrstimmigkeit verlangt höchstes Können in der Bogen- und (Doppel-)Grifftechnik. Atemlos verfolgte das Auditorium in der gut besuchten Jesuitenkirche dieses hinreissende Spiel mit Themen und Variationen in Moll und Dur.
Solchermassen eingestimmt, ahnte das Publikum, dass auch die Wiedergabe des Mozartschen Violinkonzertes in G-Dur KV 216 mit den Sätzen Allegro-Adagio-Rondeau eine glitzernde Farbigkeit erhalten würde. Die Heiterkeit des Rokoko erweiterte die Solistin durch dramatische Gegensätze. In jeden Satz fügte sie eine Kadenz ein, in der sie wie virtuos-improvisierend die musikalischen Gedanken zusammenfasste. Für diesen Auftritt war das Kammerorchester mit Flöten, Oboen, Hörnern und natürlich seinen Streichern gut ausgestattet, um rauschende Tutti und fein ausgeführte Begleitungen (akzentuierte Flöte im Allegro) proportioniert wiederzugeben. Gefühlvoll strömendes Spiel im ersten Satz, verzehrende Lieblichkeit im zweiten und im finalen Rondo der Einschub fremdklingender Ton- und Taktart, mit der Mozart offenbar ein auf einer Drehleier gespieltes Strassburger Volkslied musikalisch umformte. Der gesamte Vortrag, den die Interpretin mit kraftvollem Ausdruck glanzvoll prägte, erntete nicht enden wollenden Beifall.
In die Zukunft denken
Michael Wruss in Oberösterreichische Nachrichten, Linz, 11.5.2004: "Vision und Utopie" am letzten Abend des Linzer "4020 Festivals" in der Elisabethinenkirche. Luigi Nonos "La lontananza nostalgica utopica futura" mag so etwas wie eine utopische Vision sein, die jedoch in der Nostalgie wirklicher Klänge verhaftet bleibt. In dem für Gidon Kremer geschriebenen Werk tritt die Sologeige mit acht unterschiedlichen Klangmustern in einen Dialog, der bei jeder Aufführung durch die Freiheit der Abfolge eine neue Lesart des Werks bewirkt. Karlheinz Essl hat das Material digitalisiert und raumakustisch umgesetzt. Den zwischen gelähmter Lethargie und pulsierender Expressivität schwankenden Violinpart gestaltete Patricia Kopachinskaja mit sich gebärdender Dramatik zu einem impulsiven Klangbild.
Mit dem Stern
Benjamin Herzog in der Basler Zeitung vom 2.4.2004: Diesseits und jenseits - das sind Kategorien in die sich Duoprogramme oft einteilen lassen. Diesseits der Pause und jenseits. Hier Beethoven und Brahms, dort das leichter uns ansprechende, Ravels "Tzigane", rumänische Volkstänze von Bartok, und, wenn herbeigeklatscht, hübsche Zugaben. Die E-Musikfreunde wollen bedient sein und diejenigen der U-Musik auch, denn nichts anderes sind diese "jenseitigen" Stücke, die gerade einen Geigenabend auch zur guten Show machen.
Wer die Geigerin Patricia Kopatchinskaja vor gut einem Jahr in Basel gehört hatte, dürfte sich vorgestern gesagt haben: hmm, Beethoven, Brahms - geht das gut? Es ging gut, hervorragend sogar. Eine solche Beethoven-Sonate (G-dur op. 30) hat noch niemand gehört: Witz, Wut, Fahles, Volles splitterten ineinander, der Notentext war keine Bibel, sondern ein Baukasten, mit dem das Duopaar spielte bis zur Bizarrerie. Weniger formbar ist Brahms (Sonate d-moll). Voller, wie verkettet ist diese Musik. Sie zu dehnen, um ihr noch Ausdruck abzugewinnen und nicht blosses Schönsein, hat sich Kopatchinskaja vorgenommen. Werner Bärtschi übertrumpfte sie hier noch, denn er hat auch Ruhe und lässt den Klang frei fliessen. Das sind Eigenschaften, die dem gestaltungsbesessenen Wirbelwind aus Moldawien bislang fehlen.
Den zweiten Teil begann das Duo noch ganz ernst mit einem Konzentrat, Weberns knappen "Vier Stücken", das einen diese Eigenschaft für einmal auch inhaltlich nachempfinden liess. Es folgten John Cages Nocturne, die Bartok-Tänze und "Tzigane"; alles lauter Stücke, die erstmals in der Gesellschaft für Kammermusik gegeben wurden und daher auf dem Programmzettel den Stern trugen. Ein Qualitätsgefälle zwischen Dies- und Jenseits war nicht zu spüren. Die Spielfreude und Bewegungslust, mit der Kopatchinskaja spielte, ging hier bisweilen ins Musiktheatralische über. Jedenfalls in einen Bereich, der den Ausnahmefall dieses Abends bestätigte - eine fröhliche Feier musikalischer Intelligenz, gepaart mit frischer Direktheit, wie sie nur aus der Beherrschung des Instruments entsteht. Es war ein Konzert, das mit dem Stern das Symbol seiner Erst-, wenn nicht gar sogar Einmaligkeit verdient hatte.
Begegnung mit der faszinierenden Violinsolistin Patricia Kopatchinskaja
Badener Zeitung vom 31.3.2004: Im 3. Abokonzert, das ganz dem großen finnischen Komponisten Jan Sibelius gewidmet war, überraschte nicht nur ein äußerst homogenes Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, sondern es brachte eine beglückende Begegnung mit der aus Moldawien stammenden Violinsolistin Patricia Kopatschinskaja. Einer jungen Musikerin, die bereits mit großen Orchestern und in vielen Konzertsälen der Welt aufgetreten ist. Am Beginn des Konzertes im Festsaal des Congress Casino Baden stand der letzte Satz aus Lemminkäinen op. 22, einer Tondichtung die an das Kalevala Epos angelehnt ist. Nachfolgend dann das mit Spannung erwartete Konzert für Violine und Orchester d-moll op.47 mit der Geigerin Patricia Kopatchinskaja. Technische Probleme scheinen ein Fremdwort für die Solistin zu sein. Mühelos bringt sie die fein schattiertesten Töne zum Leuchten. Stellt dabei die manuelle Fertigkeit nie über die melodischen Feinheiten und erntete großen Jubel für ihre Interpretation. Ein Jubel, der sie zu einer Zugabe verführte. Farbig mit Animo und Witz spielte sie ein von Otto Zykan für sie komponiertes Stück. Ja, und komponieren wird die junge Künstlerin auch selbst, und zwar ein Auftragswerk für das Festkonzert zum 10. Jahrestag des Bestehens der Sinfonietta Baden. Es wird eine zeitgenössische Komposition für Violine, Klavier und Orchester werden verriet Kopatchinskaja schon vorab. Nach der Pause die Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 43, deren poetische Grundstimmung und Reichtum der melodischen Erfindungen im fulminanten Finale des 4. Satzes endete. Das Orchester war in jeder Form und Gruppierung konzentriert und von der musikalischen Kraft des Dirigenten Olari Elts hörbar mitgerissen. Einem Dirigenten, der 2000 den angesehenen internationalen Sibelius -Dirigentenwettbewerb in Finnland gewann und Chefdirigent des Lettischen Sinfonieorchesters ist. Ein musikalisches Fest, das durch schier nicht endenwollenden Applaus bedankt wurde.
Musik aus dem Herzen - Die Violinistin Patricia Kopatchinskaja spielte energiegeladen mit dem Berner Symphonie Orchester.
Mathias Geiser
in der Berner Zeitung vom 21.2.2004: Der
Schlussapplaus will und will nicht aufhören. Immer wieder wird
Patricia Kopatchinskaja auf die Bühne zurück gerufen. Die
unglaubliche Energie der jungen moldawischen Geigerin zeigt sich auch
nach dem überaus anstrengenden Bartók-Konzert
ungemindert: Fast im Laufschritt verlässt sie jeweils die
Bühne und kommt wieder zurück, vollführt am Arm des
Dirigenten Andrey Boreyko keck eine Pirouette, springt bei der
quirligen Duett-Zugabe mit Konzertmeister Alexis Vincent in die Luft,
umarmt ihn und verneigt sich jedes Mal so schwungvoll, dass man
fürchten muss, sie schlage mit dem Kopf auf dem Boden auf.
Aus dem Moment:
Der Applaus ist durchaus berechtigt. Natürlich ist bei
Kopatchinskajas Spiel eine Portion Show dabei. Aber man spürt,
dass ihr die Musik direkt aus dem Herz strömt. Das Feuer ihres
Spiels ergreift vom ersten Augenblick an den ganzen Saal; und mit
«Augenblick» ist auch Kopatchinskajas Musizieren treffend
charakterisiert: Sie setzt jeden einzelnen Ton bewusst an, spielt
nicht auf Linie, sondern augenblicksbezogen, lässt die Musik
eben «aus dem Moment entstehen», wie es auf ihrer Homepage heisst.
Für die Linie
sorgt der hervorragend leitende Dirigent Andrey Boreyko. Die
Bewegungen des Russen sind ungeheuer exakt, seine Ruhe ist geradezu
unerschütterlich. In lyrischen Passagen der 2. Symphonie von
Jean Sibelius legt er den Stock auch mal ab und dirigiert, besser:
formt die Musik buchstäblich mit blossen Händen. Dabei
bleibt er stets geerdet, sowohl beim oft «wilden»
Bartók als auch beim pompösen Blechbläser-Schluss
von Sibelius... (>>pdf-Originalansicht)
Hochseilakt ohne Netz - Patricia Kopatchinskaja faszinierte mit unkonventionellen Bartók-Interpretationen
pof im Berner
BUND, 21.2.2004: Sie lässt ihre Violine wispern, tuscheln,
exaltiert klagen, jovial charmieren und wuchtet emotionale
Schwerpunkte untermalt von temperamentvollem Aufstampfen
förmlich in die Bühnenbretter des ehrwürdigen
Casinosaals. Die moldawische Wahlberner Geigerin Patricia
Kopatchinskaja (vgl. «Bund» vom Dienstag) forderte mit
ihrer äusserst risikofreudigen Interpretation von Béla
Bartóks zweitem Violinkonzert im dritten Sinfoniekonzert
(Blaues Abo) nicht nur das eigene technische Können, sondern
auch das Publikum permanent heraus. Mit Klangreizen, die wie
Sternschnuppen plötzlich aufglommen, elektrisierte sie die
Zuhörer stets aufs Neue.
Neue Ausdrucksformen:
Obschon sie mittlerweile eine beachtliche Karriere und ein immenses
Konzertpensum absolviert hat, ist Patricia Kopatchinskaja nicht
müde geworden: Sie geht Wagnisse ein, attackiert und sucht die
Extreme, ohne dass ihr Spiel ins Skurrile, Exzentrische abgleitet.
Vielmehr klingen auch Effekte, die die Grenzen des violinistischen
Ausdrucksspektrums ausloten, stets authentisch und wunderbar unverbraucht.
Musikalische
Phrasen werden zergliedert; darob findet die Vollblutgeigerin neue
Ausdrucksformen, mit denen sie Bekanntes gegen den Strich
bürstet, ohne dass dabei je die Spannung einzubrechen droht. Die
Gestalt bleibt immer erhalten, auch wenn die eine oder andere
Kantilene im Feuer vielleicht etwas gar kurzatmig gerät. Selbst
nachgerade «sachlich» Vorgetragenes erhält dadurch
eine neue Qualität. Einfach aufregend!
Ihr geradezu
schauspielerisches Temperament liess sie auch in den
Bartók-Duozugaben zusammen mit dem neuen Berner Konzertmeister
Alexis Vincent aufblitzen, der diesem sprühenden Feuerwerk
kammermusikalische Umsichtigkeit und pointierte Akzente
entgegenzusetzen wusste. Den Geistesblitzen und überraschenden
Tempowechseln der Solistin wusste auch der brillante russische
Dirigent Andrey Boreyko etwas entgegenzuhalten. Er lotste das agil
aufspielende Berner Symphonie-Orchester geschickt durch die
agogischen Gefilde und animierte seine Musikerinnen und Musiker zu
differenziertem und transparentem Begleiten.
Poetische
Klangbilder: Auch mit seiner auf versonnene poetische Klangbilder
und vitale Ausbrüche fokussierenden Lesart der zweiten Sinfonie
D-Dur von Jean Sibelius fand der St. Petersburger einen guten Draht
zum Orchester. Mit elaborierter Schlagtechnik konnte er den
musikalischen Fluss wirkungsvoll formen, Akzente setzen und
Klänge dynamisch abstufen, ohne ob der eingängigen
Klangmalerei dem Kitsch zu verfallen. Die sichtlich gut gelaunten
Musikerinnen und Musiker reagierten präzise und allen
voran die Blechbläser steuerten profilierte
Einzelleistungen bei, während die Streicher dem Ganzen einen
satten, strahlkräftigen Sound zugrunde legten, der dem Abend
eine solide, substanzreiche Basis verlieh, wenn sich die
gestalterischen Einfälle wieder mal überschlugen. (>>pdf-Originalansicht)
Standing Ovations
hms im Thuner Tagblatt vom 5.1.2004: ...Anlässlich der Rathauskonzerte standen an der Neujahrsgala Schumann und seine eher im Hintergrund stehende Kammermusik im Zentrum. Dass es um sehr delikate Musik ging, war aus den philosophischen Gedankengängen des Kommentators Theodor Künzi erkennbar. Die fünf jungen internationalen Musiker Patricia Kopatchinskaja, Daniel Kobyljanskij, Violinen, Boris Yoffe, Viola, Sol Gabetta, Violoncello, und Riccardo Bovino, Klavier, musizierten äusserst engagiert und lebendig... Es gelang ihnen, das innere Wachsen und Reifen, die Fülle kostbarer Eingebung des grossen Komponisten in zwei schwierigen Kammermusikwerken zum Ausdruck zu bringen. Auffallend war, wie die Musiker sich technisch ebenbürtig ergänzten und die Auffassung in Phrasierung, Dynamik oder Vibrato-Gebrauch entdeckten.
Das dritte Streichquartett in A-Dur liess mit träumerisch melodiösen Gedanken und sprechenden Pausen den empfindsamen Schumann durchblicken. Das berühmte Klavierquintett in Es-Dur wurde zum Hörgenuss mit feurigem Schwung, gespickt mit plastischen, melodischen Gedanken. Einem rauschenden, klangvollen Beginn mit impulsivem Thema folgten ein ruhig versonnenes, träumerisches Klavier und Cello. Es folgten Gegensätze von freundlichem Dahinsingen und ruheloser Hast und verschiedenen Ausbrüchen durch die Tonarten treibend. Der Genuss der mit kraftvoller Lebendigkeit und phänomenaler romantischer Klangpracht unendlichen Schönheit Schumanns wurde mit Standing Ovations verdankt.
Patricia Kopatchinskaja bei Musica aperta: Die Fähigkeit, einen eigenen Zugang zur Musik zu finden
Anja
Bühnemann in Landbote, Winterthur vom 8.12.2003: Als
«Rising Star» angekündigt, hat das Konzert mit
Patricia Kopatchinskaja (Violine) und Werner Bärtschi (Klavier)
im Theater am Gleis grosse Erwartungen geweckt. Zu Recht - wie nach
dem Auftritt klar war. Mit
den «Rising Stars» ist das ja jeweils so eine Sache.
Wissen kann man nicht, ob aus den Sternchen von heute auch wirklich
die grossen Stars von morgen werden. Bei der moldawischen Geigerin
Patricia Kopatchinskaja allerdings stehen die Zeichen nicht schlecht.
Sie ist jung genug, um noch als Jungstar gehandelt zu werden, und
künstlerisch bereits soweit gereift, dass ihre eigenen
interpretatorischen Vorstellungen deutlich hervortreten. Auch im
für die Reihe Musica Aperta typischen Gespräch, in das
Roger Girod die beiden Künstler eingangs verwickelte, bewies die
Musikerin viel Selbständigkeit.
Der Zugang zur
Musik: Auf die Frage, was sie unter Virtuosität verstehe,
nannte sie die Fähigkeit, einen eigenen, persönlichen
Zugang zur Musik zu finden, als massgeblich. Das Können
müsse als Voraussetzung gelten, fügte Kopatchinskaja an. So
sei für sie auch John Cages Nocturne das schwierigste und damit
virtuoseste Werk des Abends. Diese Definition blieb dann aber doch
eher singulär, und das Publikum zeigte sich der traditionellen
Auffassung von Virtuosität zugeneigt, indem es Maurice Ravels
Bravourstück, Tzigane, mit besonders ausgiebigem Applaus
bedachte. Doch der Reihe nach.
Eröffnet
wurde das Konzert mit Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier
und Violine G-Dur, op. 30 Nr. 3. Übermütig gingen die
beiden Interpreten dieses Werk an, dessen Rasanz und rhythmischen
Irritationen weidlich ausgekostet wurden. Auch die Sonate für
Klavier und Violine Nr. 3 d-Moll, op. 108 von Johannes Brahms erfuhr
einen stürmischen, bis an die Grenzen des Geräuschhaften
gehenden Zugriff. Was bei Beethoven noch sinnvoll schien, machte sich
hier allerdings doch eher störend bemerkbar. Etwas mehr
Sinnlichkeit, eine feiner dosierte Rauschhaftigkeit hätten
durchaus nicht geschadet.
Kaum mehr zu
steigernde Form: Nach der Pause dann die Wendung hin zu Werken
der jüngeren Vergangenheit. Anton Weberns vier Stücke
für Geige und Klavier, op. 7 sind Momentaufnahmen
aperçuhaften Charakters. Musik in ihrer kaum mehr zu
steigernden, verdichteten Form. Diese Konzentration des Materials
verständlich zu machen, gelang den beiden Künstlern
überzeugend. Danach John Cages Nocturne: ein klangsuchendes
Werk, dem sich sein Titel atmosphärisch nicht aufdrängt.
Des Weiteren die Six melodies for Violin and Keyboard desselben
Komponisten. Rhythmische, um einen imaginären Kern kreisende
Studien von verwirrender Komplexität. Und schliesslich Tzigane,
das im herkömmlichen Sinne virtuose Meisterstück von
Maurice Ravel. Hier konnte auch Werner Bärtschi, der
phänomenale Klavierpoet, einmal mehr seine Finger so richtig
laufen lassen.
