RAVEL, Maurice
Sonate für
Violine und Klavier
Ravel komponierte
die Violinsonate ab 1923 und brachte sie 1927 mit dem Geiger Georges
Enescu zur Uraufführung. Es ist ein transparentes Werk, in
dem die beiden Instrumente selbständige, einander gegenüber
gestellte Parts haben. Der Klaviersatz ist durchgehend zwei-
oder dreistimmig. In den vier Themen des ersten Satzes tauchen
Reminiszenzen aus Epitaph pour Ronsard und aus L'Enfant et
les Sortilèges auf. Der zweite Satz - Blues, Moderato -
verweist auf Ravels Beschäftigung mit dem Jazz. Nicht eine
Stilkopie wird hier angestrebt, sondern Ravel verwendet den Blues als
Inspirationsquelle. "Ich habe zwar diese populäre Form
übernommen", sagte er 1928 während einer USA-Reise,
"aber ich wage zu behaupten, dass die Musik, die ich geschrieben
habe, trotzdem französisch ist, Ravels Musik". Der dritte
Satz - Perpetuum mobile - gerät aus einem zuerst stockenden
Impuls heraus in eine durchgehend abschnurrende Bewegung, in der
Motive aus dem Kopfsatz und dem Blues aufgegriffen und verarbeitet
werden (Walter Kläy).
Tzigane
1922 hörte
Ravel in seiner eigenen Sonate für Violine und Cello die feurige
ungarische Geigerin Jelly d'Aranyi, Nichte Joseph Joachims, welche
mehrere Komponisten ihrer Zeit angeregt haben soll (nicht nur
kompositorisch). Auf seinen Wunsch habe sie ihm stundenlang im Stil
der ungarischen Zigeuner improvisiert. Wenig später habe Ravel
sie in Paris mit Bartok in dessen (ebenfalls ihr gewidmeten) erster
Sonate gehört und diesem gesagt: "Unserer so
anstrengungslos spielenden Freundin werde ich ein diabolisch
schwieriges Stück schreiben - das Ungarn meiner Träume
auferstehen lassend - und wieso nennen wir es nicht
"Tzigane"?". Für technische Raffinessen liess
sich Ravel die Paganini-Capricen vorspielen. Die Uraufführung
durch die Widmungsträgerin war 1924 in London. Wenig später
adaptierte Ravel die Klavierstimme für das 1922 in Paris
patentierte Luthéal, ein modifizierter Flügel, der auch
Harfen- und Cembaloklänge erzeugt, dem Cymbal nahe kommend. (>>Kritik).
Introduction et
allegro für Harfe, Flöte, Klarinette und Streichquartett (1905)
Eines der
einfallsreichsten Werke des Komponisten. Material aus der Einleitung
gibt auch die Themen des Allegros. Deren dichter Verarbeitung folgt
nach Harfenkadenz Reprise und Coda.
Ravel schrieb dazu in einem Brief: "Die letzten Tage vor meiner Abreise (zu einer Kreuzfahrt auf Flüssen und Kanälen in Belgien, Holland und Deutschland) war ich entsetzlich beschäftigt, wegen eines Auftrages der (Harfen- und Klavierbau-) Firma Erard für ein Harfenstück. Acht Tage härteste Arbeit und drei durchwachte Nächte waren nötig, um es - mehr schlecht als recht - fertig zu schreiben". Und als er endlich mit den Eheleuten Edwards und den Malern Pierre Bonnard und Pierre Laprade auf der Yacht war ergänzte er "Der Albtraum der letzten Tage ist vergessen".