Kolja Lessing (*1961), "Die Fahrt ins Unbekannte" und "Die Schönheit eines Traums"  für Klarinette und Violine (komponiert 1979 und 1980, das zweite Stück ist Hansheinz Schneeberger und Stefan Siegenthaler gewidmet und wurde von ihnen uraufgeführt). 

Aus einer ganzen Reihe von kurzen Kompositionen, die Kolja Lessing im Alter von 19 Jahren verfasste, ragen besonders die beiden Stücke für Klarinette und Violine mit den suggestiven Titeln "Die Fahrt ins Unbekannte" und "Die Schönheit eines Traums" heraus. Lessing, ebenso hervorragender Geiger wie Pianist, liess sich darin von der Klangwelt des späten Skrjabin inspirieren. Es gelang ihm auf faszinierende Weise, das exaltierte, entrückte, wie das wild ausbrechende dieses Klavierstils in ein völlig anderes klangliches Idiom zu übertragen. Angestrebt wird dabei vor allem eine fast symbiotische Verbindung von Klarinette und Geige. Die Motivik baut sich weitgehend aus gewissen dissonanzreichen Akkordgebilden auf, und zwar sowohl in der gleitenden Bewegung des ersten, wie in der nervös zuckenden Gestik des zweiten Stücks. Es spricht für die grosse kompositorische Begabung Lessings, dass die Originalität seiner musikalischen Erfindung und der Reichtum seiner klanglichen Vorstellung sich gerade durch die vom grossen Vorbild empfangenen Anregungen hindurch manifestiert. 

Hansheinz Schneeberger, 15.11.2004

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