Schier
unersättliches Publikum: Nicht
oft erfahren Künstler im Theater am Gleis eine derart
begeisterte Aufnahme. Mit drei Sätzen aus Manuel de Fallas Suite
populaire espagnole und einer humorigen Fantaisie musculaire von Eric
Satie bedankte sich das so prächtig zusammen musizierende Duo
Kopatchinskaja/Bärtschi bei seinem schier unersättlichen Publikum.
Humor und Können vereint - Preisträgerkonzert in der Kirche St.Johann Schaffhausen
AB. in Schaffhauser Nachrichten vom 8.12.2003: Es wurde ein Abend der gelungenen Überraschungen: das dritte MCS-Konzert mit Patricia Kopatchinskaja (Violine) und Werner Bärtschi (Klavier). Das Podium in Schaffhausens Kirche St. Johann ist für grosse Instrumentalbesetzungen ausgelegt. Da können zwei Menschen leicht verloren wirken. Nicht jedoch, wenn eine Geigerin vom Format einer Patricia Kopatchinskaja und ein Pianist vom Range eines Werner Bärtschi gemeinsam auftreten. Ihr Alter gibt die Moldavierin nicht preis. Sie wirkt jung genug, um noch als Jungstar gehandelt zu werden, und künstlerisch bereits so weit gereift, dass ihre eigenen interpretatorischen Vorstellungen deutlich hervortreten. In Werner Bärtschi, dem pianistischen Enfant terrible mit der brillanten Spielkultur und dem immer wieder erfrischenden Blick auf die Schlachtrösser des Repertoires, hat sie einen ebenbürtigen musikalischen Partner gefunden. Rührend, wie die eben noch teufelsgeigende junge Frau am Schluss des Konzerts vom tosenden Applaus getragen dem Pianisten spontan um den Hals fiel, im Wissen darum, dass solche Synergien im künstlerischen Alltag keine Selbstverständlichkeit sind.
Eröffnet hatte das Duo das Konzert mit Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier und Violine G-Dur, op. 30 Nr. 3. Übermütig gingen sie dieses Werk an, dessen Rasanz und rhythmischen Irritationen humorvoll ausgekostet wurden. Auch die Sonate für Klavier und Violine Nr. 3 d-Moll, op. 108 von Johannes Brahms erfuhr einen stürmischen bis an die Grenzen des Geräuschhaften gehenden Zugriff, der hier allerdings nicht durchweg überzeugte. Gerade dem Adagio hätte eine unforcierte Sinnlichkeit gut angestanden.
Nach der Pause dann Werke der jüngeren Vergangenheit. Anton Weberns vier Stücke für Geige und Klavier, op. 7, sind Momentaufnahmen aperçuhaften Charakters. Musik in verdichteter Form, die kaum kompakter gedacht werden kann, ohne in Schweigen zu verfallen. Das Extreme verständlich zu machen, gelang diesen beiden Künstlern eindrucksvoll. Auch John Cages Nocturne stellte an Interpreten wie Publikum grosse Anforderungen. Mit Manuel de Fallas Suite populaire espagnole war man dann wieder auf der sicheren Seite. Folkloristik und Virtuosität paarten sich sechs Sätze lang zu einem Feuerwerk aus spanischem Temperament und fiebriger Lebensglut. Wie ein übermütiges Füllen begann Patricia Kopatchinskaja noch während des Applauses mit dem Prolog zu Maurice Ravels Paradestück für Geiger: Tzigane. Durch ihre und Werner Bärtschis atemberaubende Präzision und Leidenschaft verschmolzen die zehn Minuten instrumentaler Akrobatik zu einem kurzen Moment der Erfüllung. Kein Wunder also, dass man diese beiden Künstler nicht so ohne Weiteres ziehen liess. Drei Zugaben gab es immerhin. Darunter eine Fantaisie musculaire von Eric Satie: Wie schön, wenn sich Humor und Können musikalisch derart kongenial vereinen.
Duo mit feurig-leidenschaftlichem Ausdruck - Patricia Kopatchinskaja und Werner Bärtschi wurden in Grüningen stürmisch gefeiert.
Susi Hofmann,
Zürcher Oberländer, 6.12.2003: Dass
man sich als Interpretin einen eigenen Stil aneignen muss, um
aufzufallen, ist der in Moldawien geborenen Bernerin Patricia
Kopatchinskaja bewusst. Doch nicht nur das: Sie lebt die Geige. Mit
ihrer unbändigen Spiellust, einer guten Portion Schalk und
Humor, mit Temperament und Spannkraft gibt sie ihrem Instrument ein Eigenleben.
Zusammen mit dem
musikalischen Leiter des Musikkollegiums Zürcher Oberland,
Werner Bärtschi, gab sie am Donnerstagabend in der Kirche
Grüningen ein Konzert, das die Zuhörer zu
Begeisterungsstürmen hinriss Eine, zwei, schliesslich drei
Zugaben - und man hatte noch nicht genug von der jungen Geigerin. Ihr
zur Seite stand ein ebenso glutvoller Pianist als Rückgrat -
Werner Bärtschi imitiert nicht die Jugend, sondern spielt als
erfahrener Musiker virtuos gekonnt, mit beispielhafter Leichtigkeit
seinen Part am Flügel.
Eigenwillige
Interpretin: Das Programm von Beethoven und Brahms über
Anton Webern, John Cage bis hin zu Manuel de Falla und Maurice Ravel
enthielt mannigfachen musikalischen Ausdruck. Doch eines blieb immer
- eine eigenwillige Interpretation. Diese gipfelte in der technisch
ausgefeilten "Tzigane" von Maurice Ravel, die mit
zigeunerischem Impetus, mit glühender Raserei und einer
virtuosen Praesenz, wie auch mit liebevollem Charme das ganze
Spektrum einer Violinistin, die einen eigenwilligen Weg
einschlägt, vorstellte. Sie will nicht nur interpretieren,
sondern Musik nach eigener Eingebung lebendig werden lassen.
Aufgefallen sind
dabei ihre Spannkraft, wie auch ihr subtiles
Einfühlungsvermögen. Sie lässt die Violine im
Brahms-Adagio wie auf einer zweiten Ebene sich selber sein. Und sie
geht mit dem Beethoven-Allegro neckisch und unbeschwert um. In
stürmischen Eruptionen verleiht sie dem Instrument
körperliche Kraft. Und in John Cages Nocturne weiss sie tausend
Stimmen der Dunkelheit zu beschwören: dämonische, liebliche
verträumte, schwebende.
Kontrastreich
und unbeschwert: Mit der Sonate für Klavier und Violine
in G-Dur op 30/3 von Beethoven aus dem Jahr 1802 stieg das Duo
sprühend feurig, fast brüskierend enthusiastisch ins
Programm ein, um im Tempo di Minuetto in relativ einfacher Art und
wechselseitiger Melodiebetonung - besonders schön vom Klavier -
einen offensichtlichen Kontrast zu schaffen. Froh und unbeschwert,
wirkungsvoll und wirbelnd folgte das Allegro vivace in gekonnt
aufeinander abgestimmtem Zusammenspiel.
Lyrisch
überrascht dann die Sonate für Klavier und Violine d-moll
von Johannes Brahms mit "stillen" Momenten und
leidenschaftlichem Ausdruck. Aufkeimende Glut wurde im Adagio betont,
kontrastierend folgte der Satz "un poco presto e con
sentimento" mit federleichtem Anschlag des Pianisten, sehr weich
und fliessend. Energisches Drängen prägte das Presto, das
gewaltig mitriss.
Dämone und
Schleier der Nacht: Die vier Stücke op.7 (1910) von
Anton Webern ergaben einen eindringlichen Klangzauber. Noch
stärker dann berührte John Cages "Nocturne" aus
dem Jahre 1947 mit den geisterhaften wie auch lieblichen Stimmen der
Nacht. Ein Ausflug ins typisch spanische Kolorit wurde mit den kurzen
Stücken der "Suite populaire espagnole" von Manuel de
Falla unternommen - ursprünglich für Gesang und Klavier
geschrieben, von Kochanski transcribiert. Diese gaben der jungen
Violinsitin Gelegenheit, das spanische Temperament und die schwebende
Stimmung eines südlichen Traumes mit schmachtenden Glissandi und
hauchfeinen Flageoletts auszudrücken. Untermalt wurden sie vom
Klavier in bewegten Rhythmen. Gut und spontan überbrückt
wurde von Werner Bärtschi der ungeplante Unterbruch durch die
geplatzte Saite an der Geige, die dem Schwung und dem Brio von
Patricia Kopatchinskaja nicht standhielt. Kurz entschlossen wusste er
über de Falla Wissenswertes zu erzählen - eine gekonnt
gezogene Zusatzschleife.
Aus dem Moment
entstanden: Zuerst im Solo, dann mit Klavier setzte die
Violinistin mit Maurice Ravels "Tzigane" ihrem Stil die
Krone auf. Virtuos, absolut gekonnt und effektvoll liess sie das
Stück aus dem Moment heraus entstehen, Die Musik schien dabei
von den Zehenspitzen aus drahtig durch ihren ganzen Körper zu
fliessen, sie mit Haut und Haar zu umfassen, um nahtlos aus dem
Instrument zum Publikum zu klingen. Aufgewühlt wurde dieses
mitgerissen, begeistert von der jungen sprühenden Kraft, die von
dem erfahrenen Begleiter am Klavier wirksam, aber dezent im Zaum
gehalten werden konnte.
Katz & Maus
Adam Baer in The New York Sun, 1.12.2003: Das aufregendste Violinrezital des Jahres 2003 eröffnete nicht die Herbstsaison, es war nicht in der Carnegie Hall, und es hiess niemand Gidon oder Mitsuko. Es fand in einem halb gefüllten Raum (und ohne alle Umstände) statt am letzten Freitag auf Bargemusic, dem gemütlichen Konzertraum im Schiff unter der Brooklyn Bridge. Die Stars waren die quecksilbrige 26-jährige Geigerin Patricia Kopatchinskaja und die 25-jährige Rumänin Mihaela Ursuleasa am Klavier.
Trotz Vertretung durch eine Deutsche Elite-Agentur, Konzertdirektion Hans Ulrich Schmid, sind diese beiden talentierten Extremisten noch nicht vom musikalischen Radar unseres Landes erfasst worden. Viele Musikliebhaber, die sie wahrscheinlich gern hören würden, haben ebensowenig eine Ahnung von Ihnen wie vermutlich die meisten Kritiker und Veranstalter hierzulande.
Beide erschienen am Freitag auf die verdienstliche Einladung des musikalischen Direktors von Bargemusic, Mark Peskanov, der im Jahr 2000 mit der Jury Ms. Kopatchinskaja den ersten Preis im harten Henryk Szeryng Wettbewerb zugesprochen hatte. Das kreativ-vielseitige Programm kombinierte Bartóks Rumänische Tänze, Liszts Mephisto Walzer, George Enescus dritte Violinsonate, ein Werk des österreichischen Avantgardisten Zykan mit John Cages entropischen Variations I. Vorgeführt wurde eine Mischung von pfiffiger Jugendlichkeit, komödiantischer Katz-und Maus-Improvisation und konzentrierten Ausbrüchen heissblütiger Leidenschaft.
Ich kenne Ms Kopatchinskaja erst seit letzter Woche, als dieses cherubinhafte Pixie (*) mit dem dunkel-elektrisierenden Ton zusammen mit Leon Botsteins American Symphony Orchestra in der Avery Fisher Hall auftrat. Im jetzt kleineren Rahmen war ihr Geigenton sogar noch lebendiger und makelloser. Die meisten Geiger tönen auf die Nähe kratzig oder scharf. Aber Ms. Kopatchinskaja tönte runder, beweglicher - wundervoll temperamentvoll. Ihr sehr abwechslungsreiches Vibrato ist manchmal sehr wild aus dem Handgelenk heraus, aber sie kontrolliert die Tonabstrahlung sorgfältig mit nur engen Armbewegungen.
In den Bartok-Tänzen riss Ms. Kopatchinskaja rauhe, tanzende Akzente von der G-Saite. Sie färbte ihre Intonation manchmal bis an die Grenzen und auf Synkopen verweilte sie länger, als ein akademischer Spieler es wagen würde, was den harmonisch raffinierten Tänzen etwas ungewöhnlich Authentisches und erstaunlich Riskiertes vermittelte. Ihr Spiel ausgesprochen fraulich, nicht mädchenhaft. Ihr schelmisches Wesen machte das Ganze noch atemraubender.
Ms. Ursuleasa, eine gleich begabte Pianistin mit Katzenaugen und einem verführerischem Lachen gab diesen Tänzen wundervolle Farben. Ihre gewinnende Person - weniger extravagant, direkter leidenschaftlich und erotisch - kam in Liszt's virtuosem Schlachtross voll zur Geltung. Das war eine explosive, romantische Interpretation mit kräftigen Basslinien und verblüffend melodischem Blühen um jede Ecke.
Cage's "Variations I" ist ein experimentelles performance-art Stück, es gibt den Aufführenden transparente Folien mit Linien und Punkten, die übereinandergelegt und dann nach bestimmten Spielregeln zu Tönen und Aktion übersetzt werden müssen. Das Stück könnte sicher trocken und esoterisch verstanden werden, aber hier wurde es grenzenlos unterhaltend.
Die Frauen schrien, flüsterten, summten, verbeugten sich, liessen ein dickes Buch fallen (einen Büromaterialkatalog, nicht weniger), kauten einen Apfel, stampften und benützten jeden denkbaren instrumentalen Effekt. Einmal bellte Ms. Kopatchinskaja "grösste Amplitude", bevor sie einen gelben Ballon platzen liess, den sie auf dem Rücken liegend aufgeblasen hatte. Das Duo zeigte einen rührenden Stolz auf ihr Werk, indem es eine Graphik über ihre Vorstellung des Stückes zirkulieren liess.
Nach der Pause "Das mit der Stimme" von Zykan, ein haarsträubender Ablauf von virtuosen Effekten, speziell für die Violinistin geschrieben. Und dann eine transparente, singende Evokation von Enescu: Hier verweilten lange Linien, biegsame Melodien, wie gestohlen von alten Wachszylinderaufnahmen, nebeneinander karge Landschaften oder überschäumende Feste (>>Sound).
Bis zum Schluss blieb Unterhaltung die Priorität für Ms. Kopatchinskaja, zuerst mit Grigoras Dinicus "Hora staccato" im Arrangement von Jascha Heifetz (>>Sound). Aber die Darstellung war ganz ihre eigene: Sie machte Gesichter, neigte den Kopf in gespielter Verwirrung hin und her und zeigte die inneren Abläufe des Werkes, manchmal mit schnell quiekenden Lauten wie eine Maus. Aber den Kopf trug sie nicht hoch und machte sich nicht (zu sehr) wichtig.
Das letzte augenöffnende Encore war Gya Kanchelis Rag-Gidon-Time, ein witziges neues Werk, geschrieben für den grossen Lettischen Geiger Gidon Kremer, - eine kühne aber richtige Wahl: Seit Kremers Aufführung der Bach Solosonaten an der Columbia University im Sommer 2002 habe ich keine so einzigartig charismatische Darstellung von Violinrepertoire in New York gehört.
Den Musikliebhabern rate ich, die Ausprache des Wortes Kopatchinskaja zu üben: Ko-pa-TSCHIN-skaja. Zweifellos werden sie es sehr bald wieder brauchen, sei es in einem Plattengeschäft oder an einer Kartenverkaufsstelle (Übersetzt aus dem >>Englischen).
(*) Was ist ein Pixie? Kleine Kreaturen, deren Geist so beweglich ist, wie ihre Flügel. Sie sind extrem neugierig, manchmal fast bis zur Lebensgefahr, und recht oft können sie lästig sein. Pixies sind Märchenwesen, und normalerweise findet man sie spielend auf Lichtungen und Tälern in Wäldern und Bergen. Überall wo man am Boden einen Hexenring sieht, hat es auch ein Pixie. Diese kleinen Wesen wurden früher oft gefangen und dienten den Reichen als als zarte Hausgenossen. Aber heute sind sie vom hohen Rat als eine intelligente eigene Rasse anerkannt (Definition nach AstroMUD) .
Charismatische Geigerin (American Symphony Orchestra, Lincoln Center, New York)
Adam Baer in The New York Sun, 24.11.2003: ...Dénés Varjon, ein klar und offen klingender Ungare, der bei Andras Schiff studiert hat zeigte eine rasche und weiche Hand, was den unnötig komplizierten Figurationen von Weiners Concertino eine kristallklare Qualität gab. Der Pianist gab dann noch ein Bartok-Encore, das grosse Aufmerksamkeit fand.
Sogar noch erfolgreicher war Patricia Kopatchinkskajas Interpretation von Stravinskys Violinkonzert. Die kompakte 26-jährige Moldavierin zeigte mit gepfeffertem Witz und scharfen Attacken, aber auch mit sinnlichen und silbern-glänzenden Klängen ein grosses Verständnis für dieses neoklassische Meisterwerk. Mr. Botstein hatte manchmal etwas Mühe, sein Orchester zu koordinieren, aber das war kaum bemerkbar.
Ms. Kopatchinkskaja rasselte darauf noch eine aufregende Zugabe herunter, die ihr der österreichische Komponist Otto Zykan geschrieben hatte. Das Werk verlangt alle vorstellbaren pyrotechnischen Tricks, - sie muss sogar stampfen, zu den Geigentönen ohne Worte singen und am Ende eine Pirouette drehen, während sie auf dem Griffbrett stratosphärische Höhen erreicht.
Nachbemerkung: Wenn Sie als Veranstalter oder Konzertorganisator diese Kritik lesen, engagieren Sie diese charismatische Geigerin, sie wird Ihnen grossen Erfolg einfahren. In der Pause hörte ich einige Prae-Teenager Ms Kopatchinskaja's Darbietung kommentieren: Man, she rocked out, sagte einer zum andern: I know, I mean, stotterte der andere aufgeregt: I, like, never heard anything like that! D! ... (Übersetzt aus dem ->Englischen)
Gedenkveranstaltung für Alma Rosé im Beethovenhaus Bonn
Bernhard Hauptmann in Bonner General-Anzeiger vom 14.11.2003: ...Doch auch die musikalische Seite kam an diesem Abend nicht zu kurz. Der Weidle-Verlag hatte die junge moldawische Geigerin Patricia Kopatchinskaja verpflichtet. Sie spielte ein Programm, dessen Gratwanderung zwischen Ernst und Unterhaltung sicher auch der Widmungsträgerin des Abends gefallen hätte. Vor der Lesung zeigte sie in Claude Debussys Sonate g-Moll ein hohes Maß an Klangkultur, wobei der Pianist Henri Sigridsson ihr ein vortrefflicher Begleiter war. Nach Fritz Kreislers "Syncopation" und Edward Elgars vielleicht mit ein bisschen zuviel Vibrato versehenen "Salut d`amour" folgte Ravels "Tzigane" als der eigentliche musikalische Höhepunkt. Ravel hat in dieses Stück eigentlich so ziemlich alles hineingepackt, was schwierig ist für die Geige. Bewundernswert, mit welcher Souveränität Patricia Kopatchinskaja die lange Solointroduktion spielte, bei ihr wirkt jeder Ton eher improvisiert als komponiert, eben rhapsodisch frei, wie Ravel es verlangt.
