SCHUBERT, Franz (1797-1828): Zum Variationensatz im Forellenquintett in A-Dur, Op.posth 114 D667.
Schubert hat zu einigen seiner Lieder auch instrumentale Variationensätze geschrieben, einer findet sich auch im Forellenquintett. Der Liedtext ist ja bekannt:
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In einem
Bächlein helle |
Ein Fischer mit
der Rute |
Doch plötzlich
war dem Diebe |
Weniger bekannt ist Entstehung dieses Gedichtes: Der Dichter und Organist Christian Friedrich Daniel Schubart schrieb es 1782 in der Württembergischen Festung Hohenasperg, wo er seit schon über fünf Jahren in einem Turm in Einzelhaft sass. Anfangs war er dort mit Sprech- und Schreibverbot belegt und wurde häufig geprügelt.
Der Grund: Geboren 1739 war er ab 1769 Organist im Württembergischen Ludwigsburg wurde dort aber wegen kirchenfeindlicher Gesinnung und Liederlichkeit des Landes verwiesen. Im Exil schrieb er wöchentlich in seiner "Deutschen Chronik" freimütige Beiträge zu Musik und Literatur, sowie Polemiken gegen Kirche und Absolutismus, gegen inkompetente Regenten und Kleinstaaterei. Er propagierte Grundrechte, Nationalstaat und die Genie-Aesthetik von Sturm und Drang.
1777 wurde er auf Anordnung des Herzogs mit einer tückischen List über die Grenze nach Württemberg gelockt und als gefährliches Subjekt zwecks gewaltsamer Umerziehung eingesperrt. Zuerst konnte er seine Gedichte nur durch ein Mauerloch einem Mitgefangenen diktieren und dann aus dem Gefängnis herausschmuggeln lassen. Jahre später durfte er Gedichte auch aufschreiben und nach Zensur weitergeben. Erst zehn Jahre später freigelassen starb er schon 1791.
Das Forellengedicht beschreibt eigentlich Schubarts eigenes Schicksal, aber verschlüsselt. Zur noch besseren Täuschung der Zensur hatte das Gedicht noch eine vierte Strophe, welche unerfahrene Mädchen davor warnt, sich von falschherzigen Verführern angeln zu lassen.
Den Zeitgenossen jedoch war der autobiographisch-politische Gehalt klar. Und Schubert, der später, aber im ähnlich repressiven Metternich'schen Staat lebte, vertonte auch nur die ersten drei Liedstrophen und dies in einer musikalischen Form, die ein Anhängen der tarnenden letzten Strophe gar nicht erlaubt.
Auch im Variationensatz des sogenannten Forellenquintetts kann man das Gedicht anklingen hören: Zuerst das Thema als friedliche Natur. In der ersten Variation das Spiel der Wellen. In der zweiten das Spiel der Forelle. In Variation drei spielen Cello und Kontrabass das Thema unisono und piano (es wird allerdings entgegen der Anweisung immer forte gespielt!), übertönt von im forte wirbelnden Arpeggien des Klaviers - wirbelt hier der Fischer verstohlen das Bächlein auf, der Forelle die Sicht trübend? Die vierte Variation fortissimo, höchste Erregung, dann Ersterben - kämpft und verendet hier die Forelle an der Angel? Dann das traurig klagende Cello der fünften Variation, eine der überhaupt rührendsten Celloparts der Kammermusik - wohl die Trauer über den Verlust von Freiheit und Leben. Zuletzt als doch heiterer Abschluss die Erinnerung, was die Forelle war und sein könnte.
Wenn Schuberts Zeitgenossen das Stück politisch verstehen konnten, so können wir heute darin auch eine Klage über den stückweisen Verlust von Natur und Kreatur hören.
SCHUBERT, Franz (1797-1828): Streichquintett C-Dur op.163, D956
Nur zwei Monate vor seinem Tod schrieb Schubert sein Streichquintett. Die Uraufführung erst ein Vierteljahrhundert später erweckte bei Joseph Joachim Befremden wegen der ungewohnten Klänge. Aber das Werk ist die Summa der Kammermusik, von diesseitiger Seligkeit, aber besonders von endzeitlichen Extremen und Ausblicken ins Jenseits sprechend. DAS Werk für die Insel und ein Muss, wenn man zwei gute Cellisten zur Hand hat.
SCHUBERT, Franz (1797-1828): Sonate "Grand Duo" für Klavier zu vier Händen C-Dur, op.post.140, D812 (1824)
I.Allegro moderato - II.Andante - III.Scherzo, Allegro vivace - IV.Allegro vivace.
Im ungarischen Zseliz unterrichtete Schubert 1824 wie schon im Sommer 1818 als Klavierlehrer die beiden Töchter des Grafen Esterhazy. Hier komponierte er die C-Dur- Sonate für Klavier zu vier Händen. Das Manuskript wurde vom Verleger der Clara Schumann geschenkt und ist heute in Privatbesitz in Oxford. Schumann hielt das Werk für den Klavierauszug einer Symphonie. Joseph Joachim instrumentierte die Sonate 1855 und brachte sie 1856 in Hannover mit Orchester zur Aufführung. Andere halten sie für ein Klaviersonate in symphonischen Stil - es wurde von der ersten "vierhändigen Symphonie" gesprochen. Die Sonate wurde vom Verleger aus Verkaufsgründen "Grand Duo" genannt.
SCHUBERT, Franz (1797-1828): Arpeggione-Sonate a-moll, D821 (1824)
Allegro moderato
Adagio
Allegretto
In
Franz Schuberts Nachlass fand sich ein Werk, das seinen ersten
Biographen Rätsel aufgeben sollte: die "Sonate für
Arpeggione und Pianoforte". Ein Instrument namens Arpeggione war
ihnen nicht bekannt, sie vermuteten darin einen speziellen Harfentyp.
Tatsächlich handelt es sich aber bei dem Arpeggione um eine Art
Kreuzung aus Gitarre und Violoncello, die ohne Schuberts Sonate wohl
vollständig in Vergessenheit geraten wäre. Erfunden wurde
der Arpeggione im Jahre 1823. Das erste Aufsehen erregte er weniger
aus musikalischen Gründen, als vielmehr wegen eines recht bizarr
anmutenden Urheberstreits. Sowohl der Wiener Geigenbauer Johann Georg
Staufer als auch der in Pest wirkende Peter Teufelsdorfer
beanspruchten für sich die Erfindung des Instruments, das
vorerst als Guitarre d'amour, Bogen-Guitarre oder Sentimental-Guitarre
bezeichnet wurde.
Das Musikinstrumentenmuseum Berlin besitzt eines der wenigen bekannten Arpeggione-Instrumente. Es wurde vermutlich von Anton Mitteis in Leitmeritz in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut. Der Umriss des Korpus, ohne Randüberstand und mit flachem Boden, die Metallbünde auf dem eher flachen Griffbrett sowie die sechs Saiten in der Stimmung E-A-d-g-h-e' stammen von der Gitarre, vom Violoncello die Saitenlänge, die gewölbte Decke mit der entsprechenden Steghöhe sowie Spielhaltung und Bogenspieltechnik. Schuberts 1824 komponierte Arpeggione-Sonate wird heute in Bearbeitungen für Cello oder Viola gespielt, da kaum jemand mehr das Originalinstrument beherrscht.