Die 26-Jährige hat Persönlichkeit und eine enorme Präsenz auf dem Podium, kein noch so ausgefeiltes Pizzicato-Kunststück ist ihr zu kompliziert, kein Bogenstrich zu schwer. Sie intoniert selbst bei rasantesten Tempi absolut sicher, und ist bei aller Perfektion noch eine temperamentvolle Musikantin. Hinreißend auch die letzte Nummer des offiziellen Programms, "Hora staccato" ihres Landsmanns Grigoras Dinicu: eine Bogen-Etüde der Extraklasse. Nach zwei de Falla-Zugaben entließ sie ihr begeistertes Publikum.
Jubel bei Patricia Kopatchinskaja
Chr.Grubauer, Neues Volksblatt Linz vom 11.11.2003: Dem Konzertverein Mühlviertel, genauer der Agentur Dienstbier, gelingt es immer wieder, Künstler von Weltrang zu präsentieren - wie zuletzt am Samstagabend in Schloss Hagenberg die junge moldawische Geigerin Patricia Kopatchinskaja, die bereits als Rising Star bezeichnet wird. Ihre Art Geige zu spielen ist eine intensiv persönliche und höchst emotionale mit totalem körperlichem Einsatz. Das Ergebnis ist eine einzige Faszination, zu hören bei Beethovens Sonate G-Dur op. 30/3 oder bei Brahms' Sonate für Violine und Klavier d-Moll op. 108. Ihre besondere Affinität zur Musik der Moderne zeigt die Künstlerin nicht nur in ihrer Programmauswahl, sondern auch in ihrer überzeugenden Interpretation von Anton Weberns Vier Stücke für Geige und Klavier op. 7 oder John Cages Nocturne und de Fallas Suite populaire. Werner Bärtschi am Klavier wusste als ebenbürtiger Künstler zu agieren. Mit Ravels Tzigane rhapsodie de concert war zwar das Programm, aber noch lange nicht der heftig bejubelte Konzertabend zu Ende, als Zugabe folgten noch vier Kostbarkeiten der überragenden Geigenkünstlerin.
Geigerische Urgewalten
(zam) in Oberösterreichische Nachrichten vom 10.11.2003: Hin und wieder ereignen sich Wunder, so am Freitag beim "Konzertverein Mühlviertel" im Schloss Hagenberg. Die junge Geigerin Patricia Kopatchinskaja vermittelte zusammen mit dem präzisen, aber ausgesprochen lautstarken Schweizer Pianisten Werner Bärtschi ein ungewöhnliches Programm. In ihr stecken impulsives Temperament, unglaubliche Musikalität, technische Höchstform und schier unerschöpfliche Kraftreserven. Daher "redeten" die einzelnen Sätze, veranlasst durch festes Zupacken, aber auch durch feinfühlige Sensibilität.
Beethovens op. 30/3 war kein Baden im Schönklang, sondern ein heftiger Dialog mit dem Klavier. Die Brahms-Sonate op. 108 bekam eine reduzierte romantische Aura, doch ein Adagio mit gefühlvollem Tiefgang. Der Ausflug ins 20. Jahrhundert war vorbildlich: Anton Weberns "Vier Stücke", op. 7, als Musik höchster Abstraktion, verloren jede Sprödigkeit, und John Cages "Nocturne" verströmte Stimmung und Ruhe. Als Schwelgen in spanischer Folklore geriet de Fallas "Populäre Suite" und, noch um eine Stufe gesteigert, Ravels "Tzigane": Hier haben in intensiver Gestaltung virtuose Hexenkünste geigerische Urgewalten bloßgelegt. Einfach zum Staunen; eine Publikumsreaktion: "A Wahnsinn." - Schließlich noch vier Zugaben.
Zwei wie Feuer und Wasser
Ralph Philipp Ziegler in Main-Echo vom 5.11.2003: Patricia Kopatchinskaja und Werner Bärtschi, das ist schon ein Duo wie Feuer und Wasser oder Luft und Erde: Elementar, sich ständig gegenseitig anziehend oder in neue Extreme stossend, voller Energie, voller Ausstrahlung, voller Leben. Was die junge Geigerin im Rittersaal der Alzenauer Burg aus Maurice Ravels "Tzigane" zaubert, das hat nicht nur Klasse. Es ist ein Erlebnis purer Musik, wie es nirgends auf der Strasse liegt. Nicht einmal so offensichtlich in den CD-Regalen des Phono-Fachhandels.
Die Akkorde der Solosequenz der Einleitung. Gemeisselt scharf, klar, brilliant, dabei farbstrotzend und aus zutiefst innerlich musikantischer Persönlichkeit gespielt. Das unsäglich virtuose, krachende Pizzicato-Feuerwerk, die scheinbar ganz und gar selbstverständliche Bewältigung der aberwitzigsten violintechnischen Kunstgriffe - das ist Patricia Kopatchinskaja. Eine Künstlerin die das Händchen hat, weit über den grossen Effekt hinaus Musik zu transportieren und damit die seltene Gabe, mit Populärem zu überwältigen und für Komplexeres mit Erfolg zu werben.
Darum stehen mitten im Programm Anton von Weberns "Vier Stücke" für Violine und Klavier op. 7 und John Cages "Nocturne". Nicht gesagt wäre, dass Patricia Kopatchinskaja schon eine bis in die letzten Facetten ausgereifte Interpretin gerade für die epochale Literatur der Neuen Wiener Schule wäre. Werner Bärtschi am Flügel ist es, der Piano-Grandseigneur mit der Dumbledore-Optik, der bei Beethoven jede noch so kleine Spannung, und sei es nur zweier angeschlagener Tasten, genauso lustvoll auskostet wie er in der Moderne einfach einen endlos entspannten langsamen Atem ausspielen kann. Ein Meister eben. Die 25-jährige Geigerin aber genauso. Nur lebt sie sich eben gerade erst ein in die so ganz andere Beziehung zur Zeit, aus der die extrem konzentrierten Strukturen Weberns entworfen sind. Aber sie spielt diese für viele Kolleginnen und Kollegen zu ferne Musik mit vollem Einsatz: Geistig, körperlich, muskalisch. Sinnlich, mit Herz und damit mit Momenten, die allein schon als Begegnung musikalisch beeindrucken und persönlich berühren. Das ist schliesslich ihre Art: Musikalität ausleben im Zusammentreffen mit Partituren, die sie inspirieren an diesem Abend der Fränkischen Musiktage. Beethoven, Brahms, de Falla, Ravel und eben Webern und Cage. Beethoven, was heisst das? Es heisst Spielen ohne Rücksicht auf Verluste.
Werner Bärtschi hämmert Akzente, die keinem Notenblatt und keiner Konvention dienen, sondern ausschliesslich der musikalischen Situation, dem musikalischen Augenblick. Patricia Kopatchinskaja spielt völlig gelöst von technischen Schwierigkeiten, die es für sie ohnehin nicht zu geben scheint und mischt die G Dur-Sonate op. 30/3 Nr. 8 mit ihrem musikalischen Feuergeist zu einer wahrhaft explosiven Mischung. Der Funke zündet. Sofort. Ein grenzenlos begeistertes Publikum. Drei Zugaben, eine exzentrischer als die andere, geschlossen mit einem Ragtime aus der Feder von Gija Kantcheli. Ein Abend, den man enthusiastisch verlässt. Anders ginge es auch nicht.
Zwischen Erfühlen und Erfüllen - Das Duo Kopatchinskaja/Bärtschi in Wettingen
Elisabeth Feller in der Aargauer Zeitung vom 1.11.2003: Sie greift nach den Sternen, denn Patricia Kopatchinskaja will nur eines: jede Komposition aus dem Moment erfühlen und erfüllen. Spürt man ihrem künstlerischen Credo nach, wird offenkundig: Die junge Geigerin begibt sich bei jedem Konzert auf Glatteis; wagt das Äusserste bis zur Entäusserung und verweist damit auf Horizonte, welche für die einen erfrischend, für die anderen provozierend wirken. Eines aber sind ihre Konzerte - egal, ob mit Orchestern oder Kammermusikpartnern - nie: langweilig.
Gelingen und Absturz liegen bei solcher Rückhaltlosigkeit naturgemäss dicht beieinander. Was Wunder, dass Kopatchinskajas fraglos enormes Talent stets von jenem Quäntchen bedroht ist, das den Namen Gefährdung trägt; dass heute bereits festgegossenes «Markenzeichen» ist, was (noch) entwickelbare Unverwechselbarkeit sein müsste. Das Wettinger Konzert machte jedenfalls neugierig auf den weiteren Weg dieser jungen Geigerin, der in Werner Bärtschi ein ebenso gelassener wie anspornend-souveräner, erfahrener Partner am Klavier zur Seite stand: auch er ein Musiker, der Tradiertes kritisch beleuchtet.
Weitgespannte Interessen verbinden die beiden Partner eh, weshalb das Programm sehr durchdacht ausfiel: Beethoven (Sonate G-Dur op. 30/3), Brahms (Sonate d-moll op. 108), Webern (Vier Stücke op. 7), Cage (Nocturne), de Falla (Suite populaire espagnole) und Ravel (Tzigane). Hinzu gesellten sich am Ende vier Zugaben: Reverenzen an Ravel und Satie sowie an jene (anonyme) Musik, die Kopatchinskaja mit ihrer Heimat Moldawien verbindet.
Lässt sich ein forderndes Programm wie dieses unter einen Hut bringen? Nein. Das ist gut so, denn gerade aus der bewussten Verneinung einer verbindlichen Klammer liess sich jene Eigenwilligkeit filtern, die zeigte, was Kopatschinskaja als «musikalische Momentaufnahme» versteht: Das ins Exzessive getriebene Aufladen von Beethovens Bewegungsimpulsen; das abrupte tonliche Schattieren im Wechsel von wohllautend und aufgeraut, wie es der Brahms-Sonate zu frappierender Wirkung verhalf; die uneitle, kontemplative Zuwendung, wie sie de Falla erfuhr; aber auch das übersteigert Pastose bei Ravel, das dort ausschmückte, wo Zurücknahme als Gewinn zu Buche geschlagen hätte. Fesselnd war all dies in seiner eigenwilligen, auch agogisch ausreizenden Art. Doch war es auch berührend? Nicht immer, denn wie angetönt: Im Augenblickhaften lauert stets das Gespenst des Formverlustes. Wie ihm begegnen? Mit jener äussersten Verknappung, für die ein Name steht: Anton Webern. Tatsächlich schrumpft seine Formbildung zu jener aphoristischen Kürze, die keinerlei Druck erträgt - weder klanglich noch rhythmisch. O Wunder! Ausgerechnet dies Korsett zuchtvoller Anordnung griff: Phänomenal, wie Patricia Kopatchinskaja gleichsam aus dem Nichts Töne entstehen und verdämmern liess. Ergreifend, die klanggewordene Gestalt schierer Konzentration. Hierin erwuchs dem Abend eines zu: Grösse.
Publikum verzaubert
Helmut Peters in "Die Welt" vom 28.10.2003: Ein klingendes Geburtstagsgeschenk für Hamburgs Partnerstadt an der Newa haben nun auch die Hamburger Symphoniker überreicht. Und sie hatten doppelten Grund dazu, denn in St. Petersburg, das in diesem Jahr sein 300-jähriges Bestehen feiert, wurde auch Andrey Boreyko geboren, designierter Chefdirigent der Symphoniker ab 2004/2005 und Leiter des Jubiläumskonzerts am Sonntagabend in der Musikhalle.
Das Programm konzentrierte sich fast ausschließlich auf das 20. Jahrhundert ... (u.a.) Alexander Glasunows Violinkonzert, mit dem die erst 26-jährige Patricia Kopatchinskaja das Publikum verzauberte. Nicht ohne Süßlichkeit entspinnt sich eine vergrübelte Rhapsodie, die sich erst im Finale so recht von ihrer Tristesse befreit. Dass Andrey Boreyko im kommenden Jahr herzlich willkommen sein wird, zeigten die Hamburger mit Standing Ovations und lautstarken Bravos.
Beseelte Darstellung
Stä im Hamburger Abendblatt vom 28.10.2003: ...Boreyko präsentierte sich jedoch nicht nur als erfreulich eigenwilliger Programmgestalter - gern mehr davon! -, sondern konnte auch seine interpretatorischen Qualitäten nachhaltig unter Beweis stellen: Mit leichter Hand führte er die gut aufgelegten Hamburger Symphoniker durch die parodistisch schrillen Farbspiele in Prokofjews Suite "Leutnant Kishé", begleitete die junge moldawische Geigerin Patricia Kopatchinskaja bei ihrer beseelten Darstellung des Glasunow-Violinkonzerts höchst sensibel und animierte das Orchester in Glières üppig instrumentiertem "Hymnus an die Große Stadt" noch einmal zur großen, pathetischen Geste. So fanden die Hamburger Feierlichkeiten zum runden Jubiläum ihrer Partnerstadt St. Petersburg einen würdigen musikalischen Abschluss, der vom Publikum ausgiebig bejubelt wurde.
Rodolfo Halffters Violinkonzert in Madrid
Lázaro Azar, REFORMA, Madrid, 3.10.03: Das dritte Konzert in dieser Tournée (des Orquesta del Estado de Mexico unter Enrique Batiz) war in Madrid und begann mit zwei Werken von Carlos Chávez: Seiner Orchesterbearbeitung von Buxtehudes Chaconne und seiner Indianische Symphonie. Dann folgte das Konzert für Violine und Orchester des "mexicanisierten" Spanischen Komponisten Rodolfo Halffter, mit Patricia Kopatchinskaja, Gewinnerin des vierten "Internationalen Henryk Szeryng Volinwettbewerbes".
Ich habe mich immer noch nicht von der Erschütterung erholt, die das Anhören dieser jungen Virtuosin in mir bewirkt hat. Im Vergleich zum Konzert von Samstag, als sie das Werk in Oviedo spielte hatte sie sich diesmal diesen schwierigen Part völlig zu Eigen gemacht - mit einer derartigen Tiefe und derartigem Verständnis, dass ich in gewissen Momenten dachte, dass ihr Spiel sogar die Referenzaufnahme übertreffe, die Szeryng von demselben Werk gemacht hatte, auch mit Batiz als Dirigenten. In diesem Sinne hatte das Orquesta del Estado de Mexico das Royal London Philharmonic nicht zu beneiden, das damals auf der Aufnahme spielte (Übersetzt aus dem Spanischen).
Ping-Pong der Klänge verzauberte das Publikum
Sigrid Preuss in Badische Neueste Nachrichten vom 11.September 2003: Die Bühne der Jahnhalle wurde an diesem Abend zum Podium für zwei junge, ganz aussergewöhnliche Interpreten - einer 26-jährigen aus Moldavien stammenden Geigerin und eines 29-jährigen finnischen Pianisten.
Ist es vorstellbar, dass ein Publikum sowohl fasziniert, als auch höchst amüsiert ist und seiner Bewunderung nicht nur durch Applaus, sondern auch durch herzhaftes Lachen deutlich macht und das im Rahmen eines klassischen Konzerts? Ja, so etwas gibt es. Es durfte, es musste gelacht werden. Diese zweifach zum Ausdruck gebrachte Begeisterung, das Brot jedes Künstlers, nährte die ungemeine Spielfreude der vielfach preisgekrönten Violinistin und des mehrfachen Preisträgers Henri Sigfridsson, die das Kammerkonzert zu einem unvergesslichen Erlebnis werden liessen.
Die dreisätzige dritte Sonate des Rumänen Enescu besticht weniger durch ein melodiös einschmeichelndes Klangmuster, umso mehr aber durch die wendige, homogene und versierte Spielweise der Interpreten. Alle technischen Finessen, selbst die schwierigsten Passagen versteht Patricia Kopatchinskaja mit jener selbstverständlichen Souveränität zu intonieren, die nur eines verdeutlicht, nämlich ihr überwältigendes Talent. Betont besonnene, ja triste und kantige Töne wechseln mit geisterhaften, sich selbst verzehrenden Klängen, denen im dritten Satz freudig temperamentvolle tänzerische Elemente, welche rumänische Folklore erkennbar werden lassen, folgen.
Einfach überzeugend und virtuos auch die pianistische Leistung von Henri Sigfridsson, der die Violinklänge auffängt, sie voller Intensität ein Stück lang begleitet, um sie wieder loszulassen und erneut mit ihnen zu spielen.
Als wahres Kabinettsstücken praesentierte das Duo die "Variations I" von John Cage. Dem eigenwilligen Humor des Komponisten, der eine Partitur mit Gebrauchsanweisung, aber ohne Noten schrieb bot Patricia Kopatchinskaja mit sehr viel Schalk im Nacken Paroli. Es war ein Vergnügen, dem "Tanz der Viruosen", dem amüsanten musikalischen Schabernack, dei dem die spassige kleine Person auch liegend auf dem Boden verweilte, einen Luftballon aufblies, um ihn kurz darauf platzen zu lassen, zuzusehen und zuzuhören.
Beethovens Sonate Nr. 3 g-moll stand ganz im Zeichen des gefühlvollen Einklangs und wurde von den Instrumentalisten wieder mit dem gebotenen Ernst, voller Hingabe und sensibler Leidenschaft zu Gehör gebracht.
Feuer, Perfektion und Genius erfordert die Komposition "Tzigane" von Ravel. Einfach atemberaubend mit welch diabolischem Feuer Patricia Kopatchinskaja diese voller Tücken steckende Partitur umsetzt. Losgelöst vom Notenblatt, die Musik tief empfindend, praesentierte sie voller rasanter Burschikosität und vitaler Leichtigkeit diese Konzertrhapsodie, liess sie zu rauschenden Klangkaskaden werden, welche sie mit flinken Griffen und temperamentvollen Pizzicati verzierte. Sie kokettiert mit den Tönen, spielt Pingpong mit den Klängen und verzaubert ganz nebenbei das Publikum.
Klang-Clownerie in der Manege - Patricia Kopatchinskaja und Henri Sigfridsson begeistern in der Jahnhalle
kst in Badisches Tagblatt vom 10.September 2003: ...Als Ouvertüre erklang die Sonate für Violine und Klavier Nr. 3 von Georges Enescu... Wie von Geisterhand geführt musizierte das Duo die drei Sätze der Sonate, die Musik schien genau in dem Moment zu entstehen: dass beide Akteure, obschon jede Stimme mit grosser Virtuosität geführt wurde, immer wieder zusammenfanden, mutete wie Seelenwanderung und Zauberei an. Die Zuhörer erlebten sicher keinen berauschenden Hörgenuss, aber gebannt lauschten sie dem faszinierenden musikalischen Geschehen.
Eine Steigerung des Aussergewöhnlichen schien kaum noch möglich. Doch nun konnte es heissen "Manege frei" mit den "Variations I" von John Cage für beliebige Instumente. Cage pflegte die Abkehr von jeglicher Tradition. Die junge Geigenvirtuosin zeigte dem Publikum, "damit Sie wissen, was wir da treiben", das Notenbild der Komposition, das keines war, sondern nur aus einer Gebrauchsanweisung, sowie Schablonen mit Diagonalen und Punkten bestand, die von den Ausführenden erst einmal übersetzt werden mussten. Das Duo hatte sich daraus eine Geräuschsymphonie gebastelt, bei der jedes Mittel zum Klang, Krach, Wispern und Murmeln recht war.... Es war eine putzige Klang-Clownerie, die die Lachmuskeln der Zuhörer und -schauer tüchtig anregte. Oder war es vielleicht doch grosse Kammermusik, die man nur erst zu verstehen lernen musste?
Im zweiten Teil des Abends wurde es ernst. Bei der Beethoven-Sonate op30/3 G-Dur kam der Pianist Henri Sigfridsson so richtig zum Zuge: Voller Virtuosität, die Beethoven vom Pianisten hier auch fordert interpretierte er die Sätze und schien dabei streckenweie seine Partnerin am Klavier völlig zu vergessen. Patricia Kopatchinmskaja ist eine technisch und musikalisch hervorragende Geigerin, die es schaffte, eine fast deckungsgleiche Auffassung dieser grossen Sonate zu praesentieren.
Mit der Konzertrhapsodie "Tzigane" von Ravel demonstrierte die junge Geigerin noch einmal ihr virtuoses Spielvermögen, gepaart mit einer emotionalen, vitalen, vorgelebten Musikalität, die das Jahnhallepublikum zu begeisterten Beifallskundgebungen hinriss und ihm noch zwei virtuose Zugaben bescherte.
Abschlusskonzert von Murten Classics mit "offen für Neues"
Marianne Mühlemann im BUND, Bern, 2.9.03: Das Abschlusskonzert von Murten Classics brachte ein prickelnd kontrastreiches Programm mit neuer Musik. Unberechenbar schillernd war es bestückt mit Komponisten von A wie Michel van der Aa (geb. 1970) bis Z wie Otto Zykan (geb. 1935). Dazu wurde eine Improvisation für die Besetzung Violine, Cymbalom, Klavier und Oud (arabische Laute) in Aussicht gestellt und die Uraufführung eines Werks des libanesischen Oud-Spielers Mahmoud Turkmani für Oud und Geige. Was die einen abschreckte war für die anderen der Grund, sich nach Murten zu begeben. Und sie taten gut daran.
Eine der grossen Hoffnungsträgerinnen unter den Nachwuchsgeigerinnen, die 26-jährige Moldawierin Patricia Kiopatchinskaja stieg als erste in den Ring zeitgenössischer Musikperformance und spielte "Das mit der Stimme" (2002) von Otto Zykan mit vollem Klang- und Körpereinsatz. Lustvoll riss sie die Läufe hoch, zerhackte sie wie Lauchstangen oder liess sie in erbarmungslosen Trillerschnüren ventilieren. Dann schnatterte sie, zettelte mit sich selber ein Lautgespräch an, flüsterte leise la-la-la und strich dazu zärtlich ihre Geige und drehte eine Pirouette, als wollte sie wie der Hund dem Schwanz, ihrem eigenen verglühenden Finalton nachjagen... Mit eruptiver Expression lotete Vater Viktor Kopatchinsky auf dem Cymbalom Kurtags "Splitter" aus - herber Volkston zwischen trockenem Staccato und echoreichem Hall, der zum Schluss in konzentrierte Stille verlöscht. Brandneu Boris Yoffes "Essay", seine atonale Zerbrechlichkeit streifte die Dur-Tonalität... Und zum Schluss wurde im Brückenschlag zwischen Klang- und Kulturen Mahmud Turkmanis subtile Klangvision von Dialog und Begegnung Realität.
Musik wider den klassischen Ernst
Maria Künzli in der Berner Zeitung vom 2.9.03: Das letzte Konzert der Murten Classics, «Offen für Neues», zeigte, dass Ernste Musik nicht immer ernst sein muss. «Eins, zwei, drei, vier, tap, tap, tap, fünf, sechs, sieben, acht, tap, tap, tap. . . . » Zwölf Schläge, die Uhr tickt. Der Pianist Ivan Sokolov dreht eine Runde um den schwarzen Konzertflügel, jeder Schritt ein Schlag. Punkt genau auf den zwölften Schlag sitzt er wieder vor den schwarz-weissen Tasten. Ivan Sokolov berührt sie kaum. In seinen «13 Stücken für Klavier» geht der Russe über den herkömmlichen Gebrauch eines Klaviers hinaus, es wird zur naiv-ironischen Spielwiese. «Die Freude über die Entdeckung, dass ein Pianist nicht nur die Tasten drücken darf, sieht und hört man in diesem Werk», schrieb Ivan Sokolov über sein 1988 entstandenes Experiment, das er beim letzten Konzert der Murten Classics aufführte. Die kleinen Stücke, die zum Teil nur einige Sekunden dauern, heissen «Uhr», «Flugzeug», «Akrobat» oder «Meer». Sokolov benutzt Rasseln, einen Hammer, haut mit aller Kraft auf die Tasten, schreit oder flüstert. Und alles mit einer gehörigen Portion Humor. Keine Spur vom Ernst der sogenannt «Ernsten» Musik, aber Erstaunen darüber, was man alles mit Geräuschen und Rhythmen ausdrücken kann.
Das Klavier ein Stauraum: In Erstaunen versetzte auch das Werk von Mahmoud Turkmani. Der Komponist, Gitarrist und Oud-Spieler mag das Klavier eigentlich nicht. Und doch hat er ein Werk für Oud, Violine und Klavier geschrieben. «Ich habe das Klavier aber so präpariert, dass möglichst kein Ton nach Klavier klingt», schmunzelt er. Das Rezept: Man lege einen ganzen Haushalt mit Tüchern und Büchern in den Flügel hinein und haue auf die Tasten. Das Ergebnis: Die Saiten schwingen nicht, der Ton wirkt dumpf und abgehackt. Doch gerade dieser fremde Klang macht den Reiz dieses Werks aus. Während Mahmoud Turkmani auf dem Oud mit der temperamentvollen Violinistin Patricia Kopatchinskaja in einem ständigen Dialog stand, wirkte das Klavier im Hintergrund wie ein perkussiver Begleiter. So entwickelte das Werk seinen ganz eigenen Charme: Ein perkussives Klavier, ein bisschen arabisches Flair, ein Hauch von Zigeunermusik und moderner Klassik.
Das Konzert ein Wagnis: Viktor Kopatchinsky, der Vater der Geigerin Patricia Kopatchinskaja, ist ein Meister des Cymbalons. Bei der Improvisation für Oud, Violine, Klavier und Cymbalon unterbricht er den fliessenden Strom der Instrumente mit einem lauten Intermezzo, und gewinnt für kurze Zeit alle Aufmerksamkeit für sich.
Wie der Titel des Konzerts verrät, musste man schon «offen für Neues» sein, um dieses Konzert zu besuchen. Die ganz wenigen, die enttäuscht waren, sahen immerhin, wie man die lästigen Bücher und Tücher, die in keinen Schrank mehr passen, verstauen kann.
Breite Vielfalt
Walter Labhart in der Südostschweiz vom 2.8.2003: Was alles unter dem Motto "Improvisation" des Davoser Musikfestivals zu verstehen ist, brachte das erste Preisträgerkonzert vom Mittwoch mit einer erstaunlichen Vielfalt sehr effektvoll zum Ausdruck. Gegenüber längst etablierten Kompositionen von Georges Enescu, Sergej Prokofjev und Maurice Ravel hatten zwei sehr experimentierfreudige Stücke von John Cage und Barry Guy einen schwierigen Stand...
Patricia Kopatchinskaja ist eine jugendliche Meisterin in der schonungslosen Verausgabung ihrer Kräfte und Emotionen. So paradox es klingen mag, in ihrer Darstellung der Rhapsodie "Tzigane" von Ravel gab sie alles und noch einiges mehr. Zur blendenden Virtuosin kommt eine Komödiantin hinzu, der die Kommunikation mit dem schnell verführten Publikum möglicherweise fast soviel wie die Musik selber bedeutet. Mit ihren rasanten Tempi konnte Henri Sigfridsson am Klavier nicht minder überzeugend mithalten, als in der ebenfalls horrend heiklen dritten Sonate von Enescu. Geigerin und Pianist trugen die drei aus dem Geist der rumänischen Volksmusik heraus geschriebenen Sätze stilistisch dermassen einheitlich vor, als handle es sich um ein lange gepflegtes Repertoirestück...
Erste Bravos am Davos Festival
Marianne Frey-Fankhauser in der Davoser Zeitung vom 28.7.2003: Das erste Festivalkonzert war ein Erfolg, die young artists und das Publikum liefen zu Hochform auf... Der zweite Teil gehörte einzig und allein Franz Schuberts berühmtem Oktett op. 116, ein Ohren- und Augenschmaus erster Güte. Die moldawische Geigerin, Jungstar Patricia Kopatchinskaja animierte ihre sieben Mitspieler mit viel Spielfreude und einem geradzu explosiven Temperament zu einer kammermusikalischen Höchstleistung. Bezaubernd ihre musikalischen Flirts mit dem geschmeidig aufspielenden Klarinettisten Reto Bieri, beeindruckend der Ernst, die Konzentration und die Hingabe aller Interpreten bei der Gestaltung dieses beinahe symphonischen Oktetts mit dem aufwühlenden Ende, ein Konzertschluss nach Mass zum Festivalstart.
Ergreifende Darstellung
Martin Gasser in der Kronen-Zeitung vom 17.7.2003 berichtet von der Styriarte: ... Im abschließenden Violinkonzert von Berg absolvierte Patricia Kopatchinskaja ihren Solopart hervorragend. Die 26-jährige Moldawierin bot eine mit feinem Ton ausdifferenzierte, ergreifende Darstellung dieses Jahrhundertwerks.
Glänzende, temperamentvolle Geigerin schlüpft aus den Schuhen
Kaspar Jansen in NRC-Handelsblad, Amsterdam vom 12.7.2003: Niederländisches Radio-Kammerorchester unter Roy Goodman im Concertgebouw Amsterdam am 11.7.2003 ...Dazwischen machte die Moldavische Geigerin Patricia Kopatchinskaja Furore mit einer bemerkenswert lebendigen und musikantischen Aufführung von Mozarts Violinkonzert KV 219. Die temperamentvolle 26-jährige Geigerin, die sich fröhlich und manchmal auch wild bewegt, schlüpfte während der Aufführung unter ihrem langen Kleid aus den Schuhen. Mit totalem Einsatz gelangte sie zu einer virtuosen und sehr kontrastreichen Interpretation: Wechsel zwischen stürmischer Dramatik und verhaltener Lyrik, zwischen pianissimo Vogelgezwitscher und einem überschäumenden "alla Turca" - zigeunerhaft getanzt, barfuss! (Übersetzt aus dem Holländischen)
Atemberaubend: Patricia Kopatchinskajas "styriarte"-Debüt
Von Clemens Anton Klug, Kleine Zeitung Graz, 10.7.2003: Zwei junge Künstler, die als herausragende Talente am Beginn einer großen Karriere stehen, stellte die "styriarte" am Mittwoch im Minoritensaal ihrem Publikum vor: die Violinistin Patricia Kopatchinskaja (26) und den Kärntner Pianisten Christopher Hinterhuber (30). Das Programm entsprach beider Eigenschaften: Beethovens "Kreutzersonate", Virtuoses und Rares von George Enescu und Maurice Ravel. Frau Kopatchinskaja besitzt die Schönheit einer Porzellanpuppe; doch alles scheinbar Zerbrechliche lässt sie im Musizieren beiseite. Ungestüm und sprunghaft hat sie sich auf die Ebene der großen Virtuosen unserer Zeit begeben. Ähnliches darf über Christopher Hinterhuber gesagt werden: Sein Spiel ist bar jeder Effekthascherei, inspiriert von fabelhafter Technik und künstlerischer Weisheit. Als Solist ist er ein der Welt Entrückter, als Kammermusikpartner rücksichtsvoller Zuhörer. Jubel und der Wunsch nach baldigem Wiederhören waren Folgen des atemberaubenden Abends.
West Cork Chamber Music Festival
Michael Dervan, Irish Times vom 8.7.2003: Enescus dritte Violinsonate aus dem Jahr 1926 ist eines der ausdrucksstärksten Werke im Repertoire für Violine und Klavier. Überschrieben hat sie Enescu mit "dans le caractère populaire roumain". Und mit genau diesem rumänischen Charakter hat der Komponist dieses Werk erfüllt, ohne die rumänische Folklore direkt zu zitieren. Obschon die Noten und besonders die Violinstimme mit ungewöhnlich detaillierten Spielanweisungen übersaet sind, entwickelt sich das Stück aus dem Geist der Improvisation. Enescus Schüler Yehudi Menuhin meinte "Ich kenne kein anderes Werk, das so aufwendig geplant und bezeichnet wurde; man kann sagen, dass es genügt, dem Notentext zu folgen, um das Werk zu spielen." Aber es hilft natürlich, wenn man Musiker hat, welche diese Sprache so gut verstehen, wie Patricia Kopatchinskaja und Hugh Tinney, die diese Sonate am Donnerstag im West Cork Chamber Music Festival spielten.
Kopatchinskaja ist eine so fantasievolle Geigerin als man sich nur vorstellen kann. Sie bringt ihr Instrument zum Singen, Weinen, Tanzen, Schmeicheln und Kokettieren. Sie hat eine erstaunliche Meisterschaft in der Nuancierung, und braucht keine dynamischen Gangwechsel um die volle Palette der Emotionen auszudrücken. Sie spielt die Violine nicht wirklich als ein Instrument, sondern als eine Erweiterung ihrer selbst. Und da sie aus Moldavien kommt, hat sie eine genaue Kenntnis der Folklore, die Enescu hier so detaillert neu entstehen liess. Tinney als ein geduldiger und genauer Partner wob einen klaren Hintergrund für Kopatchinskajas Höhenflüge, zart, hart oder keck, genau nach der Vorstellung des Komponisten. Das Duo spielte auch die frühe Violinsonate von Karol Szymanowski, des führenden Polnischen Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts. Hier aber erschien Kopatchinskajas Auftrumpfen als Versuch, das Stück über sein Niveau hinauszuheben. Tatsächlich ist diese Sonate nicht eines der besten Stücke dieses Komponisten und die Darbietung liess es nicht stärker, sondern eher noch schwächer erscheinen (übersetzt aus dem Englischen).
Virtuoses Spiel beim Pfingstkonzert: Die junge russische Violinistin Patricia Kopatchinskaja begeisterte
Von Ernst Scherzer, Kleine Zeitung Graz, 11.6.2003: Das Pfingstkonzert in der Musikschule Deutschlandsberg bot ein Programm, das für zwei Abende gereicht hätte. Nicht nur dem gewaltigen Ausmaß nach, auch die Stücke selbst waren von einer Art, wie sie kaum jemals zusammen erklingen. Und doch: Béla Bartók, György Kurtág, Maurice Ravel und Zoltán Kodály gehören zu den Komponisten, deren Ursprünge auch in der Volksmusik wurzeln. Patricia und Emilia Kopatchinskaja (Violine), Herwig Tachezi (Violoncello) und Viktor Kopatchinsky (Cymbalon) gelang es, mit "Kunstmusik" und Folklore zu begeistern. Dabei bestach die junge russische Geigerin Patricia Kopatchinskaja auf zweifache Weise: durch ihr ebenso virtuoses wie technisch makelloses Spiel, aber auch durch ihren körperlichen Einsatz.
Der violinistische Superlativ
Michael Kunkel in der Basler Zeitung vom 27.5.2003: Das Programm des IGNM-Konzertes mit der moldavischen Geigerin Patricia Kopatchinskaja und dem japanischen Pianisten Hiroaki Ooi stand ganz im Zeichen eines transkulturellen Seiltanzes zwischen Asien und der Tradition abendländischen Komponierens... Die beiden Ausnahmemusiker präsentierten einerseits Folkloristisches wie "Zambu Tiviin Nar" ein von Yuji Takahashi für Geige und Klavier bearbeitetes mongolisches Volkslied, das als charmante Konzerteröffnung gefiel. Takahashis eigene Komposition "Insomnia" dagegen zeigte sich seines Widmungsträgers (Gidon Kremer) auf zweifelhafte Art würdig, indem pentatonisches Geharfe (vielsaitig: Ooi), Mandelstam Rezitation und Geigenglissandi zu klingendem Klebreis verschmiert wurden. Es ist die unanständige Dauer solchen esoterischen Gebarens, die manchen Schlaflosigkeitspatienten auf Linderung hoffen lassen darf...
Aber das ist vollkommen egal: Denn Patricia Kopatchinskaja kann einfach alles. In ihr verbindet sich absolute technische Perfektion mit Temperament, Eleganz und dem Anspruch musikalischer Verführung. Das klingt unwahrscheinlich. Doch es ist wahr. Sie ist der violinistische Superlativ, die Geigerin schlechthin. Alle Anwesenden sind ihr erlegen und werden noch lange von ihr träumen. Besonders von ihrem phänomenalen Solo-Auftritt mit Jorge Sanchez-Chiongs "Crin", den sie am Schluss mit Gesang wie aus Katzenkehlen versüsste. Die musikalischen Albernheiten von Sofia Gubajdulinas Komposition "Seiltanz" taugten immerhin dazu, Kopatchinskaja als überzeugende, nämlich auf einem imaginären Seil schreitende und Pirouetten drehende Mimin erleben zu dürfen. Dass die Wiedergabe von Iannis Xenakis' "Dikthas", des Finalduos, gänzlich ausser Konkurrenz stand, versteht sich von selbst. Ein besonderes Verdienst kommt Patricia Kopatchinskaja zu, weil sie sich nicht bloss als Überschallvirtuosin gefällt, sondern junge Komponisten nicht nur ideell anregt, sondern zusammen mit dem stoischen Ooi mit Kompositionsaufträgen bedenkt. Zwei neue Werke erklangen als Uraufführungen, die dem Können des vorzüglichen Duos sehr gerecht wurden: Kumiko Omuras "Germination" und Takuya Imahoris "Synchronisation".
Konzerthighlight in Grenchen
S.R. in der Solothurner Woche vom 8.5 2003: Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja kam, spielte und siegte.Das Publikum feierte im Parktheater Grenchen die Solistin und das Stadtorchester mit einer stehenden Ovation. Das von der Yehudi-Menuhin-Stiftung Grenchen veranstaltete Konzert war ein gesellschaftliches und musikalisches Ereignis. Gerard Menuhin schwärmte spontan: "Wunderbar, mein Vater hätte sich gefreut".
Ein Phänomen namens Kopatchinskaja
Silvia Rietz in der Solothurner Zeitung vom 28.4.2003: Ein Stern ging auf in Grenchen: Geigerin Patricia Kopatchinskaja lockte das Grenchner Stadtorchester und das Publikum mit auf die Achterbahn der musikalischen Extreme - beflügelte und begeisterte restlos und die Musikerinnen und Musiker des Stadtorchesters Grenchen spielten noch selten so locker auf.
Eine Frau kommt auf die Bühne. Schüchtern und herzlich, mit jungmädchenhafter Anmut. Klemmt die Pressenda-Geige unters Kinn, nickt dem Dirigenten Rudolf Emanuel Baumann zu. Ein Bogenstrich - und der erste Ton verändert alles: Die Spannung im Saal vibriert, das Stadtorchester Grenchen wächst über sich hinaus, die zierliche Solistin mutiert zum entfesselten Energiebündel.
So hat man Mozarts Frühwerk, das Konzert für Violine und Orchester A-Dur KV 219, noch nie gehört: Da wechseln verinnerlichte Passagen mit expressiven Aufschwüngen, fast zur Stille gedehnte Pianissimo mit vulkanartigen Ausbrüchen. Patricia Kopatchinskaja nimmt das Orchester und die Zuhörenden mit auf die Achterbahn der musikalischen Extreme, radikal im Leisen wie im Lauten, radikal im Langsamen wie im Schnellen.
Ein gefährlicher Trapezakt gegen die Konvention, an dem auch Meisterakrobaten scheitern könnten. Nicht so das Phänomen Kopatchinskaja: Mit genialer Technik, untrüglichem Instinkt und temperamentvollem Strich lotet sie aus, was zwischen und hinter den Noten steht und in der Partitur nicht immer zu finden ist. Die Geigerin verschmäht süsse Mozartkugeln, destilliert einen progressiven Mozart voller Witz, Sensibilität und Poesie. Nichts wirkt definitiv, die Musik wird aus dem Augenblick geboren. Das A-Dur-Violinkonzert ist ein Standardwerk, Repertoire-Stück grosser Geiger und kleiner Violin-Studenten, viel geliebt und oft gehört. Konserviert-Populäres in einer unorthodoxen, von Spielfreude und Temperament nur so strotzenden Lesart darzubieten, ist ein Geschenk. Eine Sternstunde, der die Besucherinnen und Besucher im Parktheater spontan mit einer stehenden Ovation und frenetischen Bravos huldigen.
Festlich-vergnügt und in den langsamen Sätzen traurig-erhaben, gehört Bachs Violinkonzert in E-Dur BWV 1042 in jede musikalische Hausapotheke. Widmet sich eine Künstlerpersönlichkeit wie Patricia Kopatchinskaja der Rezeptur, entsteht Heilbringendes mit dunkel getöntem Klang. Anfangs noch ein bisschen verhalten, blüht sie auf, besticht mit eindringlicher Natürlichkeit. Patricia Kopatchinskaja ist der Moderne und den Werken des 19. Jahrhunderts zugewandt. Spielt sie Bach, so glaubt sie an diese Barock-Musik, nimmt sie ernst und besitzt die Gabe, dies auch hörbar zu machen.
Dirigent und Orchester kredenzen mit Patricia Kopatchinskaja Bach als Hors d'Oeuvre und Mozart als Hauptgang, das Dessert serviert die Solistin alleine: «Das mit der Stimme», Bravourstück des Wiener Avantgarde-Komponisten Otto M. Zykan. Höchste Virtuosität, atemberaubende Technik und Musikalität, Klangkaskaden, stampfen, singen und beim letzten Ton eine Pirouette - Patricia Kopatchinskaja dankt mit leisem Lächeln für den Beifallssturm, applaudiert dem Orchester, strahlt und entschwindet durch die Seitentüre.
Das Berner Symphonieorchester spielte für Irak Opfer
mks im BUND, Bern vom 25.4.2003: Der Dirigent Kaspar Zehnder, die Solisten Patricia Kopatchinskaja, Alexandru Gavrilovici (Violinen), Mahmoud Turkmani (Oud) und der Schauspieler Matthias Brambeer traten gratis auf, und die Anwesenheit eines IKRK-Delegierten, der Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz und der Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, die für das Konzert das Matronat übernommen hatte, verliehen dem Abend zusätzlich Gewicht. ...Von innerem Feuer und leidenschaftlich beseelter Beredsamkeit erfüllt, bewegten die geigerischen Dialoge bei Bachs-Doppelkonzert, herausragend das Duo Kopatchinskaja/Gavrilovici...
Neues Musikterrain
AR in Vorarlberger Nachrichten, Bludenz vom 24.4.2003: Auf Klangexpedition begab sich Mittwoch vergangener Woche Patricia Kopatchinskaja gemeinsam mit Rico Gulda in der Bludenzer Remise. Die beiden Künstler peilten mit Geige und Klavier relativ unerforschtem Musikterrain entgegen. Zeitgenössische Musik besitzt eine moderne Klangsprache, die insbesondere viel Einfühlungsvermögen verlangt. Die moldawische Geigerin Patricia Kopatchinskaja stellte sich dieser Prüfung und bestand souverän.
Gedanken an den Tod überschattete das erste dargebotene Werk des belgischen Komponisten Patrick de Clerck. Kopfüber stürzte sich Patricia Kopatchinskaja in das tiefe Meer der Vergänglichkeit und tauchte siegessicher wieder auf. Dazwischen kämpfte sie mit einzigartigem Fingerspitzengefühl gegen die Wogen der Unendlichkeit, tänzelte sanft fast lieblich über die Oberfläche und landete mit aller Entschiedenheit auf dem sicheren Boden des grenzenlosen Ufers. An Ungewöhnlichem fehlte es an diesem Konzertabend wohl kaum. Schreien, winseln oder schallend lachen - all das vermochte die Geige, in den begnadeten Händen von Patricia Kopatchinskaja. Die Tragweite der Musik, auf die sie sich einliess, bestimmte die Geigerin selbst. Noch vor der Pause gesellte sich der Pianist Rico Gulda in das farbenprächtige Spiel, der mit den ausgefallensten Techniken der Klavierbehandlung experimentierte.
Une perle rare
Remy Rozes dans "Rue des Consuls - Revue diplomatique et internationale", Marseille, Avril 2003:...N'oublions pas non plus le concert en hommage à Prokofiev. Si les Marseillais connaissent bien Michel Bourdoncle, pianiste de grande sensibilité sur lequel pleuvent les meilleures critiques, en revanche ils ont découvert la très jeune violoniste Patricia Kopatchinskaja virtuose à souhait, une perle rare à l'humour déconcertant. A voir, à entendre, à revoir et à réentendre.
"Rising Star" Patricia Kopatchinskaja
J.H. in Österreichische Musikzeitschrift April 2003: Mit spritziger, zur Rethorik neigender Tongebung machte sich die junge moldawische Geigerin Patricia Kopatchinskaja im Brahms-Saal des Musikvereins Wien Sonaten von Beethoven, Debussy und Enescu zu eigen. Jorge Sánchez-Chiong schrieb ein verspielt-heiteres Virtuosenstück für die Ausnahmegeigerin, das sie gemeinsam mit dem einfühlsam am Klavier agierenden Christopher Hinterhuber zur Uraufführung brachte. Sánchez-Chiong machte mit "Velodrom" sein Versprechen wahr, aus "Crin", einem 1996/97 entstandenen Solostück, eine Fassung für Geige und Klavier herzustellen. So ist "Velodrom" seiner meisterhaften Interpretin auf den Leib geschrieben und scheint unter ihren Händen erst zu entstehen. Virtuos brillierend mit Glissandi und Pizzicato-Passagen reihen sich die kleinen Spielereien aneinander. Das Klavier kann trotz Präparation nicht an die Vielgestaltigkeit des Klangspektrums der Geige heranreichen und bleibt so eher begleitend im Hintergrund, während im letzten Teil auch die Stimme der Geigerin zum Einsatz kommt. Fast wie eine Uraufführung erschien auch Kopatchinskajas Interpretation von Beethovens Violinsonate in c-moll. Von etüdenhafter Einfachheit, über ruppige Extrovertiertheit und bis zu einem aufblitzenden romantischen Ton reicht ihr Klangspektrum, mit dem sie das Stück überzeugend aktualisiert. Diese pointierte Tongebung passt aber schon bei Debussy, aber auch bei Enescu nicht mehr: Mit der überspritzten Rethorik entstehen Buchstabenfetzen, keine Bilder. Trotzdem war es insgesamt ein faszinierender Abend junger, mutiger Interpretationskunst auf hohem Niveau, der auf mehr hoffen lässt.
Mit Herzblut, Vibrato und süffiger Eleganz
Gerd Döring im Mannheimer Morgen vom 29.3.2003 Vielleicht stimmt es ja, was die Komponistin Violeta Dinescu in der Pause anmerkt, vielleicht muss man in Moldawien oder Transsylvanien geboren sein, um diese Musik so zu spielen, wie Patricia Kopatchinskaja es vermag. Wer in den letzten Jahren eine der Kapellen aus Südosteuropa erleben konnte - Muszikas oder Ökrös aus Ungarn etwa oder die Taraf de Haidouks aus Rumänien - der hat eine ungefähre Vorstellung von der Intensität und der Musikalität, mit der die junge Geigerin agiert. Und der weiß auch um die Vielfalt der Melodien, die dem Repertoire des Abends zugrunde liegen. Bartók, Dinescu, Enescu - Werke von drei Komponisten stellen Patricia Kopatchinskaja und ihr Duo-Partner am Klavier, Christopher Hinterhuber, in der Alten Aula der Universität im Rahmen des "Heidelberger Frühlings" vor. Musiken von drei Komponisten, die alle in Rumänien geboren sind, jeder entscheidend beeinflusst von der Folklore des Karpatenraums.
Von Bartók weiss man um seine Passion für die Folklore. Leidenschaftlich sammelte und archivierte er seit 1906 traditionelle Lieder und Tänze - nicht minder emsig widmete sich George Enescu (1881 - 1955) der Volksmusik seiner Heimat. Seiner dritten Violin-Sonate in a-moll, 1926 entstanden, gab er den Untertitel "dans le caractère populaire roumain". Patricia Kopatchinskaja spielt sie mit viel Herzblut, mit viel Vibrato, süffiger Eleganz und geht interpretierend volles Risiko ein.
Sie hat ihr Recital begonnen mit der kraftraubenden Sonate für Violine und Klavier Nr.1 von Bela Bartók und vor einem staunenden Publikum diesen Brocken im spannenden Dialog mit dem Pianisten förmlich seziert. Spielend meistert sie die aberwitzigen Pizzicato-Passagen, wechselt klug die Tempi und steigert, wo nötig, den sonoren Ton ihrer Pressenda-Geige zu betörendem Wohlklang. Hinterhubers Hände tanzen derweil sorgsam und dennoch entschieden über die Tasten des Steinway.
Nach der Pause herrschen Lust und Laune vor, dafür sorgen Bartóks Rumänische Volkstänze und eben jene Violinsonate, in der Enescu die wilden Blumen der bäuerlichen Musik sorgsam in seine impressionistische Musiksprache übersetzte. Übermütig wirft Patricia Kopatchinskaja noch drei Kusshände ins Publikum: einen schnellen Tanz, eine Hora Staccato, ihres Landmannes Grigoras Dinicu, den augenzwinkernden Rag(Gidon)time, den Giya Kancheli für Gidon Kremer geschrieben hat und eine komödiantische Miniatur aus Manuel de Fallas "Suite populaire espagnole". Eine Auswahl, die viel aussagt über die junge Geigerin, über ihr überschäumendes Temperament und ihr Können - und doch viel zu wenig. Denn neben der traditionsbewussten Moldawierin, die sich so burschikos der Folklore widmet, gibt es noch die moderne junge Frau, die sich für die Werke zeitgenössischer Komponisten einsetzt.
Eigens für die Solistin hat Violeta Dinescu ihr "Il faudrait d'abord désespérer" geschrieben. Das Werk zitiert nicht von ungefähr Sören Kierkegaard. Patricia Kopatchinskaja gibt dem Stück nicht nur Tiefe, sondern auch Wärme und versieht das von Dinescu offen konzipierte Werk so mit ihrer eigenen Handschrift. Mit einer
Enescu, so sagt sie im Programmheft, hat "den Raum zwischen den Klängen so geschaffen, dass man ihn sofort als rumänische Musik identifizieren kann". Das gilt auch für das Werk der heute in Deutschland lebenden Komponistin. Ihre wohl wichtigste Lehrerin Myriam Marbé, bei der übrigens auch Adriana Hölszky studierte, hat ihr diese Tradition vermittelt, die sich wie ein roter Faden durch ihre Arbeiten zieht. Offen sind ihre Werke, in sich ruhend, aber auch beharrlich fragend. Momente, die sich auch in den Arbeiten von Bartók finden - der reizvolle Vergleich der beiden Sinnsucher war ein weiteres Erlebnis eines an Höhepunkten wahrlich nicht armen Abends.
Bedingungsloser Spielrausch
Rainer Köhl in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 28.3.2003: Das spielerisch Heitere und das insistierend Entflammte, das sind die beiden Pole, die der Geigenkunst von Patricia Kopatchinskaja die Spannkraft geben. Eben diese Dialektik hat auch die Komponistin Violeta Dinescu zum gestalterischen Prinzip ihrer Komposition "il faudrait d'abord désespérer" gemacht, die sie eigens für die in Moldavien geborene Geigerin schrieb. Bei einem Konzert im Rahmen des Heidelberger Frühlings in der alten Aula spielte Patricia Kopatchinskaja dieses Solowerk mit ebensoviel Bravour wie klanglichem Feinsinn. Eine äusserst phantasiereiche Sprache drang aus diesen Klängen. Starke Dialoge zwischen innigem Naturlaut, gelockerter Rhetorik und furioser Attacke formte die junge Geigerin, die in Wien studierte und bereits mit grossen Orchestern wie den Wiener Philharmonikern konzertierte.
Ein frühes Werk von Violeta Dinescu erklang danach mit ihrer ersten Sonate für Violine und Klavier, 1975 geschrieben. Sehr formbewusst zwischen impressionistischer Durchzeichnung und schweifender Melodik gestaltete Patricia Kopatchinskaja und ihr Klavierpartner Christopher Hinterhuber die Darbietung. Die grosse Klasse des Duos wurde zuvor schon evident, während Bartoks erster Sonate für Violine und Klavier. Das war ein Spiel aus Feuer und Leidenschaft, so bedingungslos erfüllt, wie man dies höchst selten erlebt. Enormen musikantischen Biss brachte das Duo in seine Interpretation, agierte ausnehmend risikofreudig, hellwach, und reaktionsstark, jede Menge Valeurs auf engem Raum unterbringend: Deftigen Schwung erhielt das Folkloristische und quasi improvisatorisch Blitzende, intensiviert zu einer ungemein erregenden Virtuosität. Schlichtweg atemberaubend fegte das Finale einher, das Turbulente und Burleske funkelte gewaltig, und es wurde ein wahrer musikantischer Rausch, in den sich dieses fabelhafte Interpretenduo hineinspielte.
Bei aller Weltklasse bleibt Patricia Kopatchinskaja in ihrem Auftritt und Spiel völlig unprätentiös und allürenfrei - dem bedingungslosen Hineinwühlen in die Musik gilt all ihr Interesse. Höchst selten erlebt man Künstler, die sich dem Klingenden mit solch einer Leidenschaft ausliefern. Und das tut die Geigerin mit herrlich reich blühendem, geschmeidig-farbenreichem Ton und fabelhaft leichtgängiger Technik. Die rumänischen Volkstänze von Bartok (in der Version für Violine und Klavier) hat man kaum sonst so delikat durchleuchtet gehört.
George Enescus 3. Violinsonate a-moll spielten Kopatchinskaja/Hinterhuber zum Schluss: Den rhapsodischen Tonfall bald beredt entspannt, bald glühend gestaltend, war dies ein höchst beglückendes Spiel aus Herz und Leidenschaft. Die reiche Gabe der Interpreten, sich tief in Klanggeheimnisse zu versenken, aparten Farbenzauber zu entwerfen, eröffnete dieser Musik schönste Perspektiven. Burleskes Temperament, ungestüme Lust bereitete den Folklorismen ein wahres Fest.
Mut zum Risiko belohnt: "Rising Stars" aus Österreich im Brahms-Saal
Manfred A. Schmid in der Wiener Zeitung vom 17.3.2003: Der internationale Gemeinschaftszyklus "Rising Stars" bietet jungen Künstlern Auftrittsmöglichkeit in den großen Konzerthäusern der Welt. Im Brahms-Saal waren nun die von Musikverein und Konzerthaus nominierten "österreichischen" Teilnehmer zu hören: Die aus Moldawien stammende, in Wien lebende Geigerin Patricia Kopatschinskaja und der 30-jährige Pianist Christopher Hinterhuber.
Die beiden schon mehrfach preisgekrönten Musiker präsentierten sich mit einem Programm, das es an Überraschungen und Wagemut nicht mangeln liess. Das bezieht sich nicht zuletzt auch auf die Art der Interpretation. So ist Kopatschinskaja durchaus bereit, der intensiven Gestaltung den Vorzug einzuräumen und dabei auch immer ein Risiko einzugehen. Nicht der "schöne Klang" ist ihr zentrales Anliegen, sondern der Geist der Komposition. Und so kann es in Beethovens Sonate für Klavier und Violine c-Moll op. 30/2 im Scherzo auch durchaus dämonisch und absichtsvoll "unrund" zugehen.
Dass sich gerade junge Künstler mit zeitgenössischer Musik auseinandersetzen ist wünschenswert, aber nicht immer der Fall. Bei Christopher Hinterhuber und Patricia Kopatschinskaja jedoch spürt man, wie sehr ihnen das ein Anliegen ist. Wie selbstverständlich stand daher die Uraufführung eines ihnen gewidmeten Werks von Jorge Sánchez-Chiong im Zentrum ihres Auftritts. Das Stück "Velodrom" des 1969 in Venezuela geborenen und in Wien ausgebildeten Komponisten erwies sich als kurzweiliges Vergnügen: Eine hektisches, unermüdlich im Kreis verlaufendes Fangerl- und Versteckerlspiel. Dabei war die Geigerin besonders gefordert und hatte - in einer an Tonhöhensprachen erinnernden Form - auch zu singen. Furios.
Nach der Pause wurden in Sonaten von Claude Debussy und George Enescu rhapsodische und melancholisch eingetrübte Töne angeschlagen. Pfiffige Zugaben - u. a. eine Miniatur von Stephan Grappelli - beschlossen einen Abend mit zwei Musikern, von denen man gerne und oft noch hören wird.
Tollkühne Ton-Bildhauerin
Karl Harb in Salzburger Nachrichten vom 13.3.2003: Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja macht es sich nicht leicht. Uns auch nicht. Temperamentvoll sind andere auch, Energiebündel ebenso, und es gibt auch andere wagemutige, riskante oder tollkühne Musiker. Aber Patricia Kopatchinskaja hat daneben etwas ganz Eigenes. Und das ist für 26 Jahre ziemlich viel. Im Wiener Saal des Mozarteums zeigte es sich. Zu beschreiben ist es nicht leicht. Es ist zupackend, vital, forsch, zuweilen gar hart an der Grenze des Erträglichen. Aber immer leuchtet in diesem brandgefährlichen Spiel eine sofort unverwechselbare Note auf.
Beethovens c-Moll-Sonate, op. 30/2, beispielsweise fährt mit einem ungestüm wilden Furor auf, kantig und unbequem, trotzig und widerborstig: wie ein ungeschliffener Edelstein. Das muss man nicht mögen, das darf man vielleicht auch daneben finden - ein Edelstein bleibt's irgendwie trotzdem.
Schier körperhaft legt sich Patricia Kopatchinskaja ins Zeug, um Claude Debussys g-Moll-Sonatensolitär von 1917 mit einer quasi musikerotisch lasziven Extravaganz zu versehen: animiert und fantastisch, wie es die Satzcharaktere vorschreiben. Technisch virtuos, betätigt sie sich als eine Ton-Bildhauerin, die die Geige als formbares Stück edles "Holz" begreift, das sie im Saiten-Spiel mit Bogen und Fingern von Moment zu Moment neu bearbeitet.
Klang wird Gestalt: dort am stärksten, wo sie ganz Persönliches, Biographisches einbringen, ihren rumänischmoldawischen Wurzeln nachspüren, ihrer in der Volksmusik beheimateten Familie folgen kann - in George Enescus a-Moll-Sonate "Dans la caractère populaire roumain". Spätestens hier muss auch von Kopatchinskajas Klavierpartner Christopher Hinterhuber die Rede sein, der den "Ausschweifungen" der Geige mit hellhörigster Hingabe und trotzdem individuell folgt und also, bei Enescu, den Steinway klingen lassen kann als hätte er ein Cymbalon eingebaut.
In Ludwig Nussbichlers uraufgeführtem "Traumbildfragment III" darf er sogar am Beginn dominieren - und evoziert mit gläserner Klarheit den geforderten Glockenklang in einem außerordentlich plastisch durchformulierten Stück. Die Geigerin greift virtuos an und ein, und es entstehen - besonders gegen Ende - miniaturartige Gebilde von fragiler Schönheit, kräftig und berückend zugleich. Fabelhaft.
Zirzensische Kunststücke in schneller Folge als Zugaben. Darunter auch, durchaus folgerichtig, Giya Kanchelis "Rag Gidon", für jenen Mann komponiert, der einem mit seinem kompromisslos radikalen Musizieren in den Sinn kommt, wenn man Patricia Kopatchinskaja hört: Gidon Kremer. Auch er spielt nie Konzerte, sondern lässt Musik erleben. Patricia Kopatchinskaja tut das auch - und das ist das grösste Kompliment, das man ihr derzeit machen kann.
Überstürzende Klangkaskaden mit atemberaubendem Tempo
SIS in Badische Neueste Nachrichten vom 4.3.2003: ...Im Konzert im Baden-Badener Theater verstand es das Duo Patricia Kopatchinskaja und Christopher Hinterhuber mit seinen virtuosen Interpretationen ganz ausgezeichnet, das Publikum zu fesseln. Die sehr ausdrucksstarke "Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 d-moll" von Robert Schumann intonierten die beiden Instrumentalisten mit klangvoller Prägnanz und akkurater Homogeneität. Phantasievoll und abwechslungsreich gestaltete die Violinistin die vier spannungsgeladenen Sätze. Immer wieder kontrastierte sehr reizvoll ihre burschikose, kraftvolle Spielweise mit seelenvoller sensibler Hingabe. Das Duo spielte in Anwesenheit von Boris Yoffe dessen sehr anprechende Komposition "Essay" für Violine und Klavier. Auch diese bot Patricia Kopatchinskaja sehr differenziert und voller Sinnlichkeit dar. Sphärisch schwingende Klänge erhielten durch einzelne scharfkantige Töne kraftvolle Akzente. Dann wieder animierten hauchzarte Klänge, in eine friedvolle Stille einzutauchen. Gefühl- bis temperamentvoll begleitete sie Christopher Hinterhuber.
Von zahlreichen musikalischen Varianten und Dissonanzen ist die Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 von Bela Bartok durchzogen, die von der Violinistin mit grosser emotionaler Spielfreude aufgegriffen und ausgearbeitet wurde. Hingabe, Leidenschaft und unbändige Fröhlichkeit prägten die Darbietung "Tzigane, rhapsodie de concert" von Maurice Ravel. Völlig losgelöst von der Partitur, die Musik tief empfindend, praesentierte Patricia Kopatchinskaja voll rasanter Leichtigkeit die sich überstürzenden Klangkaskaden, die sie im atemberaubenden Tempo und flinken Griffen mit Pizzicati verzierte. Sie liebt es, mit Tönen zu kokettieren, mit ihnen Pingpong zu spielen. Dabei schien sie ihnen mit grossen Augen nachzuschauen, lächelnd wie ein erstauntes Kind. Bald darauf zündete sie wieder ein mitreissendes musikalisches Feuerwerk, das die Zuhörer faszinierte und in Begeisterung versetzte.
Beifallsstürme für zwei aussergewöhnliche junge Musiker - "Entdeckungen" im Theater Baden-Baden
Jutta Bergengruen in Badisches Tagblatt vom 4.3.2003: Zu "entdecken" gab es die diesmal die temperamentvolle moldavische Geigerin Patricia Kopatchinskaja und Christopher Hinterhuber... Ganz selbstverständlich praesentierten die beiden jungen Künstler eine Uraufführung und zwei der schwierigsten Werke der Kammermusik, Schumanns zweite Sonate und Bartoks erste Sonate, Werke, die höchste Ansprüche an die Interpreten stellen... Patrica Kopatchinskaja und ihr aufmerksamer Klavierpartner Christopher Hinterhuber sind ein gut eingespieltes Duo. Sie kennen die Schwierigkeiten und versuchen sie durch intensives Hineinhorchen in die Musik zu bewältigen. Das wurde deutlich bei der Uraufführung von "Essay", einer stillen Komposition des Russischen Kopmponisten Boris Yoffe. Neue Musik hat eine eigene Klangsprache und verlangt viel Einfühlungsvermögen. Das bewiesen beide Künstler. Sie machten aus der Messiaen nahe stehenden Komposition ein ästhetisches Erlebnis, in dem selbst die anklingende russische Weltverlorenheit Gestalt annahm. Zugegeben, die aufgewühlte leidenschaftliche Violinsonate von Robert Schumann, eines der letzten Werke des Komponisten, enthielt dagegen andere, ungewohnte Akzente. Von romantischer Hellhörigkeit war wenig zu spüren. Die beiden Interpreten machten daraus ein ungebremstes Bravourstück. Gleich bei den markanten Terz- und Quartsprüngen des ersten Satzes gab Patricia Kopatchinskaja in ihrem Spiel zu verstehen, dass es in diesem Werk eigentlich nur um Spannungen geht. Sie aufzulösen und selbst in den motorischen Passagen melodisch zu spielen, machte ihr Freude. Im Scherzo schien sie immer auf dem Sprung zu sein. Jede Takteinheit war ihr wichtig. Manches klang dabei scharf, emotional gefärbt, wirkte aber wie in dem liedhaften Variationssatz auch träumerisch. Geschmeidig und schlank im Ton wurde sie dabei von ihrem Partner unterstützt, dessen Spiel sehr zurückhaltend wirkte. Nur das rhythmisierte Finale lockte Hinterhuber aus seiner Reserve. Kraftvoll im Ton und sensibel im Zusammenspiel begaben sich beide Virtuosen in diesem Satz auf die Interpretations-Erfolgsroute, die nur vom musikalischen Erobern und Triumphieren sprach.
Auffallend war, dass sich das Duo bei der schwierigen Bartok-Sonate noch mehr zu sagen hatte. In dem liedhaften zweiten Satz war kein pathetischer Tonfall zu hören. Temperamentvoll und spielfreudig kosteten sie die hochdramatische und unruhvolle Atmosphäre der einzelnen Sätze aus. Mitreissend wirkte die Gestaltung des Rondo und Czardas im Finale. Mit einem Schmankrerl, der "Tzigane" von Ravel und drei feurigen Zugaben endete das Programm. Beim Publikum sorgte der virtuose Abschluss für Beifallsstürme.
Ausserordentliches tonliches Interesse
Dennis Rooney in The STRAD, März 2003: Patricia Kopatchinskaja spielt eine sehr farbenreich tönende Pressenda-Geige, deren Viola-artige Qualität ihrem Spiel eine ausserordentliches tonliches Interesse gibt. Zusammen mit dem Pianisten Christopher Hinterhuber spielte sie ein Recital in der Weill Hall, New York. Sie gaben starke Darbietungen von Schumann's Sonate op 121 in d-moll (trotz einigen Momenten von Übervehemenz) und von Bartok's Sonate No. 1 op 21, und dazu eine witzige und auch pantomimische Realisation von Cage's Variationen (1958) wo sich Ausrufe und Bewegungen der Interpreten mit Tonhöhe und Tonlänge der Instrumente kombinierten. Die Interpretation von Ravels Tzigane dagegen enttäuschte, weil sie unerklärlich an Schwung verlor (Übersetzt aus dem -> Englischen Original).
Virtuosität und grosse Leidenschaft
hms im Thuner Tagblatt vom 3.3.2003: Scheinbar waghalsig feurig, brillant und präzis erklang Vivaldis Musik virtuos am Rathauskonzert in Thun: Die reiche musikalische Kultur Venedigs prägte das Schaffen Antonio Vivaldis und so auch das ausverkaufte Rathauskonzert. Der progressive Violinvirtuose Vivaldi stach unüberhörbar bei der jungen, angriffslustigen moldawischen Geigerin Patricia Kopatchinskaja durch.
Als Instrumentalkomponist bot der populärste Komponist seiner Zeit den weiteren Musikern Kaspar Zehnder, Flöte, Matthias Kuhn, Violoncello, und Jörg Ulrich Busch, Cembalo, vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Dabei wurde die Interpretation, statt zimperlich oder langweilig, mit balkanischem Temperament und präzisem Zusammenspiel phänomenal, brillant und zum Teil waghalsig ausgeschöpft. Verblüffend wie die Geigerin die perlenden Läufe der Querflöte imitierte, Verzierungen ohne jegliche Verzögerungen in die rasenden, fast atemberaubenden Tempi einbaute. Forsche Striche sorgten für Impulse und Anlauf für schnelle Passagen, die locker und luftig bis in das feinste Piano gemeistert wurden.
Ereignis par excellence
Balduin Sulzer in der Kronen-Zeitung, Wien, 28.1.2003:... Der Konzertverein Bruckmühle aus Pregarten gastierte mit einem Programm der Extraklasse in Schloss Hagenberg: Die phänomenale moldawische Geigerin Patricia Kopatchinskaja (25), ihr Vater Viktor Kopatchinsky (Cymbal) und der Cellist Herwig Tachezi vermochten das Publikum mit Stücken von Bartok, Ravel, Kurtag und Kodaly in flammende Begeisterung zu versetzen. Die Markenzeichen der Künstler sind bravouröse Technik, verbunden mit intelligenter Musikalität, welche bei der Geigerin zusätzlich durch vulkanartig ausbrechende Emotionalität überhöht wird. Das kann man nicht alle Tage erleben: ein Ereignis par excellence.
Geige im Ausnahmezustand: Kopatchinskajas Streich-Magie
Michael Wruss in Oberösterreichische Nachrichten, Linz vom 27.1.2003: Wenn die junge Geigerin Patricia Kopatchinskaja die Bühne betritt, so erweckt sie einen leicht vorsichtigen, ja schüchternen Eindruck, sobald sie aber die Geige unter das Kinn klemmt, wird sie zur Besessenen, die all ihr schier grenzenloses technisches Können, ihren musikalischen Gestaltungswillen, ihre ausdrucksstarke Gestik und Mimik in den Dienst der Musik stellt. Dabei verblüfft sie, wie vergangenen Samstag bei einem Abend des Konzertvereins Bruckmühle im Ausweichquartier Schloss Hagenberg zu erleben, das Publikum nicht bloss mit der üblichen "Virtuosenkost", sondern begeistert restlos mit einem ausschliesslich dem 20. Jahrhundert gewidmeten, durchaus "sperrigen" Programm.
Gemeinsam mit dem Cellisten Herwig Tachezi gelangen bis ins feinste Detail ausgelotete Interpretationen: Die zwischen melodiöser Lyrik und bitonalen Dissonanzen schwankende Sonate von Maurice Ravel, ebenso wie das von folkloristischen Zügen gekennzeichnete "Duo op.7" von Zoltan Kodaly.
Auch gemeinsam mit ihrem Vater, dem Cymbal-Virtuosen Viktor Kopatchinsky, reizte die Geigerin in Bartoks "Rumänischen Tänzen" und Kurtags "Acht Duos op.4" jede klangliche Nuance vollends aus, wobei sie ihren ungeheuren sonoren und klangvoll warmen Ton mit heftiger, folkloristisch gefärbter Bogenattacke kombinierte und atemberaubende Flageoletts darauf setzte. Zum Abschluss gabs die perfekte Wiedergabe von Ravel's Tzigane (vom Vater für Cymbal bearbeitet) und als kleines Schmankerl Otto M. Zykans erst kürzlich entstandenes virtuos-ironisches Stück "Das mit der Stimme". Das Publikum war zu Recht enthusiasmiert, stellte sich aber die Frage, warum man dieses Ausnahmetalent bislang nur in der Linzer Peripherie zu hören bekommt.
Musikalisches Feuerwerk zum Jahreswechsel
Hiltrud Leingang in Fraenkische Nachrichten vom 3.1.2003: ...Die junge russische Violinkünstlerin Patricia Kopatchinskaja überraschte das Publikum mit Henri Wienawskis Polonaise de concert op.4: Wienawski, selbst ein bedeutender Geiger, fand hier eine Interpretin, deren technische Perfektion das blitzende Staccato ebenso sicher beherrscht, wie das traumzarte Flageolett. Eigentlich der modernen Musik zugewandt, ist Kopatchinskaja ebenso mit der Musik des 19. Jahrhunderts vertraut, wie Antonio Bazzinis "La ronde des lutins" op. 25 bewies. Sie gab das Scherzo fantastique, ein weiteres virtuoses Glanzstück, mit frappierender spielerischer Raffinesse, entfaltete Fingerakrobatik, liess den Bogen über die Saiten tanzen und fand Zeit für energische, selbstbewusste Klangbögen. In Tschaikowskijs Valse Scherzo op. 34 gewann sie einmal mehr die Herzen des Publikums. Ihr Geigenpart umschloss grosse Dimensionen ebenso wie zärtliche Spitzentöne und sonore Klangfülle. Und auch hier wieder ein Flechtwerk aus spieltechnischen Kapriolen.
Funkenstiebend und mit Schalk im Nacken
Ursula Knobloch in Mainpost, Würzburg vom 1.1.2003: Wer könnte einen Kobold-Reigen wohl besser spielen als ein Kobold? Und da dem Mainfranken Theater Würzburg auch beim diesjährigen Konzert zum Jahreswechsel nur das Beste gut genug für sein Publikum war, lud man für Antonio Bazzinis "Ronde des Lutins" Patricia Kopatchinskaja ein, die in dem Virtuosenstück geradezu funkenstiebend und mit Schalk im Nacken das Publikum begeisterte... Die weiteren Werke waren gespickt mit technischen Fallen, in die sich Patricia Kopatchinskaja völlig unerschrocken stürzte und die sie eigentlich immer unversehrt verließ. Sprunghaft die Stimmungswechsel und Tempi in Henri Wieniawskis "Polonaise de Concert" Op. 4. Peter Tschaikowskys "Valse Scherzo" Op- 34 verstand sie als frechen Dreier - der Ton wie immer direkt. Die junge Dame hat auch Komposition studiert, und man hatte den Eindruck, wenn schon nicht eigene Stücke, so spielte sie wenigstens alles, als wär's ein Stück von ihr!
Mystische Atmosphäre
Alfred Kulhanek in Neues Volksblatt, Linz vom 24.12.2002: Olivier Messiaen schrieb sein Quartett für das Ende der Zeit als 32-jähriger deutscher Kriegsgefangener 1940/41 im schlesischen Görlitz. Der Franzose wollte, ausgehend von der Vision des Engels vom Ende der Zeit in der Offenbarung des Johannes, mit seiner wie er sagte immateriellen, katholischen musikalischen Sprache durch namentlich von der Theologie erregte Gefühle den Hörer der irdischen Zeit entfremden. Das Puchberger Kammermusikforum hat für dieses Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts junge Interpreten alle unter 30 gefunden, denen am Sonntag im überfüllten Spiegelsaal des Bildungsschlosses eine hoch sensible Wiedergabe mit vielen beklemmenden Momenten zu danken war. Die moldawische Geigerin Patricia Kopatchinskaja, die Salzburger Pianistin Cornelia Herrmann, Roland Lindenthal, Solocellist im Volksopernorchester, und Alexander Neubauer, Klarinettist der Wiener Symphoniker, harmonierten künstlerisch, trafen die mystische Atmosphäre und gaben den dramatischen Momenten Aggressivität. Die vielen komplizierten Solopassagen, wo es um individuelle Entfaltung ging, waren tief schürfend und nahezu makellos ausmusiziert.
Kopatchinskaja macht großen Eindruck
Bela Luttmer in De Telegraaf, Amsterdam vom 20.12.2002: Die Trennlinien in der klassischen Musikwelt sind meist
Letzteres Stück ist ihr auf den Leib geschrieben ist, nicht zuletzt, weil der Komponist seiner bereits äusserst spannenden Musik ein theatralisches Element zugefügt hat. Violintöne gehen nahtlos über in die Töne der mit Bogenhaaren zum Klingen gebrachten Klaviersaiten. Und dann plötzlich ein Knall: Der Pianist schlägt mit einem Trommelschlegel auf ein in den Flügel gelegtes Holzbrett und gibt damit den Startschuss für eine Kaskade von Violinklängen. Er schlägt noch einmal und noch einmal, aber den nächsten Schlag bremst er unverhofft: Spielt sie jetzt, oder spielt sie nicht? Die schnelle und intuitive Interaktion zwischen Kopatchinskaja und dem Pianisten Christopher Hinterhuber machte, dass für einmal im Concertgebouw nicht nur höflich geschwiegen, sondern herzlich gelacht wurde.
Der Rest des Programms hatte ein vergleichbar hohes Niveau. Schumanns zweite Sonate atmete die wahnsinnige Zerrissenheit, die den Komponisten am Ende seines Lebens in eine geschlossene Anstalt bringen sollte. Leidenschaftlich glühende, herzzerreissende und schöne Töne liess Kopatchinskaja aus ihrer Violine strömen, so selbstverständlich, wie ein anderer im Kaffee rührt. Der Beginn des dritten Satzes ("leise, einfach") erklang in einer scheuen Schlichtheit, die erwachsenen Musikern meist längstens abhanden gekommen ist.
Die erste Sonate von Bela Bartok spielte sie, als ob sie nicht Bartok wiedergäbe, sondern etwas von sich selber. Selten klang diese teuflisch schwierige Sonate so logisch und selbstverständlich wie bei dieser phänomenalen Geigerin, der die Violine eine direkte Verlängerung ihrer reichen Fantasie ist. Dicht auf den Fersen gefolgt vom ebenso kundig musizierenden Christopher Hinterhuber wirbelte sie durch das tänzerische Finale, spielte dieses parlando Volksmusikstück so, als ob sie selber mit dem Phonographen Feldstudien der Folklore gemacht hätte.
Was wäre noch zu berichten? Dass die Tzigane unterbrochen werden musste weil eine Saite riss? Dass das Publikum am Schluss stampfte und tobte wie bei den grössten Weltstars? Zweifellos werden wir Patricia Kopatchinskaja wiedersehen. Und als "Rising Star" kann man sie fortan nicht mehr bezeichnen (Aus dem Holländischen, ->English translation).
Der Körper des Komponisten
Alfred Zimmerlin in der Neuen Zürcher Zeitung, 20.11.2002: Eigen ist der interpretatorische Ansatz bei jedem Werk, das die junge Geigerin Patricia Kopatchinskaja spielt. Ohne Klischees, immer wieder neu. Wohl nicht zufällig wie damals, als Gidon Kremer die Musikwelt mit seiner neuen Emotionalität überraschte, hat man bei ihr das Gefühl, dass sie sich einen Notentext ganz zu eigen macht. Längst nicht alles, was sie spielt, steht in der Partitur. Aber alles, was geschrieben ist, erklingt. Hinter den Noten ist der Körper des Komponisten zu spüren. Diese Körperbewegung ist es, welche Kopatchinskaja hörbar macht. Mit einer Radikalität und Risikobereitschaft sondergleichen wird jeder Ton Teil einer Körpergebärde. Der Schönton ist nur eines von vielen Gestaltungsmitteln. Harsch, ja hässlich kann ihr Ton werden, wenn es der Ausdruck verlangt. Und dann wieder ganz intim, innig. Gerne wird Kopatchinskaja auch theatral. Aber anders als bei manch andern Interpretinnen und Interpreten, die extreme Ausdruckswerte bevorzugen, wirken ihre Interpretationen stimmig und sind voller Überzeugungskraft.
Eine so starke Persönlichkeit braucht an der Seite einen Pianisten, der auf sie eingehen kann, aber auch Eigenes zu sagen hat und seinen Part mit ebenbürtiger Kraft gestaltet. Dass im Rezital in der Tonhalle Zürich Werner Bärtschi dieser Partner war, erwies sich als Glücksfall. Beethovens a-Moll-Violinsonate op. 23, Schuberts frühe a-Moll-Violinsonate D 385 erklangen gleichsam neu, sehr persönlich und je eigen. Manuel de Fallas «Suite populaire espagnole», Maurice Ravels «Tzigane» wurden gleichsam zu ihren Wurzeln in der Volksmusik zurückgeführt - umwerfend. Christian Wolffs «For 1, 2 or 3 People» zeigte sich bei ihnen als Theaterstück. Zum ganz grossen Höhepunkt des Abends wurden aber Anton Weberns «Vier Stücke» op. 7, die wohl kaum je so intensiv, so in jeder Hinsicht an die alleräussersten Grenzen gehend zu hören waren. Und so aus einem Guss, intelligent gestaltet. Das Publikum tobte - vier Zugaben.
Geigerische Kür
Stephan Thomas in Tages-Anzeiger, Zürich vom 20.11.2002: ...Ihr Beethoven war gewiss alles andere als stromlinienförmig, aber auch wieder nicht so nonkonformistisch, wie ihr schon in der Presse nachgesagt wurde. Immerhin war ihr Spiel klanglich ein Genuss und namentlich ihre Piani von filigraner Poesie. Weberns op. 7 nach der Pause müsste man auch noch zur Pflicht zählen, aber dann ging die Kür los: In Stücken von Wolff und de Falla, in Ravels "Tzigane" und in vier zum Teil neckischen Zugaben offenbarte Kopatchinskaja Temperament, Esprit und ein Maximum an Humor.
Christian Wolffs Stück "For 1, 2 or 3 people" dessen Partiturbild E-musikalischen Ernst ausstrahlt wurde zu einer kleinen Performance, zu einer vergnüglichen Klamauknummer, in der auch einmal ein Schuh der Geigerin über die Bühne fliegen durfte. Und so viel iberisches Flair, wie sie in der "Suite populaire espagnole" von Manuel de Falla zu legen wusste, würde man einer jungen Moldawierin wirklich nicht zutrauen. Aus dem gleichen Holz geschnitzt war Ravels "Tzigane". Wer hätte angesichts einer solchen emotionalen Eruption mäkeln wollen, dass man einige Stellen schon präziser zu hören bekommen hat? Bestimmt nicht das Publikum, denn der kleine Tonhallesaal tobte: Das passiert auch in der familiären Atmosphäre von Werner Bärtschis Zyklus (der Gastgeber begleitete übrigens tadellos) nicht alle Tage. So nahm der Konzertabend schliesslich eine ganz andere Richtung, als man es nach den ersten Stücken hätte denken können. Was kann es besseres geben? Programme mit einem berechenbaren emotionalen Verlauf gibt es genug.
Jetzt, jetzt, jetzt!
Benjamin Herzog in der Basler Zeitung, 18.11.2002: Letzten September spielte sie in einer vollen Salle Blanche in Luzerns KKL, am Samstag in Corinne Hummels kleinem Konzertraum im St.Alban-Tal. Damals die grosse Kiste, Sibelius mit den Wiener Philharmonikern, vorgestern Sonaten von Beethoven und Schubert, dazu Spanisches und Avantgardistisches aus dem letzten Jahrhundert.
Begeisterte die 1977 geborene Geigerin Patricia Kopatchinskaja schon in Luzern mit ihrer ungewöhnlich frischen Lesart eines Standardwerkes, so potenzierte sie diese Wirkungskraft in ihrem Basler Konzert noch. Eine Kraft, die den Zuhörer teilhaben lässt an der Gegenwart des Konzertes, an jener Aneinanderreihung von Momenten, jetzt, jetzt, jetzt, an dem eigentlichen Verbindungsstück zwischen den Musikmachern und den Musikhörern. Wer Musik so erlebt, darf sich glücklich schätzen. Der Pianist Werner Bärtschi erwies sich als geradezu idealer Mitspieler. Genauso reich an unorthodoxer Gestaltungslust wie seine Partnerin gab er als vergleichsweise seniorer Mitspieler dem Musikgefüge den soliden Boden, auf dem sich eine niveauvolle Duo-Unterhaltung mit gleichen Ansprüchen entwickeln konnte - geistreich, humorvoll, tief.
Die Beethovenlektüre (Sonate a-moll, op. 23) geriet in das Spannungsfeld von Rhetorik und romantischer Klangsinnlichkeit, war unkonventionell bis zur Inkonsequenz, was als Haltung der Unvoreingenommenheit diesem Werk nur zugute kommen kann. Schuberts Sonate D 385, ebenfalls in a-moll, liess zuerst im Vergleich zu Beethoven weiter innen liegende Kraft vermissen, ein unvermuteter Farbwechsel im letzten Satz jedoch vermochte rückblickend das ganze Werk zu erschüttern. Den ersten Programmteil schlossen Anton Weberns "Vier Stücke" ab, reiner Expressionismus, den Kopatchinskaja mit einer begeisternden Direktheit nachvollzog, fernab von jener verkrampften Ausgetüfteltheit, mit der Webern gemeinhin exekutiert wird.
Überhaupt steckt in dieser Geigerin ein Ausdruckswille, den sie nicht nur mit hervorragenden technischen Mitteln, sondern vor allem mit viel Freude, Lust am Spontanen und ohne Scheu vor Tabubrüchen ihrem Publikum weitergibt. Das war im virtuosen zweiten Programmteil, in den theatralischen Szenen von Christian Wolffs "For 1, 2 or 3 people" zu sehen und zu hören, in Manuel De Fallas "Suite populaire espagnole" Charakterminiaturen von grösster Eindringlichkeit, und abschliessend in Maurice Ravels "Tzigane". Kopatchinskaja spielte dieses Virtuosenwerk mit der Leichtigkeit eines Gassenhauers und einer Spontaneität, die der des unbekümmerten Kindes gleicht, das mit einem Gegenstand mal so, mal anders spielt, weshalb er immer neu ist. Das war ein Entstehen von Musik, wie man es nur sehr selten erlebt.
Phaenomenale Geigerin
Norbert Graf in der Berner Zeitung vom 31.10.2002: ...Das Berner Kammerorchester unter Marc Kissoczy führte Adele Bloesch-Stöcker's Violinkonzert in der Französischen Kirche auf, an jenem Ort, wo es vor 66 Jahren bereits einmal erklungen war... Die Komponistin schrieb ein Werk in symphonischer Form, trotz kleinerer Besetzung. Und sie ist ein Kind ihrer Zeit: Die Liebe zum singenden Geigenton ist unüberhörbar, welche sie mit den hochvirtuosen Möglichkeiten ihres Instrumentes mischt. Doch Frau Bloesch muss eine wache Zeitgenossin gewesen sein: Schalkhaft ironische Kommentare von Fagott und Trommel weisen darauf hin, dass die Komponistin sich nicht mehr im 19. Jahrhundert befindet. Der Erfolg der Wiederaufführung war nicht zuletzt Patricia Kopatchinskaja zu verdanken. Dass sich die phänomenale Geigerin mit solcher Energie in unbekannte (und somit undankbare) Musik zu stürzen wagt, kann ihr nicht hoch genug angerechnet werden.
Un violon et un piano funambules
Julian Sykes dans la Tribune de Genève, 23.10.2002: Drôle de spectacle: la violiniste Patricia Kopatchinskaja mime le comportement d'un funambule. Ses gestes hachurés, maladroits, traduisent la difficulté de rester en équilibre sur une corde raide. Cette musique contemporaine donnée lundi soir au conservatoire de Lausanne, est écrite par la compositrice russe Sofia Gubajdulina. C' est le portrait d'un funambule étonnament réaliste (Der Seiltänzer pour violon et piano). Au lieu de jouer sur les touches du piano, Eva Aroutiounian s'empare de verres qu'elle frotte sur les cordes de l'instrument. cela crée une sonorité d'abord caressante, puis de plus en plus grinçante. Le piano ressemble à un instrument de torture: va t'il se briser? Si la forme peut être simpliste, la pièce dégage cet impact poétique qui fait le génie de Gubaidulina. Les deux demoiselles, dont le récital est voué aux compositeurs de l'Est, redoublent d'humour dans une pièce de Gija Kancheli écrite pour Gidon Kremer (Rag-Gidon-Time). Puis elles se frottent à l'ironie du compositeur Ivan Sokolov: Imaginez des morceaux de papier collés sur un globe terrestre. La violiniste joue ces pièces qui parodient le grand répertoire dans un ordre aléatoire et, dans un geste impulsif, en vient à donner un coup de pied dans le globe. Elle s'abat sur le sol, commer morte sous le poids de la tradition. La dramaturgie de cette pièce (Heimat) tranche avec le charactère plus austère de Galina Ustvolskaia. Un peu longue, sa Sonate pour violon et piano (1952) contient en germes les éléments d'un style volontairement linéaire qui culminera dans les années 80. Il ne reste plus qu'à savourer le bis (et quel bis!): La Fantaisie opus 47 de Schönberg oscillant entre une polyphonie savantissime et des lambeaux de valses viennoises.
Von jugendlichem Temperament erfüllt
Gregor Pompe, 21.10.2002, Dnevnik: Eine Demonstration von schlechtem Geschmack und armseliger Kompositionstechnik ist das Violinkonzert des Polnischen Violinvirtuosen H.Wieniawski. Thematisch blass und ohne Ausdruck, symphonisch unentwickelt, von naiv schablonenhafter Form mit peinlich-schwierigen Violinpassagen. Also ein typisches Akrobatenkonzert, welches diesmal aber nicht spurlos vorbeigegegangen ist, weil als "Artistin" spielte die junge, noch nicht 26-jährige Geigerin Patricia Kopatchinskaja, welche wohl vor einer Weltkarriere steht. Ihr Violinklang ist intensiv, dunkel, immer rein und von jugendlichem Temperament erfüllt, die Technik makellos, die Interpretation für ihr Alter aussergewöhnlich reif. Das Talent der jungen Interpretin wird sicher in Zukunft noch in grösseren Kunstwerken zu entdecken sein (Deutsche Übersetzung).
Gregor Pompe 21.10.02, Dnevnik: Demonstracico slabega okusa in pomanjkljivega kompozicijskega znanja pa dejansko predstavlja Koncert za violoino poljskega violinskega virtuoza iz presnjega stoletja Henryka Wieniawskega. Tematika koncerta je neizrazita in simfonicno popolnoma zakrnela, posledica cesar je naivni. oblikovni sablonizem, iz katerega se mukoma izvijajo le zahtevne solisticne pasaze violine. Pac tipicen "akrobatski" koncert, ki pa ni sel popolnoma mimo nas, saj je v njem kot "artistka" nastopila mlada, komaj sestindvajsetletema violinistka Patricia Kopacinskaja, pred katero se gotovo odpira velika solisticna kariera. Njeb violinski ton je gosto tenien, vedno cist in poln mladostnega temperamenta, tehnika brezhihna, interpretacija pa za njena leta nenavadno zrela. Seveda bo prisel cas za interpretativni spopad z vecjimi umetninami, in takrat bo Kopacinskaja dokoncno lahko razkrila ves svoj talent.Demonstracico slabega okusa in pomanjkljivega kompozicijskega znanja pa dejansko predstavlja Koncert za violoino poljskega
Die Sensation
M.G. im St.Galler Tagblatt vom 14.9.02: Die Sensation aber ereignete sich beim zweiten Luzerner Auftritt der Wiener Philharmoniker. Vorgestellt wurde mit der 25-jährigen Patricia Kopatchinskaja die Gewinnerin des «Credit Suisse Group Young Artist Award 2002». Ein fantastisches Talent, wie sich im Violinkonzert von Jean Sibelius erwies: hauchdünnes Pianissimo, kräftige Sforzati, hier Temperament, dort Innigkeit. Und dazu präsentierte die Moldawierin eine Welturaufführung von Otto M. Zykan. Der 67-jährige Wiener, bekannt als «Kasperl der Avantgarde», ist ein Spassvogel, verlangt von der Geigerin höchste Virtuosität, Stampfen, Singen - und zum Schluss eine artige Pirouette.
Reife Musikerin mit viel Persönlichkeit
Alexander Jegge in der Basellandschaftlichen Zeitung vom 10.9.2002: Die junge moldawische Violinistin Patricia Kopatchinskaja reüssierte mit Sibelius' schwierigem Violinkonzert d-moll (1905). Kopatchinskaja spielte als Gewinnerin des letzten "Credit Suisse Group Young Artist Award". Ihr Talent liegt nicht nur bei ihrer technischen Fertigkeit, die den Sibelius zu einem leichten Musikstück zu machen scheint, sondern vor allem in ihrer Musikalität. Mit viel Temperament spielte sie mit dem immer noch reinen Männerorchester der Wiener Philharmoniker, so dass sichtlich auch den Musikern Hören und Sehen verging. Hier spielte nicht ein geigender Tanzbär oder sonst ein sogenanntes Wunderkind, sondern eine bereits reife Musikerin mit viel Persönlichkeit.
Ganz eigene Sicht
Alfred Zimmerlin in Neue Zürcher Zeitung vom 10.9.2002: Im Rahmen des 23. Sinfoniekonzerts des Lucerne Festival fand auch eine gewichtige Preisübergabe statt: Die aus Moldawien stammende Geigerin Patricia Kopatchinskaja wurde mit dem «Credit Suisse Group Young Artists Award» ausgezeichnet. Der Preis, eine Initiative des Lucerne Festival, der Wiener Philharmoniker, der Gesellschaft der Musikfreunde Wien und der Jubiläumsstiftung der Credit Suisse, wird alle zwei Jahre an herausragende junge Künstlerpersönlichkeiten vergeben, um ihnen die Mittel für einen entscheidenden Karrieredurchbruch zur Verfügung zu stellen. Kopatchinskaja ist tatsächlich eine herausragende Persönlichkeit - zu hören war dies im Violinkonzert von Jean Sibelius, das sie zusammen mit den Wienern und Mariss Jansons darstellte. Diese ganz eigene Sicht auf das, was hinter den Noten der Partitur steht, gelingt nur wenigen. Genau hielt sie sich an den Text, fand aber Feinheiten des farblichen, agogischen, artikulatorischen und dynamischen Ausdrucks, die überraschend neue Aspekte des Werks aufzeigten. Ein Glücksfall auch, dass sie dabei von einem so feinhörigen Dirigenten unterstützt wurde. Als Zugabe spielte sie die Uraufführung von «Das mit der Stimme», einem eher belanglosen Violinsolo-Abziehbildchen mit virtuosen Passagen und «Lalala» des Wieners Otto M. Zykan. Aber auch an ein solches Werk geht Kopatchinskaja mit grossem künstlerischem Ernst heran.
Seiltänzerin ohne Netz
Reinmar Wagner in der Südostschweiz/Bündner Zeitung, Chur vom 10.9.2002: Der Credit Suisse Group Young Artist Award, der alle zwei Jahre vergeben wird ist mit 75000 Franken dotiert, umfasst aber auch einen Konzertauftritt mit den Wiener Philharmonikern. Am Samstag spielte die Gewinnerin Patricia Kopatchinskaja das Sibelius Violinkonzert: Sie hüpft und tanzt auf ihrer Geige wie eine Zigeunerin, vollführt die wildesten Kapriolen, geht an die Grenzen, in die Extreme: ganz laut und ganz leise, ganz schnell und ganz langsam, viel Vibrato, kein Vibrato. Eine Seiltänzerin ohne Netz und ohne Angst vor dem Absturz, aber auch ohne die traumwandlerische Sicherheit, welche die Gefahr vergessen lassen könnte. Patricia Kopatchinskaja machte aus dem Violinkonzert von Sibelius, das zu den grossen Werken des Repertoires gehört - und zweifellos zu den schwierigsten - eine Rhapsodie der geigerischen Möglichkeiten zwischen Virtuosität und Nachdenklichkeit. Musik musiziert quasi aus dem Moment heraus, mit einem Anstrich von Improvisation. Mariss Jansons und die Wiener Philharmoniker liessen der 25-jährigen Geigerin aus Moldawien alle Freiheiten: So leise habe ich dieses Orchester noch nie gehört. Etwas ganz Besonderes war auch die Zugabe: Ein witziges quirliges Stück namens "Das mit der Stimme" vom Wiener Komponisten Otto F. Zykan. Das Besondere daran: Es war die Uraufführung dieses Solostücks, das auf gekonnte Art die Virtuosenkunststückchen à la Paganini mit der Musiksprache von heute verbindet und die Solistin nicht nur als Geigerin, sondern auch als Tänzerin und Sängerin fordert. Kein Problem natürlich für Patricia Kopatchinskaja, Tochter zweier moldawischer Volksmusikanten, die sich als Interpretin wie als Komponistin intensiv mit der Musik unserer Zeit auseinander gesetzt hat.
Mit Mut und Eigenwilligkeit
Christian Berzin in der Aargauer Zeitung vom 10.9.2002: ...Im Zentrum des zweiten Konzertes (der Wiener Philharmoniker) war die Preisübergabe des «Young Artist Award» der Credit Suisse Group an die Geigerin Patricia Kopatchinskaja; sie spielte Sibelius Violinkonzert. Es braucht schon Mut und Eigenwilligkeit, mit einem so weissen, körperlosen Ton in dieses Konzert einzusteigen; innerhalb von 10 Takten gewinnt Kopatchinskajas Ton aber an strahlender Gestalt und geht bald in ein sanftes Knurren auf der G-Saite über. Die Ausgestaltung des Tons kommt bei der jungen Geigerin vor dem virtuosen Hochseilakt. In ihrem Risiko in klanglicher Hinsicht ist auch viel Sinn für Drastik und Groteske, was auch in der Zugabe, einer Uraufführung von Otto M. Zykan, zu hören war. Die artig gemeisterten technischen Sonderleistungen treten bei Kopatchinskaja in den Hintergrund.
Begegnung zweier Vulkane
ebi im Berner BUND vom 9.9.2002: Sie ist ziemlich genau das Gegenteil der hochästhetischen Anne-Sophie Mutter und der kühl-brillanten Victoria Mullova, die 25-jährige Patricia Kopatchinskaja. Und doch muss man sie nach ihrem Luzerner Auftritt in einem Atemzug mit den beiden Stars nennen, die als absolute Spitzenviolinistinnen gehandelt werden. Denn erstens bringt sie alle technischen und gestalterischen Voraussetzungen für eine Weltkarriere mit. Zweitens verbindet sie diese mit so viel Leidenschaft und Mut zum totalen Risiko, dass man sich dem Faszinosum Kopatchinskaja kaum entziehen kann. Kein Wunder also, dass die Jury des mit 75'000 Franken dotierten Credit Suisse Group Young Artist Award sie als Preisträgerin auserkoren hat. Kein Wunder auch, dass sie das Violinkonzert von Sibelius und die für sie sozusagen massgeschneiderte, als Uraufführung angekündigte Zugabe von Otto Zykan am Lucerne Festival zum Ereignis steigerte: dank totaler Identifikation, glühender Intensität, Spass an Kontrasten und oft eigenwilligen Akzenten. Der Dirigent Mariss Jansons und die Wiener Philharmoniker wussten diese musikalischen Vulkanausbrüche aufzufangen und mitzutragen. Sie nutzten vorab die rein orchestralen Aufschwünge, um ihrerseits Glanzlichter zu setzen...
Hochseilakt ohne Absturz
Fritz Schaub in Neue Luzerner Zeitung vom 9.9.2002: Die grosse Unbekannte in einem ansonsten typischen Wiener Programm (Strauss Walzerfolge aus dem «Rosenkavalier», mit raffinierten Temporückungen, und Brahms Sinfonie Nr. 1, auf Kosten der Strukturschärfe etwas gar klangüppig) war im 23. Sinfoniekonzert der Wiener Philharmoniker unter Mariss Jansons die junge Geigerin Patricia Kopatchinskaja (vgl. Interview in der Ausgabe vom 5. September), der als Preisträgerin des Credit Suisse Group Young Artist Award u. a. ein Auftritt mit den Wiener Philharmonikern winkte. Sie packte die Chance und begeisterte in Jean Sibelius Violinkonzert das Publikum, das schon nach dem ersten Satz spontan in Beifall ausbrach. Eine verständliche Reaktion: Zigeunerblut scheint in den Adern dieser Nachwuchskünstlerin zu fliessen, sie geht volles Risiko ein (was bisweilen auf die Intonation drückt), stürzt sich sozusagen kopfüber in den Dialog mit dem Orchester, beginnt Phrasen zurückhaltend, um dann in rhapsodischen Aufschwüngen förmlich zu explodieren. Ungewöhnlich auch die Zugabe: ein Bravourstück, so virtuos wie spektakulär, von Otto M. Zykan exakt auf die Fähigkeiten dieser Künstlerin zugeschnitten.
Explosion der Leidenschaft
Andreas Schiendorfer und Caroline Smrstik im CS-emagazin vom 9.9.2002: Patricia Kopatchinskaja, Trägerin des «Credit Suisse Group Young Artist Award», begeisterte am Samstag das Publikum am Lucerne Festival. Dem hochtalentierten Energiebündel steht eine internationale Karriere bevor. «Ich werde meine ganze Energie in das Violinkonzert von Jean Sibelius stecken und, wenn es denn das Publikum wünscht, in die Uraufführung der Komposition von Otto M. Zykan», schrieb Patricia Kopatchinskaja wenige Tage vor dem grossen Konzert an Michael Haefliger, Intendant des Lucerne Festival und Vorsitzender der Jury des «Credit Suisse Group Young Artist Award» - per e-mail natürlich, denn die 25-jährige Preisträgerin ist durch und durch ein Kind der Moderne. Was aber würde das in Bezug auf Sibelius bedeuten? Wie würde sie ihre Maxime «ich suche die Freiheit in den Noten» konkret umsetzen?
Eine Explosion der Leidenschaft: Unvorbereitet strömte das Publikum nicht in den Konzertsaal, und wurde durch die Leidenschaft der Geigerin aus Moldawien dennoch völlig überrumpelt. Immer wieder rissen Haare ihres Violinbogens, wenn Patricia in ihrem Dialog mit dem Orchester und dem Publikum vor Energie geradezu explodierte. Man hörte, spürte den Unterschied zwischen einem perfekten Vortrag, wie ihn Hunderte von Interpreten ihres Alters beherrschen, und einem persönlichen, engagierten und risikoreichen Spiel. Mit ihrer Spielweise wird Patricia Kopatchinskaja nicht nur auf Zustimmung stossen, aber sie wird sich immer vom Durchschnitt abheben.
Humor gehört zur modernen Musik: Bei der Uraufführung des von Otto M. Zykan eigens für sie und diesen Anlass komponierten Werks «Das mit der Stimme» bewies die Interpretin auch ihren Sinn für szenischen Humor. Manch ein Zuhörer musste schmunzeln, wenn sie überraschend auf den Boden stampfte oder zu singen begann; aber lächerlich war der Vortrag nie. Auch diesen Hochseilakt, vielleicht fast noch absturzgefährdeter als das Sibelius-Konzert, meisterte sie bravourös. Deshalb erwies sie sich als würdige Empfängerin des laut Haefliger weltweit bedeutendsten Preises für hochbegabte junge Musiker.
Ständchen mit Phänomen
ebi im BUND, Bern 19.8.2002: Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja entpuppte sich nicht nur als fulminante Ravel-Interpretin, sie steckte im zweiten Sinfoniekonzert mit ihrer Begeisterung neben dem Publikum auch Orchester und Dirigenten an: Vor Ravels «Tzigane» war das zweite Sinfoniekonzert der Murten Classics ein recht gefälliges und unterhaltsames Abendständchen. Mehr nicht... Aber dann kam sie, spielte und siegte auf der ganzen Linie: Patricia Kopatchinskaja, Artist in Residence und Violinistin von bereits internationalem Renommee. Wie die 25-jährige Ausnahmekönnerin sich mit schier unbändiger Vitalität ins Abenteuer der Ravel-Konzertrhapsodie stürzte, wie sie dort Virtuosität und emotionale Kraft, Zigeunerbrio und feinste Schattierungen, dämonische Hintergründigkeit und mädchenhaften Schalk völlig natürlich und selbstverständlich zu verbinden wusste, das war fulminant, das war ereignishaft. Mehr noch: Der Funke sprang auch aufs Orchester der Nationaloper Litauen und seinen Chefdirigenten Liutauras Balciunas über. Und plötzlich klang das zuvor eher bemühte als inspirierte Ensemble viel engagierter, viel lebendiger. Dies kam der atmosphärisch dichten, tadellosen Begleitung zugute... Ende gut, alles gut also im praktisch ausverkauften Schlosshof Murten, und dies vor allem dank einer Person, die mit ihrer Begeisterung und ihrer Energie alle ansteckte: dank dem Phänomen Patricia Kopatchinskaja.
Sommernächtliche Idylle
Beate Schlichenmaier in den Freiburger Nachrichten vom 19.8.2002: Die chronologische Zeit loszulassen - hierzu verhalf die Geigerin Patricia Kopatchinskaja im Violinkonzert von Ludwig van Beethoven. In den ersten Takten weihte sie das Publikum in die Geheimnisse ihres Spieles ein: Sie führte die nach strahlendem Aufstieg langsam abfallende Melodie des ersten Solos bis in die Stille hinein. Dort liegt das Zentrum ihrer Kraft, dort holt sie neuen Atem, um die virtuosen Passagen des Satzes vigilant und temperamentvoll zu gestalten. Patricia Kopatchinskaja spielte die Stille und hüllte den zweiten Satz in eine Atmosphäre des Pianissimo. Durch ihr eigenes Zuhören vermochte sie beim Publikum die Spannung und Konzentration zu erwecken, in welcher absolute Stille herrscht und in welcher der zarteste Geigenton zum überwältigenden Erlebnis wird. Umso entspannender kam der dritte Satz daher, die Violinistin sparte hier weder an Witz noch an prickelnder Lebendigkeit.
Leidenschaft und Anmut
Lotte Brenner im Thuner Tagblatt vom 18.6.2002: Jung und temperamentvoll war der Duo-Nachmittag: Patricia Kopatchinskaja, Violine und Nicolas Gerber, Klavier spielten sich mit Leidenschaft und Anmut in die Herzen des Publikums. Schon in der Schumann-Sonate Nr. 1 a-moll zeigten die beiden präzises Zusammenspiel und grosses musikalisches wie technisches Können. Lieblich, spielerisch war das Allegretto eingebettet, das - wie nebenbei - von schönen Stunden erzählte. Es folgte ein modernes Programm - witzig und vor jugendlichem Temperament sprühend bis am Schluss. Mit dem Stück "Der Seiltänzer" der tatarischen Komponistin Sofia Gubajdulina wagte sich die Violinistin optisch und akustisch auf das hohe Seil. Spannung herrschte im Saal: Hält es die Tänzerin durch? Steht es der Steinway-Flügel durch, dessen Saiten ungewohnt direkt bearbeitet wurden? Beide haben die Mutprobe überlebt. Bei Debussys g-moll-Sonate besass der Flügel wieder seinen vollen, warmen Klang, den Nicolas Gerber auch in kräftigen Passagen zur Geltung brachte. Abwechslungsreiche Musik mit tollen Ideen und kühnsten Kontrasten - ein Necken und Schmollen nebeneinander: So schloss das Konzert mit Prokofjev. Humorvoll verabschiedeten sich die Interpreten mit Kantchelis Ragtime "mit fast keinen Tönen" und Stravinskys Galopp, einem vierhändigen Nasenstüber auf dem Piano.
Artifizielle Höchsttemperaturen
Kronen-Zeitung, Wien vom 28.5.02: ...Dann György Kurtags "Kafka Fragmente", vom Komponisten treffsicher aneinandergereihte Tagebuchnotizen. Die zu artifiziellen Höchsttemperaturen aufgeheizte Musik realisierten Anna Maria Pammer (Sopran) und Patricia Kopatchinskaja (Geige) mit atemberaubender Brillanz, Klangphantasie und Ausdruckskraft: zwei brennende Dornbüsche, aus denen die Stimme Gottes tönt...
Begeisterndes Frühlingskonzert
Der Murtenbieter, 27.3.02: ...Einem Aufbruch im wahrsten Sinne des Wortes, respektive des Tones kam das überzeugende Konzert der Geigerin Patricia Kopatchinskaja und des Pianisten Ivan Sokolov gleich... Patricia Kopatchinskaja verkörperte mit ihrer beeindruckenden musikalischen Leistung den Frühling mit all seinen lieblichen bis stark emotionalen Gefühlen. Die technische Raffinesse, der musikalische Ausdruck und das atemberaubende Zusammenspiel zeigten, dass die Murten Classics 2002 erneut mit Musikern von höchstem Niveau besetzt sein werden...
Permanente intelligente Klangverwandlung
Nikolaus Cybinski in BZ, Liestal vom 25.3.2002: Kennen Sie Namen wie Jelena Firsowa, Boris Yoffe, Giya Kancheli, Valentin Silvestrov, Ivan Sokolov, Nikolaj Korndorf? Ein gutes Jahrzehnt nach dem Verschwinden des Eisernen Vorhangs lernen wir nach und nach Musik kennen, die bezeugt, dass es in der USSR eine Komponistenszene gab, die sich erfolgreich dem Diktat des Sozialistischen Realismus widersetzte, indem sie es gewitzt unterlief...
In Corinne Hummels "Neue Musik und Konzerte Basel St. Alban 2000" hatte diese Musik mit Patricia Kopatchinskaja eine kongeniale Interpretin. Die aus Moldawien gebürtige und in Wien und Bern ausgebildete Geigerin hat ein waches Gespür für alle Nuancen der Tonbildung und da technisch alles da ist, wird ihr Spiel zur permanenten intelligenten Klangverwandlung. Ihr Fortissimoton bleibt erstaunlich strahlend und würde Konzertsäle mühelos füllen. Neben so viel geigerischer Praesenz hatte es Ivan Sokolov am alten Bechstein erheblich schwerer. Gleichwohl liess er in Gubajdulinas Seiltänzer und vor allem in Ustvolskajas Sonate hören, dass er mehr ist als nur der Begleiter einer hochbegabten Geigerin. Ustvolskajas expressionistisch-archaische Musik von 1952 wird für das Klavier zum Kraftwerk. Das fünftönige Quartmotiv hämmerte Sokolov uns bis zum Gehtnichtmehr in die Ohren und am Schluss glaubten wir's ihm. Langer Beifall.
Faszinierende Zeitreise
Walter Schönenberger im BUND, Bern vom 2.3.2002: ...Igor Strawinskys aus der Beschäftigung mit Bach gewachsenes viersätziges Violinkonzert in D (1931) hat - je nach Interpretationsansatz - zwei Seiten: eine distanziert-kühle und eine nervig heissblütige. Patricia Kopatchinskaja setzte ohne Federlesen auf die zweite, und das Resultat war von umwerfender technischer und musikantischer Dimension, genährt von einer wie unter Elektrizität stehenden Innenspannung. Kein Jota von flügellahmer pseudobarocker Gediegenheit, vielmehr eine gebändigte Flut von Klängen, die auch Spielgeräusche als Ausdrucksmittel einbeziehen und in den Dienst eines weiten Bereichs der Akzente und Emotionen stellen. Auf kurzen Nenner gebracht: eine massstäbliche Interpretation von eminenter persönlicher (auch körperlich intensiver) Ausstrahlung und künstlerischer Relevanz.